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Mülltouristen entsorgen Möbel im Wald

Wülferode Mülltouristen entsorgen Möbel im Wald

Die illegale Abfallbeseitigung im Bockmerholz und im Misburger Wald ärgert Spaziergänger ebenso wie den Revierförster.

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Moos angesetzt: Ganze Polstergarnituren verrotten in Bockmerholz und Misburger Wald. Mehrmals im Jahr entfernen aha-Mitarbeiter den Sperrmüll aus den Naturschutzgebieten.

Quelle: Marcel Schwarzenberger

Wülferode. Frühling und Sommer haben viele Vorteile: Die Bäume grünen, Blumen sprießen – und so manche Schmuddelecke im Wülferoder Bockmerholz und im Misburger Wald wird gnädig von frischen Blättern verdeckt. Diese Flächen sind Naturschutzgebiete, dienen Erholungsuchenden als Ausflugsziele und haben auch wirtschaftlichen Wert. Allerdings nutzen auch Mülltouristen die Waldstücke gerne als illegale Kippen – zum Ärger vieler Naturfreunde.

Beate Eichmann hat solch eine Müllkippe gefunden. Alte Polstermöbel vermodern langsam in einem Waldstück nahe der Straße Pappelwiese, haben sogar schon Moos angesetzt. Ein von Joggern und Radfahrern genutzter Waldweg führt nur wenige Meter entfernt an der Stelle vorbei – eine Route, die auch Eichmann gerne nutzt. Seit Jahren läuft die Rentnerin regelmäßig durch den Forst. „Ich habe hier schon oft Müll gesehen“, sagt sie verärgert. Manchmal lägen Schrottteile oder alte Möbelstücke monatelang herum; irgendwann verschwänden sie dann. „Warum muss man überhaupt Müll abladen, wo es doch viele Möglichkeiten zur kostenlosen Abgabe von Sperrmüll gibt?“, fragt sich Eichmann. Und wer kümmere sich eigentlich um das Abtransportieren von Abfall?

Revierförster Ernst-Friedrich Freise ist für den Zustand des Waldes verantwortlich. Abfallbeseitigung gehört zwar nicht zu seinen Aufgaben, aber dem Müll begegnet auch er bei seinen Streifzügen häufig. „Gartenabfälle, Waschmaschinen oder Teppiche findet man hier immer wieder“, berichtet er. Auch in anderen Wäldern in und um Hannover werde Müll abgeladen: „Viele Kollegen beklagen das ebenfalls.“ Dass der Müll nichts in der Natur zu suchen hat, ist die eine Sache. Aber die Tatsache, dass beispielsweise mit alten Elektrogeräten auch Giftstoffe in den Wäldern abgeladen werden, macht die Kritiker richtig ärgerlich. Zudem arbeiten sich die Mülltouristen mit ihren Fahrzeugen oft rücksichtslos über schmale Pfade zu den Verstecken vor. „Die Möbel hat ja keiner mit der Hand hergetragen“, meint Eichmann zu „ihrem“ jüngsten Fundort. Dabei könne, wer den Abfall bereits im Auto verladen hat, einfach einen der vielen Wertstoffhöfe in Hannover anfahren. Das sieht auch Förster Freise so: „Ich habe überhaupt kein Verständnis für das Abladen im Wald.“ Wer immer solche Ecken finde, solle umgehend die Polizei oder den Abfallentsorger aha anrufen.

„Im Stadtforst obliegt dem städtischen Fachbereich Umwelt und Stadtgrün die Entsorgung von Müll“, sagt Stefan Schlutter, Sprecher des Abfallentsorgers. In Forsten wie dem Bockmerholz und dem Misburger Wald sei dagegen aha zuständig, weil es sich um Naturschutzgebiete handele. Etwa zwei bis drei Mal im Jahr holen aha-Mitarbeiter illegalen Müll aus dem Misburger Wald, insgesamt bis zu zehn Kubikmeter. Die jährlichen Kosten liegen bei gut 500 Euro. Für Reinigungsarbeiten im Bockmerholz belaufen sich die jährlichen Kosten sogar auf bis zu 3000 Euro.

Die Müllverklappung sei zwar ärgerlich, allerdings in Hannover „kein Riesenproblem“, meint Schlutter. Denn in Stadt und Region sei das Netz von Wertstoffhöfen, die Sperrmüll kostenlos annähmen, sehr dicht. Und dieses Netz werde auch gut genutzt. Anderswo, im Schaumburgischen etwa, koste die Abgabe Geld – und das befördere das illegale Abkippen. Dennoch: Wer Müllecken im Wald entdeckt, kann aha über die kostenlose Service-Hotline 0800–9991199 informieren.

Marcel Schwarzenberger

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