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Süd Muschelkalk und viele kleine Kreuze
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Muschelkalk und viele kleine Kreuze
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08:45 15.03.2015
Ohne Seitenschiffe oder Säulen: Das Innere der Bugenhagenkirche besticht durch seiner Bauweise - und verströmt Leichtigkeit. Quelle: Rainer Surrey
Südstadt

Der Form nach geht es kaum klarer: Kreisrund ist die Bugenhagenkirche; nur eine Fensterwand ist daran geradlinig „angeschnitten“. Auch städtebaulich hat sie etwas Mathematisches und bildet nahe zur Eilenriede den Endpunkt der Straßenachse Sallstraße/Stresemann­allee. So puristisch und schlicht die Bugenhagenkirche nach außen wirkt, ist sie selbstverständlich der zentrale Ort für die evangelisch-lutherischen Christen in diesem Gebiet. Pastorin Ute Neveling-Wienkamp führte den Stadt-Anzeiger durch das auffällige Gotteshaus, das seinen Namen nach Johannes Bugenhagen, einem Weggefährten Martin Luthers, hat.

Die Gemeinde selbst entstand bereits 1937. Im Klinkerstil errichtete sie ein Gemeindehaus, das - weil die Nationalsozialisten neue Kirchenbauten verboten hatten - heimlich auch einen Kirchensaal hatte. Im November 1962 weihte Landesbischof Hanns Lilje nebenan die Bugenhagenkirche ein und verglich sie mit einer „Gottesburg“, denn bis auf die Fensterwand zeigt sich das Gebäude mit einer zehn Meter hohen Rundmauer aus gebrochenem Muschelkalkstein.

Das Erscheinungsbild der neuen Kirche mag damals nicht nur in der Südstadt einiges Aufsehen erregt haben. Der Architekt Werner Dierschke kam aus den eigenen Reihen der Bugenhagengemeinde. Im hannoverschen Bauwesen war er kein Unbekannter: In den fünfziger Jahren wirkte er unter anderem am Bau des Conti-Hochhauses und des Ratsgymnasiums mit, die heute - mit anderen Nutzern - unter Denkmalschutz stehen. Dierschke amtierte zudem mehrere Jahre als städtischer Baudirektor.

Direkt an den Rundbau der Bugenhagenkirche lehnte er den Glockenturm, der als „filigrane Himmelsleiter“ 42 Meter in die Höhe ragt. „Im Inneren der Kirche haben wir dann einen einzigen Saal, der ohne Seitenschiffe oder Säulen auskommt“, erläutert Pastorin Neveling-Wienkamp. Auf trapezförmigen Grundriss verjüngt sich der Kirchenraum zum Altar hin. Den Eindruck von Leichtigkeit verstärkt die abgehängte Decke, die über den bis zu 500 Sitzplätzen zu „schweben“ scheint. An der Südseite dringt Helligkeit durch die Fensterwand, die in viele kleine, teils farbige Quadrate unterteilt ist. Durch diskretes Oberlicht wird außerdem der Bereich um den Altar betont.

Die Innenwände des Kirchenraums bestehen durchgehend aus unverputzten, weiß gestrichenen Bausteinen, die liegend angeordnet sind. In jeder siebten Reihe aber wurde ein Band aus ebenfalls weiß gestrichenen Lochsteinen eingesetzt. „Dies erinnert an den Siebten Tag als den Tag des Herrn und auch des Gottesdienstes“, erklärt die Pastorin. Hinter dem Altar nimmt die Zahl der Lochsteine deutlich zu, die rein bautechnisch auch der Akustik dienen. Eine Kindergartengruppe der Gemeinde sollte im vergangenen Jahr vor dem Osterfest das Kreuz in der Kirche suchen. „Aber hier sind ja überall Kreuze“, riefen ein paar Pfiffige. Kinder entdecken solche Details offenbar schneller als die Großen, denn in der Tat sind sämtliche Löcher der Lochsteine wie kleine Kreuze geformt.

Ein recht hohes, aber schlankes Kreuz aus Eisen hängt an der Altarwand. Geschmiedet hat es 1962 der Ost-Berliner Metallbildhauer Fritz Kühn, der mit seinen Werken auch an vielen öffentlichen Bauten und Plätzen in Westdeutschland vertreten ist. Er schuf auch die beiden Türflügel für das Portal der Kirche. Nicht zu vergessen ist schließlich das Kruzifix auf dem Altar. Gar nicht mal groß ist es, aber von besonderer Gestalt. Eine Scheibe aus Bronze hat einen hervorgehobenen Rand, der an einen Heiligenschein denken lässt. In der Mitte steht Jesus. Doch keinen gekreuzigten Schmerzensmann hat der Nürnberger Bildhauer Heinz Heiber dargestellt, sondern einen Gottessohn, der die Kirchenbesucher freudig mit offenen Armen empfängt. Auch damit ist die Bugenhagenkirche sicher etwas Seltenes.

Von Gerda Valentin

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