Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Neue Fassade für das Kulturdenkmal Heinemanhof
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Neue Fassade für das Kulturdenkmal Heinemanhof
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
10:40 25.08.2011
Der Fassade des von Beate Gundert geleiteten Heinemanhofes in Krichrode steht eine langjährige Sanierung bevor. Quelle: Harfst
Kirchrode

Das Kulturdenkmal Heinemanhof in Kirchrode, das heute ein städtisches Altenheim und das Kompetenzzentrum Demenz beherbergt, steht kurz vor einer umfangreichen Sanierung. Jeder einzelne Backstein entlang der fast 500 Meter langen Fassadenfronten, die vom belgischen Architekten Henry Clement van de Velde im Bauhausstil geplant und 1930 fertiggestellt wurden, soll dafür ausgetauscht werden. Insgesamt veranschlagt die Stadt Hannover 3,7 Millionen Euro für die Bauarbeiten, die sich über sechs Jahre hinziehen sollen. Land und Bund würden die Sanierung wegen der Einstufung des Heinemanhofs als „national wertvolles Kulturdenkmal“ im Rahmen des Denkmalpflegeprogramms mit jeweils 900 000 Euro bezuschussen, für 2011 sind bereits zweimal 150 000 Euro Unterstützung bewilligt. Bedingung: Die Bauarbeiten beginnen noch in diesem Jahr. Die politischen Gremien in Hannover müssen die Pläne aber noch absegnen. „Sobald wir den Beschluss haben, können wir loslegen“, sagt Heimleiterin Beate Gundert.

Die Zeit hat an der acht Jahrzehnte alten Backsteinfassade ihre Spuren hinterlassen. „Nach so langer Zeit werden selbst diese Steine durchlässig“, erklärt Gundert, die den Betrieb mit seinen 150 Bewohnern und ebenso vielen Mitarbeitern koordiniert. Feuchtigkeit ist an etlichen Stellen in das rote Mauerwerk eingedrungen und hat zu Korrosionsschäden geführt. Jeder einzelne Backstein muss bei der Sanierung deshalb während des laufenden Betriebs ausgetauscht werden. Das ist ein Mammutprojekt; die neuen Ziegel werden aus einem belgischen Steinbruch geliefert, laut Gundert in einer einzigen Charge, um ein einheitliches Bild abzugeben. Das mit der Sanierungsplanung beauftragte Architekturbüro hat die Steine entlang der fünfstöckigen Fassade des wuchtigen Van-de-Velde-Baus gezählt. Insgesamt müssen demnach Zigtausende Ziegel ausgetauscht werden. Auch die beiden sogenannten Torhäuser – ehemalige Pförtnergebäude, in denen heute die städtische Musikschule und eine Kindertagesstätte beheimatet sind – bekommen mit neuen Steinen ihr ursprüngliches Gesicht zurück.

Neben der Fassade will die Stadt auch die 20 Balkone der Patientenzimmer instandsetzen. Die Terrasse soll wieder nach dem Vorbild von 1930 gestaltet werden, was bedeutet, das der zwischenzeitlich verlegte Waschbeton roten Ziegeln weichen muss. Auch stehen bauliche Veränderungen für mehr Barrierefreiheit an. Den riesigen Garten hinter dem Altbau können insbesondere Rollstuhlfahrer derzeit kaum nutzen, da er nur über Treppen zu erreichen ist; ein Aufzug wird dort Abhilfe schaffen. Für eine bessere Wärmedämmung sollen neue Fenster sorgen. „Die Pläne sind fix und fertig“, erläutert Gundert. Weil die Arbeiten während des normalen Pflegebetriebs ablaufen, werde es zwischenzeitlich Einschränkungen für die Bewohner geben, kündigt die Heimleiterin an. Aber: „Niemand muss umziehen.“ Der Altbau wird als Altenpflegeheim genutzt, außerdem wohnen dort zehn jüngere Menschen mit Behinderung. Die Bewohner des sogenannten Kompetenzzentrums Demenz sind seit 2008 in einem benachbarten Neubau untergebracht.

Ursula von der Leyen (CDU), Bundesarbeitsministerin und Bundestagsabgeordnete für den Wahlkreis Hannover-Süd, freut sich über die Sanierungspläne und die Zuschüsse im Rahmen des Programms „National wertvolle Kulturdenkmäler“. „Ich gratuliere dem Träger des Heinemanhofs zur Förderung und wünsche gleichzeitig viel Erfolg für die Sanierung“, ließ sie mitteilen. Hannover brauche den Heinemanhof.

Seit 81 Jahren gilt der Heinemanhof als eine der architektonischen Besonderheiten Hannovers. Architekt Henry Clement van de Velde (1863-1957) fühlte sich zunächst dem Jugendstil verpflichtet, wandte sich dann aber der architektonischen Moderne zu. Den Heinemanhof, der anfangs noch als wuchtiger Monolith wie eine Insel inmitten ländlicher Umgebung lag, konzipierte er in Zusammenarbeit mit dem hannoverschen Gartenarchitekten Wilhelm Hübotter. Als Finanzier engagierte sich die Minna-James-Heineman-Stiftung des amerikanischen Ingenieurs Dannie M. Heineman. Dieser hatte die Stiftung zu Ehren seiner 1928 in Hannover verstorbenen Mutter gegründet. Das Bauwerk mit dem großzügigen Garten diente zunächst als Alterssitz für jüdische Frauen.

Die Nationalsozialisten beschlagnahmten das Gebäude 1941, enteigneten die Stiftung und richteten im Van-de-Velde-Bau ein sogenanntes „Judenhaus“ ein. Doch noch im selben Jahr wurden die dort untergebrachten Gefangenen in verschiedene Konzentrationslager deportiert.

Nach dem Zweiten Weltkrieg diente das Gebäude der britischen Besatzungsarmee zunächst als Kaserne. 1958 erhielt die wiedergegründete Stiftung den Bau zurück, schenkte ihn aber einige Jahre später der Stadt Hannover. Seit 1968 leben wieder Senioren in den fünf Stockwerken in Kirchrode unweit der Grenze zu Bemerode. „Deswegen gehört der Heinemanhof zu den Achtundsechzigern“, scherzt Heimleiterin Beate Gundert.

Im vergangenen Jahrzehnt wurden die Patientenzimmer auf Basis moderner Pflegestandards saniert. Heute ist in dem Gebäudekomplex, der sieben Wohnbereiche umfasst, auch das Kompetenzzentrum Demenz mit 105 Pflegeplätzen für demenziell Erkrankte untergebracht. Ein Teil des Parkgeländes ist speziell auf die Bedürfnisse der erkrankten Bewohner ausgerichtet.seh

Sebastian Harfst

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Wegen der Vollsperrung der Lange-Feld-Straße wird der Verkehr in Kirchrode über den Bünteweg umgeleitet. Doch auch dort behindern nun mehrere Baugruben den Verkehr, Autos können die Fahrbahn nur einspurig passieren. Viele Anwohner sind verärgert.

25.08.2011

Seit Abschluss seines Kunststudiums ist Wilfried Behre aus der Südstadt leidenschaftlicher Bildhauer. Die größten Skulpturen meißelt er in seiner Frischluftwerkstatt im Staudengrund am Maschsee.

25.08.2011

Eine Elterninitiative will ihren Kindergarten in Waldheim nach 30 Jahren modernisieren. Für den Ganztagsbetrieb ist das bestehende Gebäude Am Schafbrinke zu klein geworden, ein Neubau wäre auch für den Energieverbrauch positiv.

25.08.2011