Südstadt. Auf der einen Seite der Straße An der Weide – auf dem ehemaligen Kertess-Gelände – stehen die Bauarbeiten für ein neues Fachmarktzentrum noch am Anfang, auf der anderen Seite ist ein Schmuckstück moderner Industriearchitektur nahezu fertiggestellt: das „Umspannwerk Süd“. Im Rahmen eines gewerblichen Bauherrenmodells wurde die zu Zeiten der Weimarer Republik gebaute, dreigeschossige Trafostation in einen attraktiven Gewerbestandort moderner Prägung umgewandelt.
Vier Firmen und drei Privatleute traten als Investoren in Erscheinung; sie sind teilweise selbst in den langgestreckten Bau eingezogen oder haben ihre Räume vermietet. Die Innenfläche von gut 1900 Quadratmetern ist in vier vertikale Segmente mit drei verschiedenen Eingängen unterteilt. Zu den Nutzern zählen eine Yoga-Schule, zwei Grafik- und ein Modedesigner, eine Immobilien- und eine Steuerberatungsgesellschaft sowie Planungsfirmen und ein Schulungsunternehmen für Steuerberater. Fast alle Räume sind bereits bezogen, noch bis zum Frühjahr wird es allerdings dauern, bis auch der letzte Nutzer – ein Anwaltsbüro – sich dort eingerichtet hat.
Knapp anderthalb Jahre hatten die Handwerker in dem Klinkerbau im Dreieck von Wredestraße, Jordanstraße und An der Weide zu tun. Viele Absprachen waren notwendig, um die unterschiedlichen Interessen der Bauherren mit denen der Denkmalschutzbehörde unter einen Hut zu bringen. Die Projektleitung lag in Händen des Innenarchitekturbüros „Indigo“, das nun auch selbst in dem Komplex residiert; ferner waren die Architekten Karsten Dietzsch und Carsten Schlüter beteiligt.
Die Fassade mit ihren markanten Klinkerbändern und gemauerten Ornamenten wurde vorsichtig abgestrahlt und glänzt seither in neuer Frische. Der Kriechkeller im Erdgeschoss ist abgesenkt worden, um eine passable Raumhöhe von 2,80 Metern zu erreichen, in den darüberliegenden Etagen beträgt die Deckenhöhe sogar „loftige“ 3,45 bis fünf Meter. Das Erdgeschoss und das erste Stockwerk wurden mittels Deckendurchbrüchen zusammengeführt, außerdem ließen die Bauherren zwei neue Treppenhäuser einbauen. Die Fensteröffnungen blieben am Platz, sind nun aber mit grauen, dreifach verglasten Holzfenstern ausgefüllt, deren Sprossen-Gestaltung mit den Denkmalschützern abgesprochen ist. Da eine Außendämmung aus optischen Gründen nicht in Frage kam, senkt nun eine Innendämmung den Energieverbrauch des Hauses.
Die Fertigstellung des Projekts „Umspannwerk“ verzögerte sich aufgrund des kalten Winters 2010 / 11 und des großen Abstimmungsbedarfs der Beteiligten um einige Monate. Auch kletterten die Kosten von avisierten 2,8 Millionen auf rund 3,5 Millionen Euro. Es sei eine durchaus aufreibende Unternehmung gewesen, meint Stefan Thöle von „Indigo“: „Aber aus unserer Sicht hat es sich gelohnt, wir sind sehr zufrieden mit dem Ergebnis.“
Im Außenbereich fällt insbesondere die Absenkung des Erdreichs vor der südlichen Fassade ins Auge: Hier wurden etwa 70 Zentimeter Boden abgetragen, damit das Erdgeschoss nicht wie ein Souterrain wirkt. Bis zum Frühjahr soll die äußere Gestaltung des 2500 Quadratmeter großen Grundstücks unter Federführung des Landschaftsarchitekten Andreas Ackermann abgeschlossen sein. Fünf neue Laubbäume werden noch gepflanzt, daneben eine Rasenfläche und ein Beet angelegt. Doch wollen die Bauherren auch den gewerblichen Charakter des historischen Hofs wieder herstellen: So soll das alte Basaltpflaster neu verlegt werden, auf dem schließlich 25 Stellplätze für Autos entstehen.
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