Volltextsuche über das Angebot:

18 ° / 8 ° wolkig

Navigation:
Partygänger vergraulen Tiere aus der Leinemasch in Hannover

Döhren-Wülfel Partygänger vergraulen Tiere aus der Leinemasch in Hannover

Viele Tiere seien aufgrund der intensiven Nutzung der Masch als Naherholungsraum auf dem Rückzug, beklagte Jagdpächter Heinz Pyka in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel.

Voriger Artikel
Weltspieltag lockt Kinder und Erwachsene in den Süden von Hannover
Nächster Artikel
In Hannover geht der Streit um den Verkehr weiter

Das A und O für die Wildtiere in der Leinemasch, so Pyka, sei Ruhe.

Quelle: HAZ

Ein flammendes Plädoyer für den Schutz der Tierwelt in der Leinemasch hat Jagdpächter Heinz Pyka in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel gehalten. Störche und Gänse hat sicher jeder Spaziergänger schon einmal gesehen, bei Vögeln wie Austernfischern und Sperbern, Käuzen oder Buntspechten sind die Chancen auf Blickkontakt auch nicht schlecht, Waschbären, Wiesel oder Steinmarder kann man dagegen nur mit viel Glück zu Gesicht bekommen. Doch viele Tiere seien aufgrund der intensiven Nutzung der Masch als Naherholungsraum auf dem Rückzug, beklagte Pyka, der auch Vorsitzender des Fischereivereins Hannover ist. Dachs und Fuchs seien aus vielen Winkeln vertrieben worden, Rehe bekäme man nur noch selten zu Gesicht, und einige Vogelarten seien fast vollständig verschwunden. Eindringlinge in den Lebensraum der Tiere gibt es viele: Grillparty-Fans und Geocaching-Schatzsucher ebenso wie Hunde und Katzen.

Immer wieder passiert es, dass Hunde Rehe reißen. Meist sei dies eine blutige und für das Opfer quälende Angelegenheit, berichtete Pyka, weil die Hunde dem Wild nicht – wie etwa der Wolf – „professionell“ an die Gurgel gehen und dem Leid des Beutetiers relativ schnell ein Ende bereiten, sondern es von hinten anspringen und zerfleischen. Jüngst erst sei ein Kitz nahe dem Storchennest in Wülfel von Hunden gerissen worden, berichtete der Jagdpächter, die umherirrende Ricke habe man noch eine Weile beobachten können. Tragisch sei auch, wenn eine Ricke einem Hund zum Opfer falle, man aber die Kitze nicht finden könne. „Selbst ein kleiner Yorkshire kann zum Jäger werden, wenn eine Meute von Hunden losstürmt und die ursprünglichen Instinkte die Oberhand gewinnen“, sagte Pyka. Bezirksratsbetreuerin Gabriele Mewes wies darauf hin, dass die sieben kommunalen Parkranger derzeit verstärkt darauf achten würden, dass Hundehalter ihre Tiere an der Leine führen – doch die städtischen Grünflächen sind groß.

Auch Vögel werden durch Hunde oft empfindlich gestört. „Wenn ein Bodenbrüter wie die Feldlerche ein Gelege mit sechs Eiern bebrütet, und dann kommt das Herrchen und spielt mit seinem Hund nebenan eine halbe Stunde mit der Frisbeescheibe, dann fliegt der Vogel notgedrungen weg“, erzählte der Jäger ein Beispiel aus der Praxis. Käme die Lerche dann irgendwann zurück, sei das im Stich gelassene Gelege wegen ihrer allzu langen Abwesenheit verloren.

Das A und O für die Wildtiere in der Leinemasch, so Pyka, sei Ruhe. Ein Reh habe einen jeweils mehrstündigen Rhythmus von Äsen und Wiederkäuen, und diesen sollte man tunlichst nicht unterbrechen. Naturfreunde, die sich aufraffen, das Gelände rund um Kiesteiche und Leine in den Morgenstunden zwischen drei und acht Uhr zu erkunden, könnten die noch existierende Artenvielfalt intensiv erleben und würden mit nachhaltigen Eindrücken belohnt. Die Welt sei ebenfalls noch in Ordnung, wenn Spaziergänger und Radfahrer tagsüber auf den vorgeschriebenen Wegen bleiben würden. Doch in der Praxis leinen viele Spaziergänger ihre Hunde nicht an und diese scheuchen gerne Wildtiere im Unterholz auf. Streunende Katzen gehen auf Jagd und reißen Vögel; sie setzen ihr Werk auch fort, wenn sie nicht mehr hungrig sind. Hinzu kommt, dass in der Leinemasch zunehmend Tiere räubern, die hier nicht hingehören: der amerikanische Nerz etwa oder der russische Marderhund.

Wenn uneinsichtige Zeitgenossen Enten in großem Stil füttern, meinte Pyka, locke das Wanderratten an; diese wiederum würden die Gelege von Bodenbrütern plündern. Der Jäger hat auch schon häufig beobachtet, dass sich Camper in Ecken niederlassen, die überhaupt nicht für sie gedacht sind, etwa entlang dem Umflutgewässer. Jüngst habe ihn ein Anruf erreicht, dass junge Leute direkt unter dem Storchennest in Wülfel grillen würden – für Pyka unfassbar. „Hätten wir die Wiese an der Wilkenburger Straße nicht schon vor Jahren eingezäunt, gebe es dort eh keine Störche mehr“, ergänzte er. „Und wenn dann nachts laute Musik durch die Leinemasch schallt, Flaschen zerschmettert werden und Partygänger gröhlend durch das Unterholz ziehen, ist das für manche Tiere wie Folter“, wählte er einen drastischen Vergleich. Grundsätzlich sei die Leinemasch, wenngleich von Menschenhand angelegt, mit ihren Wiesen und Wasserflächen, ihren Buschlandschaften und Schilfzonen eine strukturreiche Landschaft, erklärte der Pächter, dessen Jagdrevier bis Ricklingen und AWD-Arena reicht. Doch der Druck der Zivilisation und der Städter mit ihren Ansprüchen an eine naturnahe Freizeitgestaltung mache den Tieren in der Leinemasch das Leben immer schwerer – und damit sei dieses „Kleinod“ akut bedroht.

Bezirksratsfrau Maria Hesse (CDU) bedankte sich bei Pyka für die „Sensibilisierung“ zum Thema Naturschutz und erinnerte daran, dass Jäger ja auch immer Heger seien. Das Angebot des Pächters, den Politikern die Schönheiten der Leinemasch bei einem Spaziergang in den frühen Morgenstunden nahezubringen, stieß bei Bezirksbürgermeisterin Christine Ranke-Heck auf offene Ohren: „Wir werden interfraktionell besprechen, wer an solch einem Ausflug Interesse hat.“

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Süd
So schön ist die Südstadt in Hannover
Region Hannover
So schön ist Hannover-Kirchrode