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Süd Peter von Drathen ist nach Feierabend ein passionierter Maler
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Peter von Drathen ist nach Feierabend ein passionierter Maler
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15:22 28.07.2011
Über den Dächern von Döhren malt der Anwalt Peter von Drathen abstrakte Kunst.
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Döhren

Begonnen hat alles im Urlaub auf Usedom, im Jahr 1998. Es war Herbst, das Wetter war schlecht, Peter von Drathen saß im Ferienhaus und hatte plötzlich Lust zu malen. Er holte Block und Pastellkreiden hervor – und legte los. Heute, fast 13 Jahre später, hat der Döhrener mehr als tausend Kunstwerke geschaffen; seit 2003 stellt er sie auch aus, nicht wenige werden verkauft. Drathen ist inzwischen passionierter Maler, wenn auch nur nebenberuflich.

„Mein Glück ist, dass ich nicht vom Malen leben muss“, sagt von Drathen. Denn existenzsichernd sei das Künstlern nicht. „Als Hobby trägt es sich gerade selbst“, sagt der 58-Jährige. Seine Brötchen verdient von Drathen als Anwalt. Er ist Partner einer Kanzlei im Zooviertel und spezialisiert auf Strafrecht; seinen Alltag verbringt er mit Aktenstapeln, Mandantengesprächen und Gerichtsterminen. Doch in jeder freien Minute steht von Drathen an der Staffelei. Dank seiner Tageslichtlampe geht das auch abends: „Ich komme meistens gegen neun nach Hause“, sagt der Anwalt, „und male dann noch ein paar Stunden vor mich hin.“ An der Staffelei könne er abschalten, denn Malen sei „etwas für die Seele“.

Künstlerische Begabung zeigte von Drathen bereits in jungen Jahren. Als Sohn eines Beamten in der Südstadt aufgewachsen, besuchte er die Bismarckschule am Maschsee. Sein Kunstlehrer dort war der hannoversche Maler Erich Grün, er weckte in von Drathen die Leidenschaft für das Malen. „Schon damals hat mir Kunst viel Spaß gemacht“, sagt der grauhaarige, schmale Mann. Ein Kunststudium kam ihm nach der Schulzeit aber dennoch nicht in den Sinn.

Nach dem Abitur 1971 ging von Drathen zunächst zur Bundeswehr, danach für eine Ausbildung zur Dresdner Bank und schließlich nach Göttingen zum Jura-Studium. Anfang der Achtziger kam er nach Hannover zurück und gründete seine Kanzlei. Als von Drathen 1989 mit seiner Frau Ingrid in das Döhrener Drei-Kaiser-Haus in der Landwehrstraße einzog, wurden die Weichen zur Kunst wieder gestellt: Das Ehepaar lebt ganz oben unter dem Dach, in einer großen lichtdurchfluteten Mansardenwohnung – wie für einen Künstler gemacht.

Nach dem besagten Usedom-Urlaub 1998 wurde das Wohnzimmer zum Atelier: Peter von Drathen malte wieder, nach 27 Jahren Pause. Zuerst griff er zu Ölkreide, später nahm er Pastell-, Aquarell- und Gouachefarben. „Ich habe alle möglichen Techniken ausprobiert, um zu lernen und meinen Stil zu entwickeln“, sagt der Feierabendmaler. Seit fünf Jahren malt er vor allem mit Acryl. Von Drathens Bilder erinnern entfernt an Piet Mondrian oder Mark Rothko, sie sind das Gegenteil von gegenständlicher Malerei, farbenfroh und oft quadratisch. „Quadrate habe ich schon immer gemocht“, sagt der Künstler. Außerdem hat er eine Vorliebe für Blau und Erdtöne. Und wer genau hinschaut, entdeckt in von Drathens Bildern trotz aller Gegenstandslosigkeit manchmal winzige Figuren, Köpfe oder Tiere, die kleine Geschichten erzählen.

Professionelle Anleitung findet von Drathen in Kunstbüchern, oder suchte sie – bis zu dessen Tod im Jahr 2009 – bei seinem ehemaligen Kunstlehrer. „Erich Grün hat mich dazu ermutigt, meine Werke auszustellen“, sagt von Drathen. Die erste Ausstellung war 2003 in dem Döhrener Geschäft Creaktiv, gut zwanzig weitere in und um Hannover folgten bis heute. Seit ein paar Jahren malt von Drathen nicht nur, sondern fotografiert auch oder zeichnet – beeinflusst von seinem großen Vorbild Horst Janssen – mit Tinte. „Immer das Gleiche wäre langweilig“, sagt er.

Langweilig wird es von Drathen bestimmt nicht, für Inspiration sorgen seine Frau, sein zweites Hobby Golf, und sein Stadtteil. „In Döhren bin ich verwurzelt, die Ecke rund um den Fiedelerplatz ist für mich wie ein Dorf, da kenne ich jeden“, sagt der Anwalt. Seit Jahren ist von Drathen kulturell im Stadtteil aktiv, etwa beim alljährlichen Döhrener Kunstspaziergang. Und sollte er sich einmal hauptberuflich zur Ruhe setzen, würde er doch gerne noch Kunst studieren, so der 58-Jährige. „Mit dem Malen höre ich erst auf, wenn meine Bilder in der New Yorker MOMA hängen“, scherzt er.

Sophie Hilgenstock

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