6°/ 0° wolkig

Navigation:
Abo bestellen HAZ-Shop HAZ Media Store AboPlus HAZ Service
Projekt „Gewaltfrei Lernen“ motiviert Schüler
Mehr aus Süd

Anderten Projekt „Gewaltfrei Lernen“ motiviert Schüler

Ab Montag wird nicht mehr geschubst: Das Projekt „Gewaltfrei Lernen“ zeigt Kindern der Grundschule Anderten, wie sie Konflikte ohne zu prügeln lösen können.

Eisteichweg 7, Hannover 52.36333 9.85262
Eisteichweg 7, Hannover Mehr Infos
Nächster Artikel
Transporter brennt auf Parkplatz aus

Bernd Strauch, Oliver Henneke, Tania Rubenis und Rektorin Regiena Hasselmann-Schröder (v. li.) mit Kindern, die beim Projekt „Gewaltfrei Lernen“ dabei sind.

Quelle: Michael Thomas

Anderten. Veronika weiß genau, was sie nicht will. Sie will nicht mehr geschubst werden. Und sie will auch nicht mehr mit anderen auf dem Pausenhof rangeln. Die Achtjährige wirkt zwar auf den ersten Blick schüchtern und zurückhaltend. „Aber ich weiß mich jetzt zu wehren“, erklärt sie selbstbewusst und fügt hinzu: „mit guten Worten.“ Dass Veronikas Selbstbewusstsein so wachsen konnte, liegt auch an Oliver Henneke. Der Gründer und Vorstand des Fördervereins „Gewaltfrei Lernen“ war für drei Wochen an der Grundschule in Anderten und hat mit den Kindern spielerisch eingeübt, wie man Probleme ohne zu prügeln lösen kann. Aber auch die Lehrer und Eltern holte der Konflikttrainer mit ins Boot: „Wir wollen alle dazu motivieren, an einem Strang zu ziehen.“

Das haben alle Beteiligten schon getan, bevor der Konflikttrainer überhaupt seine Arbeit aufnehmen konnte. Zwar trug die Sparda-Bank Hannover-Stiftung mit 3000 Euro den Löwenanteil der Projektkosten. Aber auch die Eltern selbst brachten 1800 Euro auf, der Bezirksrat gab 1500 Euro hinzu, und das Stadtbezirksmanagement machte 600 Euro locker, um die Initiative an die Schule holen zu können. Zudem übernahm auch das Land Kosten von etwa 1000 Euro, die es als Lehrerweiterbildung verbuchte.

Drei Wochen lang ist Henneke nun in der Turnhalle der Grundschule gewesen und hat dort mit den Jungen und Mädchen trainiert. „Los, komm jetzt“, fordert er eines der Mädchen auf. Er steht hinter ihr und hält ihre Handgelenke fest. „Lass mich bitte los!“, antwortet sie. „Nein, komm schon...“ Doch dann wird es der Schülerin zu bunt. Sie dreht sich schnell um die eigene Achse und entwindet sich geschickt dem Griff des Erwachsenen. „Schraube“ hat der Konflikttrainer diese Bewegung genannt. Der Ausdruck ist den Kindern haften geblieben. Auch die anderen Befreiungsgriffe haben einprägsame Namen: Beim „Gorilla“ beispielsweise reißen die Kinder einfach ruckartig beide Arme nach oben und können sich so befreien, wenn jemand ihre Handgelenke umklammert hält.

„Wir brauchen ein paar coole Tricks, um uns wehren zu können, ohne dem anderen weh zu tun“, erklärt Henneke. Er setzt auf Worte. Bei ihm lernen die Kinder auch „Stopp“ zu sagen und Grenzen aufzuzeigen.

Die „Stopp-Regel in drei Schritten“ haben auch die Lehrer und die Eltern in einem Brief schriftlich bekommen. Sie sollen nicht nur wissen, was an der Schule passiert, sondern auch aktiv dazu beitragen, dass das Erlernte dauerhaft umgesetzt wird. „Uns ist wichtig, dass alle an einem Strang ziehen“, sagt Schulleiterin Regina Hasselmann-Schröder. Sie sieht auch einen Vorteil für die „Kleinen“ der Grundschule, sich gegen die „Großen“ von der Hauptschule, die im selben Gebäudekomplex untergebracht sind, besser behaupten zu können. Beim sogenannten Reißverschluss-Trick, bei dem sich die Kinder vorstellen, den Reißverschluss einer Jacke hochzuziehen, nehmen sie automatisch den Kopf hoch. Wer das tut, geht automatisch selbstbewusster auf andere zu - so wie Veronika, die sich jetzt mit Worten zu wehren weiß.

Voriger Artikel Voriger Artikel
Nächster Artikel Nächster Artikel
Anzeige
So schön ist die Südstadt in Hannover

Region Hannover

So schön ist Hannover-Kirchrode