Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Süd Renovierung: Jakobikirche wirft sich in Schale
Hannover Aus den Stadtteilen Süd Renovierung: Jakobikirche wirft sich in Schale
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
16:41 03.04.2010
Rund eine Million Euro kostete der Neubau der alt-katholischen Kirche an der Brabeckstraße. Quelle: Dirk Kirchberg

Ostern schaffen wir leider nicht wegen des langen Winters“, sagt Klaus Hagelberg vom Kirchenvorstand. Eigentlich sollte nur das Dach erneuert werden. „Doch es war schlimmer als erwartet“, erinnert sich Hagelberg. Im gesamten Dachgebälk hatte sich Hausschwamm eingenistet. „Schon in der Bibel im 3. Buch Mose steht, dass man ein Haus mit Hausschwamm abreißen soll. Doch das konnten wir uns nicht leisten“, fügt Hagelberg schmunzelnd hinzu.

Der Hausschwamm, der ein feuchtes, nicht zu kühles Klima bevorzugt und als gefährlicher Gebäudezerstörer gilt, hatte sich vermutlich während des Zweiten Weltkriegs im Gebälk festgesetzt. 1941 war die Jakobikirche von einer Luftmine getroffen worden. Danach stand die Kirche einige Jahre beschädigt offen, weil sich der Wiederaufbau verzögerte, und bot dem Schwamm eine willkommene Angriffsfläche. Außerdem wurde nach dem Krieg nicht alles erneuert, so dass der Befall unentdeckt blieb. Nun, rund 70 Jahre später, stießen die Architekten auf die Schäden. So blieb der Gemeinde nichts anderes übrig, als das befallene Gebälk fachgerecht auszutauschen.

Die Gauben an der Nordseite des Kirchenschiffes wurden erneuert und das Dach an der Ost- und der Nordseite isoliert. Folie und neue Dachlatten schützen nun das Gemäuer vor eindringender Feuchtigkeit. Moderne Dachziegel ersetzten die alten, sogenannten „Mönche“ und „Nonnen“, halbrunde Ziegel, die abwechselnd aufeinandergelegt wurden. „Die Nonne unten, der Mönch oben“, wie Kirchenvorstandsmitglied Rolf Zurmöhle augenzwinkernd erläutert.

Im Innenraum der Kirche wurde der alte Putz abgeschlagen und ein Schwammsperrmittel in das befallene Mauerwerk gespritzt. „Die Innenwölbung war glücklicherweise noch intakt“, sagt Küsterin Ursula Westphal. Auf einen neuen Außenanstrich musste die Gemeinde allerdings verzichten, denn die Kosten der Sanierungsarbeiten verdoppelten sich nahezu von geplanten 300.000 Euro auf nunmehr etwa 500.000 Euro.

Etwa das Doppelte, rund eine Million Euro, hat die einen Steinwurf entfernte alt-katholische Gemeinde an der Brabeckstraße in ihren Kirchenneubau investiert. Den Großteil der Kosten trägt hier das Bistum Deutschland, mehr als 51.000 Euro kamen an Spendengeldern zusammen.

In Zeiten von Kirchenschließungen und knappen Kassen hat das Bauvorhaben, das pünktlich zu Ostern abgeschlossen sein soll, Pfarrer Oliver Kaiser dennoch so manch unruhige Nacht beschert: „Ich habe mich schon gefragt, was am Ende dabei herauskommt.“ Kaiser, der sich um rund 1700 Alt-Katholiken in ganz Niedersachsen kümmert, wohnt mit seiner Frau Marion und den drei Kindern Raphael, Aaron und Rebekka im Pfarrhaus direkt neben der Kirche. Fast täglich hat er während der vergangenen zwölf Monate in dem Gebäude nach dem Rechten gesehen und wie die vielen freiwilligen Helfer unzählige Stunden selbst mitarbeitet. „Es ist ein irres Gefühl, wenn man sieht, dass das, was man geplant hat, Wirklichkeit wird“, sagt der Pfarrer, während in der Kirche die letzten Lampen an der himmelblau gestrichenen und mit goldenen Sternen verzierten Decke installiert werden. Eine Glocke für den Kirchturm fehlt zwar noch, liegt aber schon auf dem Dachboden der Jakobikirche bereit: die ausgemusterte Stundenglocke der evangelischen Nachbargemeinde. „Wir wollen sie gerne kaufen, aber können sie uns derzeit nicht leisten“, sagt Kaiser.

In der Osternacht findet der erste Gottesdienst in der neuen Kirche statt, die sich architektonisch an klassischen Kirchenformen orientiert und diese modern interpretiert. Besucher können sich auf eine spirituelle Reise begeben, wenn sie von Westen aus das Gotteshaus betreten. Zwischen ihnen und dem Altar, der im Osten steht, liegt ein in den Boden eingelassenes Ganzkörper-Taufbecken. Wer nicht getauft ist und daher noch nicht zur Gemeinschaft der Gläubigen gehört, kann das Becken über eine Treppe betreten, empfängt das Sakrament, und verlässt es anschließend auf der anderen Seite wieder. Fortan gehört er dann zur Gemeinde. Während des Gottesdienstes in der Osternacht, wenn die Kirche nur vom Schein der Kerzen illuminiert wird, wollen sich zwei Erwachsene taufen lassen.

Die gesammelten Erfahrungen – wie man etwa einen Kirchenneubau von Grund auf plant und finanzielle Unterstützung einwirbt – könnte Kaiser schon bald weitergeben. 2011 soll nämlich eine alt-katholische Kirche in Augsburg gebaut werden. Nur selbst mit anfassen will der Kirchröder dann nicht mehr: „Ich bin wirklich froh, wenn hier alles fertig ist.“

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!

Vor einem Haus in Wülfel wird künftig mit zwei Stolpersteinen an Salomon Grünberg und Else Wertheim erinnert – sie wurden Opfer der Nazis.

03.04.2010

Polizisten proben immer wieder den möglichen Ernstfall in der ehemaligen Sehbehindertenschule an der Schlägerstraße Ecke Krausenstraße in Hannover. „Das sind perfekte Räumlichkeiten für uns“, sagt Hans-Otto Roß, der im Dezernat 13 das Training koordiniert. Doch nun muss die Dienststelle nach einem neuen Standort suchen, weil das Objekt zu Wohnraum umgebaut wird.

02.04.2010

Die Sperrung der Wiehbergstraße in Döhren war die ersten Tage eine Farce – jetzt rüstet die Stadt nach: Eine beleuchtete Bake soll Autofahrer stoppen.

Michael Zgoll 01.04.2010