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Südstadt

Sallstraße ändert ihr Gesicht

Von Michael Zgoll

Neue Parknischen und 35 Bäume – der Bezirksrat Südstadt-Bult befürwortet die Pläne der Stadt zum Umbau der nördlichen Sallstraße. Ob Radfahrer künftig auf der Fahrbahn fahren dürfen, ist strittig.
Nach der Sanierung soll es an der Sallstraße sieben Parkplätze weniger geben. Die Umbauarbeiten sollen im kommenden Sommer beginnen.

Nach der Sanierung soll es an der Sallstraße sieben Parkplätze weniger geben. Die Umbauarbeiten sollen im kommenden Sommer beginnen.

© Handout Landschaftsarchitektur Diekmann

Südstadt. Parkbuchten zwischen Bäumen, zahlreiche neue Überquerungsmöglichkeiten, eine hellerer Belag von Fahrbahn und Radweg: Die Sallstraße zwischen Marienstraße und Kleiner Düwelstraße, die sich in einem schlechten baulichen Zustand befindet, bekommt ein neues Gesicht.

In der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Südstadt-Bult stellte die Verwaltung ihre Ausbaupläne vor. Das Gremium billigte das Vorhaben mit elf Stimmen von SPD und Grünen; die CDU stimmte dagegen, drei Politiker der übrigen Parteien enthielten sich. Zuvor hatte die Bezirksratsmehrheit der CDU den Wunsch ausgeschlagen, die Verwaltungsvorlage noch einmal zur Beratung in die Fraktion zu ziehen. Die Christdemokraten betrachten noch einige wichtige Fragen als ungeklärt.

Karsten Baensch vom Fachbereich Tiefbau skizzierte den Umbau der nördlichen Sallstraße, der rund zwei Millionen Euro kosten wird. Baubeginn soll demnach – nach der vorbereitenden Verlegung von Versorgungsleitungen – im Sommer dieses Jahres sein, mit der Fertigstellung rechnet die Stadt im Frühjahr 2013. Im Einzelnen ist Folgendes geplant:

  • Fahrbahn: Für die Autofahrer steht in beide Richtungen eine Fahrbahnbreite von je 3,25 Meter zuzüglich einer Entwässerungsrinne von 35 Zentimetern zur Verfügung – das sind ähnliche Maße wie heute. So kommen Busse, die sich begegnen, weiterhin problemlos aneinander vorbei. Die Einmündungsbereiche der Seitenstraßen werden aufgepflastert, ähnlich wie etwa an der Marienstraße.
  • Parknischen: Die auffälligste Veränderung wird die Anlage von Parknischen für Autos sein. Diese werden zwischen 35 neu gepflanzten Bäumen gepflastert und sind mit einer Breite von 1,90 Meter relativ schmal. Hinzu kommen allerdings noch die Regenwasser-Rinnen auf der Fahrbahnseite und 50 Zentimeter breite Sicherheitsstreifen Richtung Radweg, damit es beim unachtsamen Öffnen von Autotüren nicht zu Unfällen mit Radfahrern kommt. Die Stadt plant zudem die Anlage von zwei bis drei Behinderten-Parkplätzen mit größeren Abmessungen, deren Standort noch unklar ist. Klar sei allerdings, so Baensch, dass aufgrund des Umbaus sieben Parkplätze wegfallen.
  • Radwege: Auf beiden Seiten der Sallstraße sollen Radwege mit einer Breite von je 1,50 Meter Breite entstehen. Mehrere Politiker wollten wissen, ob diese Radwege nicht auch etwas breiter hätten ausfallen können, damit sie für einen Zweirichtungs-Verkehr geeignet sind. Karsten Baensch verwies darauf, dass die Sallstraße im Abschnitt zwischen Marien- und Kleiner Düwelstraße wesentlich schmaler sei als im südlichen Teil und dass man in dieser Straßenschlucht bei den Abmessungen aller Wege und Fahrbahnen Abstriche machen müsse. Ein Radweg von 1,50 Meter Breite erfülle aber punktgenau die Minimal-Anforderungen an einen Zweirichtungs-Radweg, unabhängig davon, ob man einen solchen einrichten wolle oder nicht. Unklar ist laut Baensch allerdings noch, ob es für Radfahrer, die nach links in die Lutherstraße abbiegen wollen, separate, kleinformatige Linksabbieger-Ampeln geben wird. Diese seien unter Sicherheitsaspekten nicht unumstritten.
  • Benutzungspflicht für Radwege: Nach Auskunft des Verwaltungsexperten werden wahrscheinlich keine blauweißen Schilder aufgestellt, die eine Benutzungspflicht für die Radwege signalisieren. Das bedeutet im Umkehrschluss, dass Radler auf der Fahrbahn fahren dürfen – ein Ziel, das die Grünen in Hannover offensiv propagieren. In der Bezirksrats-Sitzung meldete sich allerdings der Südstädter Kontaktbeamte Thorsten Schiele zu Wort, der dringend für ein Aufstellen der blauweißen Schilder und eine Benutzungspflicht der Radwege plädierte. Ansonsten sei die Gefahr groß, dass es zu massiven Beeinträchtigungen komme – spätestens dann, wenn ein Bus hinter einem Radfahrer herschleichen müsse.
  • Abstellen von Rädern: Da es in der Sallstraße einen großen Bedarf an Abstellmöglichkeiten für Zweiräder gibt, plant die Verwaltung, im nördlichen Abschnitt 64 Fahrradbügel zu installieren.
  • Fußwege und Überquerung: Die neuen Bürgersteige sollen durchschnittlich 2,40 Meter breit und damit 60 Zentimeter schmaler sein als bisher. Sie werden mit hellen Betonsteinplatten gepflastert. Auf Passanten, die die Sallstraße queren wollen, kommen Veränderungen zu. Die Mittelinseln in Höhe von Rautenstraße und Kleine Düwelstraße verschwinden, stattdessen sollen Fußgänger die andere Gehwegseite an verschiedenen anderen Punkten erreichen können. Dazu sollen die Bauminseln großzügig gepflastert werden, so dass man von hier gute Sicht auf die Fahrbahn und einen relativ kurzen Weg zur gegenüberliegenden Straßenseite hat.
  • Bushaltestellen: Im Kreuzungsbereich der Lutherstraße plant der Fachbereich Tiefbau, zwei barrierefreie Busstopps inklusive Wartehäuschen zu bauen. Die Ampelanlage bleibt erhalten.
  • Finanzierung: Die Anlieger werden an den Kosten von rund zwei Millionen Euro auf Basis der Straßenausbaubeitragssatzung beteiligt. Allerdings wird ihr Anteil nicht so hoch sein wie in einer kleinen Anliegerstraße. Nach Angaben von Karsten Baensch sind bei einer reinen Wohnstraße rund 75 Prozent der Kosten umlagefähig, während die Kosten bei der Sallstraße – eingestuft als „Durchgangsstraße mit innerörtlichem Verkehr“ – nur zu 30 bis 35 Prozent umgelegt werden.
  • Sperrung: Für die Dauer der Bauarbeiten wird die Sallstraße zwischen Marien- und Kleine Düwelstraße stadtauswärts gesperrt; erst wird die eine Fahrbahnseite erneuert, dann die andere. Die Frage von SPD-Fraktionschef Ewald Nagel, ob der Umbau mit Hilfe einer Vollsperrung nicht schneller und kostengünstiger über die Bühne gehen würde, bejahte Baensch. Allerdings habe die Feuerwehr darauf bestanden, dass eine Fahrbahn – und zwar immer Richtung Innenstadt – ständig geöffnet bleiben müsse. Damit habe sich das Thema Vollsperrung erledigt. Ob die ausgeschilderte Umleitung von der Berliner Allee Richtung Südstadt eher über Aegi und Hildesheimer Straße oder über Braunschweiger Platz, Bischofsholer Damm und Lindemannallee führen wird, ist nach Auskunft des städtischen Pressesprechers Dennis Dix noch offen.

Zum Schluss der Bezirksratssitzung kam es noch zu einem Disput zwischen CDU- und SPD-Politikern. Die CDU-Fraktionsvorsitzende Ute Krüger-Pöppelwiehe wollte die Vorlage der Verwaltung noch einmal zur Beratung in ihre Fraktion ziehen; Themen wie eine mögliche Verschattung von Wohnungen durch das Pflanzen neuer Bäume, die noch offene Nutzung der Radwege oder die unklare Position der Behindertenparkplätze müssten noch diskutiert werden. Die SPD dagegen meinte, es habe genügend Anhörungen und Debatten gegeben. Bei der nachfolgenden Abstimmung wurde der Wunsch der CDU nach Vertagung mehrheitlich abgelehnt, so dass die Vorlage der Verwaltung schließlich abgestimmt werden konnte – mit einer eindeutigen Mehrheit für die Umbaupläne.

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