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Schule an der Böhmerstraße wird zur „Südstadtschule“

Südstadt-Bult Schule an der Böhmerstraße wird zur „Südstadtschule“

Nach langen Diskussionen stimmt der Bezirksrat dem Namensvorschlag des Schulvorstands zähneknirschend zu: Die Peter-Petersen-Schule heißt bald „Südstadtschule“.

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Der Schriftzug an dem Schulgebäude in der Böhmerstraße wird bald abmontiert. Die Peter-Petersen-Schule bekommt einen neuen Namen.

Quelle: von Ditfurth

Hannover. Das monatelange Tauziehen um eine neue Namensgebung für die Peter-Petersen-Schule in der Südstadt hat ein Ende. Die Grund-, Haupt- und Realschule „mit besonderem pädagogischen Profil“ wird voraussichtlich im Spätsommer – nach den nächsten Sitzungen von Schul- und Verwaltungsausschuss – „Südstadtschule“ heißen. Die Stadt folgt damit dem Namensvorschlag, den Schulelternrat und Schulvorstand im Mai 2010 präsentiert hatten. Allerdings war die Schule aus der Böhmerstraße damit in den vergangenen Monaten im Bezirksrat Südstadt-Bult auf erheblichen Widerstand gestoßen. Etliche Politiker meinten, dass es nicht gerechtfertigt sei, dass sich bei der Anzahl von Schulen im Stadtteil – es gibt zusätzlich fünf Gymnasien, drei Grundschulen, zwei Haupt- und Realschulen sowie eine Freie Waldorfschule – eine Einrichtung mit dem Stadtteilnamen schmücke. Doch nachdem Oberbürgermeister Stephan Weil die Angelegenheit zur Chefsache erklärt und sich für die „Südstadtschule“ stark gemacht hatte, gab der Bezirksrat klein bei.

Von einem „anmaßenden Begriff“ hatte SPD-Fraktionschef Ewald Nagel im November 2010 gesprochen, als die Verwaltung den Namen „Südstadtschule – PPS. Persönlich. Partnerschaftlich. Sozial“ präsentierte. Und FDP-Vertreter Thomas Siekermann bezeichnete ihn als „traurigen Vorschlag“. Auch meinten einige Politiker, dass „PPS“ doch noch allzu sehr an die „Peter-Petersen-Schule“ erinnere. Zudem wurde eine Verwechslungsgefahr mit dem „Wohnprojekt Südstadtschule“ in der Schlägerstraße heraufbeschworen, wo die ehemalige Sehbehindertenschule derzeit in einen Komplex mit 17 Eigentumswohnungen und zwei Büros umgebaut wird.

Etliche Leser des Stadt-Anzeigers folgten einem Aufruf der Zeitung und schlugen alternative Namen vor. Zweimal zogen SPD und Grüne den von der Verwaltung vorgelegten Namensvorschlag zur Beratung in die Fraktionen zurück, dann wurde das Thema in Bezirksrat wie Schulausschuss abgesetzt. Theoretisch hätte die Kommune durchaus eine andere Bezeichnung erzwingen können, denn rein rechtlich betrachtet wird der Name einer Schule vom Schulträger – in diesem Fall also der Stadt – festgelegt. Voraussetzung ist allerdings ein „Einvernehmen“ mit der Schule – und das Herstellen dieser Einvernehmlichkeit auf Grundlage eines Alternativvorschlags hätte noch erheblich mehr Zeit gekostet.

So stimmte der Bezirksrat in seiner jüngsten Sitzung dem Namen „Südstadtschule“ mit großer Mehrheit zu. CDU-Fraktionschef Klaus Kuchenbuch allerdings enthielt sich der Stimme, und Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne (SPD) beteiligte sich nicht an der Abstimmung. Immerhin weist die jetzige Verwaltungsvorlage gegenüber der Ursprungsfassung eine Änderung auf: das „PPS“ taucht nicht mehr im offiziellen Namen auf, dort steht nur noch „Südstadtschule“.

Allerdings erklärte Schulleiterin Ursula Schmidt-Lamontain auf Anfrage, dass man das Kürzel „PPS“ im Briefkopf behalten werde, schließlich verwende man diesen Namenszusatz schon seit zehn Jahren. Das Eingreifen des Oberbürgermeisters habe den Namengebungsprozess letztendlich „beschleunigt“, auch die Gespräche mit der Geschäftsführung des Wohnprojekts und der Verwaltung hätten zur Klärung beigetragen. Eine Korrektur des Namensvorschlags von Seiten der Schule habe trotz der öffentlichen Kritik nicht zur Debatte gestanden, ergänzte Schmidt-Lamontain. Schließlich hätten sich die Schulgremien lange mit dem Thema beschäftigt und seien von der „Südstadtschule“ überzeugt gewesen. Projektentwickler Michael Beyer-Zamzow von der Firma „Plan W“ erklärte auf Anfrage, die Stadt habe ihm versichert, dass es nicht zu Verwechslungen mit dem Mehrgenerationenhaus in der Schlägerstraße kommen werde; auf jeden Fall behalte das Wohnprojekt den Namen „Südstadtschule“ bei.

Angestoßen worden war die Debatte um eine Umbenennung der Schule im Jahre 2009. Aufgrund der Habilitationsschrift eines Erziehungswissenschaftlers an der Uni Frankfurt war dem Reformpädagogen Peter Petersen nachgewiesen worden, dass er Sympathien für Teile der nationalsozialistischen Rassenlehre hegte. Als Mitglied des nationalsozialistischen Lehrerbunds hatte er unter anderem eine „nordische Pädagogik“ propagiert und antisemitische Beiträge publiziert. Aufgrund dieser Erkenntnisse distanzierten sich deutschlandweit verschiedene Einrichtungen von Peter Petersen, mehrere Städte benannten Plätze oder Schulen um. Die Einrichtung an der Böhmerstraße, an der derzeit 560 Schüler in den Klassen eins bis zehn unterrichtet werden, wird diesem Vorbild bald folgen – und Südstadtschule heißen.

Michael Zgoll

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