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Leidenschaft für Lego

Südstadt Leidenschaft für Lego

Aus seiner Leidenschaft für Lego-Steine hat Sebastian Engel mittlerweile ein Geschäft gemacht: Er hat in der Südstadt einen Laden eröffnet, der ausschließlich die kleinen Kunststoff-Klötzchen verkauft.

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Spieltrieb als Geschäftsidee: Sebastian Engel hat sich einen Kindheitstraum erfüllt und verkauft jede Menge lose Legos und Bausätze.

Quelle: Michael Thomas

Hannover. Natürlich hat er früher mit Lego gespielt. Als kleiner Junge konnte Engel in seinem Kinderzimmer stundenlang mit den bunten Steinen spielen. Heute ist er 28 Jahre alt. Und noch immer beschäftigt er sich viele Stunden mit dem Spielzeug - sechs Tage in der Woche. Der gelernte Industriemechaniker hat sein Hobby zum Beruf gemacht. Vor vier Jahren hat der Südstädter in der Hildesheimer Straße seinen Laden eröffnet.

„Land der bunten Steine“ hat Engel sein erstes eigenes Geschäft genannt. Natürlich führt der Jungunternehmer die neuesten Trends aus der Lego-Welt. Fabrikneue Ware, verpackt in Hochglanzkartons, wie man sie auch aus anderen Spielwarengeschäften kennt. Das Besondere an Engels Sortiment aber sind die großen Plastikwannen voller loser, gebrauchter Lego-Steine. Ob in Rot, Blau, Gelb, Weiß oder Schwarz - in jedem der Behälter türmen sich bunte Berge. „Mehr als 500 Kilogramm dürften hier lagern“, schätzt Engel. Die Secondhand-Steine hat er von Privatleuten gekauft, nun verkauft er sie weiter. Nach Gewicht. 100 Gramm kosten 3 Euro, die gleiche Menge Duplo-Steine für die jüngsten Legofans einen Euro weniger.

Mit diesem Konzept ist der 28-Jährige in eine Marktlücke vorgestoßen. Denn der Lego-Konzern bietet im Spielwarenhandel nicht überall Einzelsteine an. Die Marketingstrategen setzen darauf, dass der Kunde stets fertige Sets kauft. Eine große Hürde für alle Bastler in der Region Hannover, die - dem klassischen Lego-Alter meist längst entwachsen - für ihre individuellen Kreationen gezielt nach bestimmten Steinen suchten. Sie waren über Jahre auf Sammlerbörsen oder Flohmärkte und Secondhand-Spielzeugläden angewiesen. Bis Engel im Jahr 2011 sein Geschäft eröffnete.

Ihm ging es selbst so. Mit 18 Jahren kam er erneut auf den Geschmack und begann, wieder mit Lego zu bauen: Schwarzwaldhäuser, Pippi Langstrumpfs Villa Kunterbunt und eine Strandbar zum Beispiel. Und weil er immer auf der Suche nach den passenden Steinen war, traf er immer öfter Gleichgesinnte, die sich jenseits der Flohmärkte eine feste Anlaufstelle zum Steinekauf wünschten. Als dann in der Hildesheimer Straße 103 ein Ladenlokal frei wurde, stand Engel vor der Entscheidung. Er wollte sich beruflich verändern, und er wollte mit dem, was ihm am meisten Spaß macht, sein Geld verdienen. Mit Lego. „Da habe ich mir einfach gesagt, du machst das jetzt“, erinnert er sich. Der Laden läuft gut, mittlerweile kann der 28-Jährige davon leben.

Einen festen Kundenkreis hat er sich bereits aufgebaut, etwa 150 Lego-Liebhaber - „vom Anwalt bis zum Handwerker“ - kommen immer wieder. Manche bringen ihre gebrauchten Steine mit und suchen sich aus dem Fundus andere aus. Manche kommen zum Kaufen. Viele Familien nutzen den Laden ebenfalls zum Stöbern. „Die sind dann manchmal drei bis vier Stunden hier“, erzählt Engel. Während die Eltern gern in den großen Kisten voller Steine wühlen und sich dabei ein bisschen in ihre Kindheit zurückversetzt fühlen, interessiert sich der Nachwuchs häufig eher für die „Star Wars“-Reihe oder die Disney-Edition.

Kunden können auch Teile bestellen, Engel macht sich dann auf die Suche und besorgt sie. Außerdem verkauft er Lego-Bauanleitungen und Figuren, deren Preis je nach Raritätswert berechnet wird. Einen vergleichbaren Laden, sagt er, gebe es in ganz Niedersachsen nicht. „Erst wieder in Hamburg oder in Berlin.“ Auch Firmen sind bereits auf das Geschäft aufmerksam geworden. „Eine Werbeagentur hat hier mal Steine für einen Imagefilm gekauft.“ Und die Stadt Hannover wollte von Engel zum Jubiläum im vergangenen Jahr das Neue Rathaus aus Lego nachbauen lassen. Weil er aber beruflich zu stark eingebunden war, trat er den Auftrag an einen guten Bekannten ab: Lego-Enthusiast Sven Hoffmann, der schon andere hannoversche Sehenswürdigkeiten nachgebaut hat, gehört ebenfalls zu Engels Kunden.

Zu Hause in seiner 80 Quadratmeter großen Südstädter Wohnung hat er ein zehn Quadratmeter großes Zimmer für seine Lego-Basteleien reserviert. „Meine Freundin hat das akzeptiert“, sagt er mit einem vielsagenden Unterton in der Stimme. Die Geografin ist in Sachen Lego eher leidenschaftslos, aber sie entwirft die Flyer für Engels Laden.

Der Lego-Konzern, so sind die Spielregeln, musste dem Geschäftsmodell des jungen Unternehmers zustimmen. Dass dies überzeugend war, zeigt auch eine Tatsache: Ausnahmsweise hat das Unternehmen es Engel erlaubt, eine begrenzte Anzahl fabrikneuer, loser Steinen zu vertreiben. Die kosten dann 7 Euro pro 100 Gramm.

Geöffnet ist das Geschäft an der Hildesheimer Straße 103 montags bis freitags in der Zeit von 15 bis 19 und sonnabends von 9.30 bis 16 Uhr. Telefon: 65 50 67 08.

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