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Waldheim

„Spargelkrieg“ spaltet die Liebrechtstraße


Fast ist alles wie immer in der Liebrechtstraße. Nur dass der Verkaufswagen von Hannelore Hustedt jetzt dreimal wöchentlich auf der östlichen Straßenseite steht. Diese kleine Veränderung hat vor den Sommerferien für einigen Aufruhr in Waldheim gesorgt, die Bewohner sprechen vom „Spargelkrieg“.
Verkaufswagen von Hannelore Hustedt

Viele Kunden sind froh, dass ihnen Hannelore Hustedt mit ihrem Verkaufswagen erhalten bleibt.

© Karin Vera Schmidt

14 Jahre lang hatte der Fleisch- und Wurstwagen von Hannelore Hustedt auf der Westseite gestanden, und alles war gut. Die Händlerin aus der Nienburger Gegend verkauft auch Saisonprodukte wie Spargel; als dann im Mai vor dem Waldheimer Einkaufsmarkt von Marc Bzdok ein Spargelbauer sein Gemüse feilbot, wurde Hustedt ärgerlich. Der Konflikt eskalierte so sehr, dass Werner Kühne als Besitzer der Ladenzeile der Händlerin schließlich den Verkauf auf „seinem“ Bürgersteig auf der Westseite untersagte.

Vor 14 Jahren hatte Kühne zunächst den Schwiegereltern von Hannelore Hustedt erlaubt, auf dem Gehweg vor dem Bäcker ihre Fleisch- und Wurstwaren zu verkaufen. Dieser Bereich gehört zu dem Gebäudekomplex der Ladenzeile und ist keine öffentliche Fläche. Daher müssen sich Verkaufswagen, die hier stehen, keinen sogenannten Pingelschein beim Marktamt der Stadt holen.

Als der reguläre Fleischerladen in der Liebrechtstraße vor vielen Jahren schloss, versuchten die Waldheimer, einen Fleischerwagen in ihren Stadtteil zu bekommen. Sie sprachen Luise und Alfred Bode, die Schwiegereltern von Hannelore Hustedt, auf dem Wochenmarkt am Südstädter Stephansplatz an. Die nahmen das Angebot an, dreimal wöchentlich auf der Westseite der Liebrechtstraße Fleisch- und Wurstwaren zu verkaufen. Werner Kühne gestattete dies – allerdings ohne schriftlichen Vertrag und ohne Geld dafür zu verlangen.

Hannelore Hustedt übernahm den Wagen ihrer Schwiegereltern vor etwa zehn Jahren. Wie sie erzählt, gab es in ihrem Fleisch- und Wurstwagen schon immer Eier, Kartoffeln und Saisonartikel wie Spargel, Erdbeeren, Kirschen und – seit der Schließung des Schmelz Reformhauses, in dem jetzt Marc Bzdok den Waldheimer Einkaufsmarkt betreibt – auch Milchprodukte aus einem kontrollierten Betrieb. Diese Produkte gibt es aber größtenteils auch bei Bzdok, nachdem dieser sein Geschäft vor rund neun Jahren von einem Kiosk zu einem richtigen Lebensmittelladen erweitert hatte.

„Eigentlich darf Frau Hustedt nur Fleisch und Wurst verkaufen“, sagt Bzdok, „wir hätten uns doch keine Konkurrenz in die Straße geholt.“ Weil er aber keinen Ärger wollte, versuchte er eine Einigung mit Hannelore Hustedt zu erzielen. Die aber wollte nicht nachgeben und auf Eier und Kartoffeln verzichten. Bzdok wiederum wollte sich nicht diktieren lassen, welche Waren er verkaufen darf.

Während sich die Waldheimer Kunden bereits in zwei Parteien spalteten und die einen nur noch hier, die anderen nur noch da einkauften, schrieb Werner Kühne den entscheidenden Brief an Hannelore Hustedt. „Ich kann doch nicht auf meinem Grund und Boden Konkurrenz für meine eigenen Mieter dulden“, sagte er dem Stadt-Anzeiger. Für Hustedt war dieser Streit kurze Zeit existenzbedrohlich. „Ich hatte plötzlich keinen Standplatz mehr“, sagt sie. In so einem Fall sei schnell ein anderer Fleischer da. Da nützten ihr auch die 60 Unterschriften von Kunden nichts, die sie für ihren Verbleib gesammelt hatte.

Die Delta Fonds, die gegenüber das Gebäude vom Waldheimer Therapiezentrum verwaltet, sprang ein und gestattete Hustedt, ihren Wagen gegen eine Gebühr zu den bekannten Zeiten auf ihrem Gehweg aufzustellen. Hustedts Kunden sind zufrieden. „Alles ist gut hier und die Bedienung so freundlich“, sagt eine Stammkundin. Marc Bzdok ist nach eigenem Bekunden froh, dass der Spargelkrieg nun vorbei ist, genauso wie Hannelore Hustedt. Aber manche Kunden kaufen nach dieser Sache nur noch bei einem der Läden ein. Es gibt immer noch eine Grenze in der Liebrechtstraße.

Karin Vera Schmidt

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