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Keller unter Wasser

Vermieter aus der Südstadt taucht ab

Von Conrad von Meding

Der Mieterbund spricht vom zunehmenden Problem sogenannter Vermieternomaden: Hauseigentümer tauchen regelrecht ab und sind für ihre Mieter nicht mehr zu erreichen, weil sie die Kosten nicht mehr in den Griff bekommen.
Wasser im Keller: Nach einem Rohrschaden verschimmelt das Kellerinventar, die Wassermengen im Aufzugschacht werden bedrohlich – aber niemand kümmert sich um die Mängel

Wasser im Keller: Nach einem Rohrschaden verschimmelt das Kellerinventar, die Wassermengen im Aufzugschacht werden bedrohlich – aber niemand kümmert sich um die Mängel.

© Thomas

Hannover. In der Südstadt sind jetzt gut ein Dutzend Mietparteien von dem Problem betroffen – mit dramatischen Folgen. Weil keine Reparaturen mehr vorgenommen werden, stehen inzwischen der Keller und der Schachtboden des Aufzugs unter Wasser – alle Kabel der Starkstromanlage sind dauerhaft der Feuchtigkeit ausgesetzt. Inzwischen ziehen die ersten Mieter aus. 

„Wir erreichen den Vermieter seit Monaten nicht mehr“, bestätigten mehrere Hausbewohner. Der Mann sei „einfach untergetaucht“ und weder telefonisch noch anderweitig zu erreichen. Auch für die HAZ war der Mittvierziger über seine Mobilnummer nicht zu sprechen. In seinem Vermietungsbüro im Erdgeschoss liegt die Post gut sichtbar unter dem Briefschlitz der Tür, in dem Büro soll seit Monaten niemand mehr ansprechbar sein. Wie viele Mieter insgesamt betroffen sind, ist unklar. Der Mann hat noch mindestens zwei weitere Mehrfamilienhäuser in Hannover, eins in Badenstedt, eins in Ricklingen. Zusätzlich verwaltet er für private Hauseigentümer mindestens ein halbes Dutzend Mehrfamilienhäuser. Dann meldete sich ein betroffener Vermieter bei der HAZ und berichtete von großen Problemen: Er komme an die Unterlagen seiner Häuser nicht mehr heran, weil der Verwalter für ihn plötzlich über Monate nicht mehr ansprechbar sei.

In dem Südstädter Haus neben der Stadtkirchenkanzlei in der Hildesheimer Straße nehmen derweil die Schäden zu. Die Hauseingangstür schließt nicht mehr, die Klingelanlage ist ausgefallen. Feuerwehrsprecher Michael Hintz bestätigt, dass die Beamten in dieser Woche einen Einsatz in dem Haus hatten: Bewohner hatten wegen des Wasserschadens um Hilfe gerufen. „Nach Einschätzung der Kollegen handelt es sich um ein schadhaftes Abwasserrohr im Haus“, sagt Hintz. Mit gefährlichen Folgen: Jedes Mal, wenn der Aufzug aus dem Keller hochfährt, ertönt bis zum dritten Stockwerk lautstarkes Rauschen wie bei einem Wasserfall – das im Aufzugschacht gesammelte Wasser löst sich von den Kabeln am Kabinenboden und fällt hörbar in den Schacht zurück. „Die Feuerwehr hat vor einem Kurzschluss gewarnt“, sagt ein Mieter. Doch könne die Anlage nicht einfach ausgeschaltet werden: Zwei Behinderte wohnen im Haus.

Dem Vernehmen nach hat der Eigentümer die Mehrfamilienhäuser in Badenstedt und Ricklingen geerbt und das Südstädter Haus am Döhrener Turm dazugekauft. Er soll aber mit notwendigen Reparaturen und Instandhaltungen überfordert sein. Von Schulden, hohen Außenständen und Unregelmäßigkeiten bei Abrechnungen ist die Rede, dem Vernehmen nach steht er auch mit der Weitergabe von Wassergeld im Verzug – bislang allerdings gibt es noch keine Versorgungssperre. 

„Mieter sind in solchen Situationen nahezu machtlos“, sagt Susanne Schönemeier vom Mieterbund: „Es ist eine ganz schwierige Situation.“ Mehr als die Hälfte der hannoverschen Mietwohnungen sind im Eigentum von privaten Vermietern – die im Gegensatz zu Wohnungsgesellschaften aber oft nicht ausreichend Rücklagen für Sanierungen und Reparaturen bilden. Wenn Mängel auftreten, sollten diese dokumentiert und der Vermieter über die letzte bekannte Adresse informiert werden, sagt Schönemeier. „Natürlich raten wir unseren Mitgliedern auch, nach entsprechender Ankündigung die Mietzahlungen zu kürzen.“ Als letztes Mittel bliebe nur der Auszug.

So geht es auch den Mietern vom Döhrener Turm. Ein 26-jähriger Schlosser sagt, er habe zum 1. März gekündigt und die letzten Mieten einbehalten: „Ich weiß aber gar nicht, wo ich die Schlüssel am Ende abgeben soll.“ Ein anderer will sich heute zwei Wohnungen ansehen. „Der Zustand hier ist doch unhaltbar“, sagt er: „Wir können nicht mal den Sanitärnotdienst rufen und müssen mit Abwassergestank und tropfendem Fahrstuhl leben.“

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