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Waldorfschule ist bis 2016 eine Baustelle

Südstadt Waldorfschule ist bis 2016 eine Baustelle

Für rund 2,7 Millionen Euro wird die Waldorfschule am Maschsee umfassend saniert. In zwei Jahren zum 90. Geburtstag soll alles fertig sein.

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Baustelle: Das Schulgebäude am Maschsee wird grundlegend saniert.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Es ist nicht zu übersehen: Das langgestreckte Gebäude der Waldorfschule am Maschsee ist eingerüstet, und Handwerker decken die Dachziegel ab. Noch bis zum April kommenden Jahres werden die Bauarbeiter damit beschäftigt sein, den Schulaltbau zu sanieren, der direkt ans Rudolf-von-Bennigsen-Ufer grenzt. Das Schulgelände aber bleibt weitaus länger eine Baustelle: Bis zum Sommer 2016 werden weitere Gebäude auf dem weitläufigen Areal modernisiert. Rund 2,7 Millionen Euro investiert die private Schule in die Arbeiten. „Das ist die größte zusammenhängende Sanierungsmaßnahme, die wir in den vergangenen 20 Jahren in Angriff genommen haben“, sagt Detlev Schieve, Geschäftsführer und Vorstand der Schule. Zum 90-jährigen Schuljubiläum in zwei Jahren soll alles fertig sein.

Allein 1,3 Millionen Euro kostet es, den Südflügel des 1945 errichteten Altbaus innen und außen wieder auf Vordermann zu bringen. In dem Gebäudeteil sind die Schulverwaltung, Zeichensäle, Handarbeitsräume und Hausmeisterwerkstätten untergebracht. Im Zuge einer energetischen Sanierung wird nun unter anderem die Fassade gedämmt, und die Fenster werden komplett ausgetauscht. Auch die Sanitäranlagen sind an der Reihe. Vor acht Jahren war bereits der nördliche Trakt des Altbaus für etwa eine Million Euro modernisiert worden; dort sind die Mensa, Holzwerkstätten und EDV-Räume zu finden.

„Das Dach des gesamten Gebäudes haben wir im Lauf der Jahrzehnte aber noch nie erneuert“, sagt Schiewe. „Wir konnten schon nicht mehr ruhig schlafen.“ Zwar habe der Altbau den gültigen Brandschutzvorschriften noch genügt. Aber gerade weil im Dachgeschoss zwei Hortgruppen untergebracht sind, habe sich die Schulleitung zunehmend gesorgt, ob dieses Domizil beim Ausbruch eines Feuers tatsächlich sicher genug gewesen wäre.

Die Sommerferien nutzt die Schule, um die Sanierung zügig voranzutreiben. Mit Beginn des neuen Schuljahrs ziehen die Schüler und Lehrer ebenso wie der Hort dann aus dem Südflügel in ein Containerdorf um, das auf dem Schulsportplatz aufgestellt wurde. Die 19 Zweckbauten werden auch während der weiteren geplanten Baumaßnahmen benötigt: Etwa 1,4 Millionen Euro sind für die energetische Sanierung und die Erneuerung der Sanitäranlagen von vier Schulgebäuden veranschlagt, die zwischen 1952 und 1992 gebaut wurden. Dazu zählen der Zinsserbau, der Müllerbau und der Reindlbau, die nach den jeweiligen Architekten benannt sind. Auch der Gartensaal mit Blick auf den Schulgarten wird modernisiert. Dass in den nächsten zwei Jahren immer neue Klassen ausgelagert werden müssen, sei nicht komfortabel, gibt Schiewe zu. Den Kindern mache das aber am wenigsten aus. „Die wollen alle mal in einem Container lernen.“

Die Millionensumme für die Sanierungen, die die private Schule über Kredite finanzieren muss, belasteten das Budget, sagt Schiewe. Gleichwohl sei keine Erhöhung der Elternbeiträge geplant. Anders als Schulen in öffentlicher Trägerschaft bekommt die Waldorfschule, an der 810 Schüler unterrichtet werden, vom Land keine Baukostenzuschüsse oder Zuschüsse für andere Investitionen. Eine Finanzhilfe gewährt das Kultusministerium nur für Lehrpersonal. An der Schule sind 130 Mitarbeiter beschäftigt, davon 90 Lehrkräfte. Zwei Drittel des Etats der Waldorfschule von sechs Millionen Euro kommen vom Land, ein Drittel tragen die Eltern über das Schulgeld.

Schule mit Geschichte

Die erste Waldorfschule wurde 1919 von Rudolf Steiner (1861-1925) in Stuttgart gegründet. Es war eine Gesamtschule, deren pädagogisches Konzept auf die Förderung jedes einzelnen Schülers statt auf eine Auslese durch Noten setzte. Die Waldorfschule am Maschsee war 1926 die fünfte Schule in Deutschland, die sich an diesem Konzept orientierte. Die erste Versuchsklasse mit 51 Schülern war in der Bürgerschule in der Friesenstraße untergebracht. 1932 zogen die bis dahin entstandenen Klassen in eine Villa in der Jägerstraße um. Nach Kriegsende wurde die Schule 1945 in der provisorisch hergerichteten Ruine der zerbombten Jugendherberge am Maschsee wiedereröffnet – am heutigen Standort. Das Herbergshaus wurde bis 1948 vollständig auf- und für Schulzwecke umgebaut; es ist der „Altbau“ genannte Gebäuderiegel, der derzeit saniert wird. An der Waldorfschule am Maschsee werden heute 810 Schüler vom ersten bis zum 13. Jahrgang unterrichtet. Gemäß der Waldorfpädagogik durchlaufen alle Schüler eines Altersjahrgangs ohne Sitzenbleiben gemeinsam zwölf Schuljahre. Die Waldorfschulzeit endet nach der zwölften Klasse. Danach können sich Schüler an der Waldorfschule auch auf das Abitur vorbereiten. Eine zweite Waldorfschule im Stadtgebiet Hannovers gibt es seit 1978 in Bothfeld.

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