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Leinemasch

Warten ist besser als Hinterherkriechen


Tagelang sitzt Bernhard Sacher in seinem Tarnzelt in der Leinemasch und wartet, was kommt. Jetzt zeigt Bernhard Sacher in einer Fotoausstellung im Freizeitheim Ricklingen, was ihm seit etwa drei Jahren beim Warten in der Leinemasch so vor die Kamera gekommen ist.
Bernhard Sacher

Bernhard Sacher

© Karin Vera Schmidt

Der Geduldsfaden scheint ihm nie zu reißen. Tagelang sitzt Bernhard Sacher in seinem Tarnzelt in der Leinemasch und wartet, was kommt. Ein schillernd grüner Käfer auf einer Hundsrosenblüte vielleicht, oder eine Bisamratte, vielleicht sogar ein Kranich. Stets hat der Fotograf Walnüsse in der Hosentasche, um Eichhörnchen auf Tuchfühlung anzulocken; er hat Hundefutter dabei, um dem Fuchs seine Freundschaft zu versichern oder Krümel, um Zaunkönigen seine Anwesenheit schmackhaft zu machen. „Manchmal krieche ich auch hinterher“, sagt der 68-jährige Tierarzt, der seit ein paar Jahren in Wülfel wohnt, „aber mit Warten kommt man weiter“. Jetzt zeigt Bernhard Sacher in einer Fotoausstellung im Freizeitheim Ricklingen, was ihm seit etwa drei Jahren beim Warten in der Leinemasch so vor die Kamera gekommen ist.

Viele Geschichten verbergen sich hinter den Naturaufnahmen, Beziehungen zwischen Tieren und einem Mann, der sich für ein gelungenes Foto auf dünnes Eis begibt, durch eiskaltes Wasser watet, bei minus 18 Grad Erfrierungen riskiert und manchmal sogar das Essen vergisst. Auf diese Weise hat Bernhard Sacher nicht nur zerbrechliche Eiskristallanordnungen festgehalten, sondern sich auch das Vertrauen vieler wilder Tiere „ersessen“, manchmal auch erschlichen. Für die phänomenal scharfe Nahaufnahme eines Hasen drehte Sacher beispielsweise unzählige Runden, um nach jeder Kurve noch ein bisschen näher heranzukommen. Das Ergebnis: eine ungewöhnliche Frontalaufnahme des Tieres mit seinen linsenförmigen Hasenaugen und angelegten Ohren.

Um nicht regelmäßig unter eingeschlafenen Armen und Gelenkschmerzen zu leiden, wartet Bernhard Sacher gern mit einem Winkelsucher. So kann er vor allem kleine Tiere wie Insekten auf Augenhöhe anpeilen, eindrucksvolle Antennen, Mundwerkzeuge und Facettenaugen in Makroaufnahmen festhalten, während er verhältnismäßig bequem von oben um die Ecke in die Natur schaut.

Ganz oft kommt es auf den richtigen Moment an: Um die Blattläuse an einem Brennnesselstängel aufzunehmen und noch eine Ameise dazu, die die Läuse „melkt“, benötigte Sacher schräg einfallendes Morgenlicht. Für solche Lichtverhältnisse steht er im Sommer vor Sonnenaufgang auf, um da zu sein, wenn das Naturschauspiel beginnt. Dann leuchten Blattläuse so grün wie Smaragde. Und mit etwas Glück kommt ein Silberreiher mit gespreiztem weißen Gefieder im Landeanflug heran – wie eine Ballerina im Gegenlicht.

Die Ausstellung „So kann man das auch sehen“ wird am Sonntag, 5. September, 11 Uhr im Freizeitheim Ricklingen, Ricklinger Stadtweg 1, eröffnet. Sie ist bis Sonntag, 10. Oktober, während der Öffnungszeiten zu sehen. Der Eintritt ist frei.

Karin Vera Schmidt

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