Anderten. Das Ehepaar teilt sich die Pastorenstelle in der Lindenstraße, nachdem Pastor Helmut Kühl Ende April in den Ruhestand gegangen und die junge Pastorin Mirjam Schmale nach fünf Jahren in eine andere Gemeinde weitergezogen war. In den ersten zehn Monaten nach Henrikes Geburt hatte Corinna Deutsch Elternzeit genommen – damals noch in einer anderen Gemeinde –, seit August dieses Jahres ist Joachim Deutsch in Elternzeit und kümmert sich um Kinder und Haushalt. Ab Dezember werden sich die beiden Pastoren mit der Arbeit abwechseln, voraussichtlich im Wochenrhythmus.
Mit der Pastorenstelle in St. Martin ist für das Ehepaar ein Wunsch in Erfüllung gegangen. „Wir wollten sehr gerne hierher, weil die Gemeinde so vielseitig ist“, erklärt Joachim Deutsch. Sie sei einerseits sehr fromm, andererseits werde hier auch mal die Fußball-WM im Gemeindesaal übertragen oder zu anderen Gelegenheiten gut gekocht. „Es ist eine lebendige Gemeinde mit vielen ehrenamtlichen Mitarbeitern“, schwärmt er. Da sei es gar nicht einfach, dem vielseitigen Angebot noch Neues hinzuzufügen. Die beiden Pastoren, die sich schon seit der Schulzeit in Hildesheim kennen, haben dennoch neue Pläne. „Wir würden gern ein Glaubensseminar anbieten“, sagt der Pastor. Das solle ein Angebot für Menschen werden, die den Kontakt zum Glauben verloren hätten oder ihn vertiefen wollten. Allerdings müsse diese Idee noch mit dem Kirchenvorstand abgesprochen werden.
Auch der wöchentliche Wechsel beim Pastorendienst muss noch thematisiert werden. „Wichtig ist, dass in der Gemeinde transparent ist, wer in welcher Woche Dienst hat“, sagt Corinna Deutsch. Abgesehen davon haben sich die beiden schon verschiedene Arbeitsbereiche nach Neigungen aufgeteilt. Den Kontakt zur Kita beispielsweise wird die Pastorin pflegen und sich auch um die Gestaltung der Kita-Gottesdienste und um die Einbeziehung von älteren Kindern kümmern. Joachim Deutsch wird sich eher mit Bau und Finanzen, Öffentlichkeitsarbeit und Fundraising beschäftigen. Auch für die St. Martin-Stiftung will er Ansprechpartner sein und zudem im Kuratorium des St.-Aegidien-Altenheims mitarbeiten.
Beiden Pastoren liegt es am Herzen, die sonntäglichen Gottesdienste so zu gestalten, dass auch Eltern mit Kindern kommen können. Das sei schon länger üblich in der Gemeinde. Für kleinere Kinder wird in der durch eine Glastür vom Kirchenschiff getrennten Sakristei ein Spieltisch aufgebaut, Eltern können die Predigt dort über einen Lautsprecher verfolgen. Die Familie Deutsch geht stets zu viert zum Gottesdienst und verbringt einen Teil der Zeit in der Sakristei.
Ein anderes Angebot, das Mirjam Schmale eingeführt hat, will das Pastorenehepaar unbedingt fortführen und ausbauen: die Krabbelgottesdienste für Kinder zwischen einem Jahr und vier Jahren. Zu diesem Anlass werden im Altarraum Turnmatten ausgebreitet, man singt und betet. Speziell für die jüngsten Gemeindeglieder wird dann ein Psalm anschaulich umgesetzt. Besonders schön war die Arbeit mit Psalm 104. Darin heißt es über drei wertvolle Dinge, die dem Menschen dienen: „Der Wein macht ihn froh, das Öl macht ihn schön, das Brot macht ihn stark.“ Die Kleinkinder genossen diesen sinnlichen Psalm sehr. Es gab Weintrauben, ein wenig Öl zum Einreiben und Brot zum Knabbern.
Karin Vera Schmidt
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