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Wo Mama Lina ihre 96er verwöhnt

Marienstraße Wo Mama Lina ihre 96er verwöhnt

Auf der Marienstraße ist ein lebendiges Zentrum mit Cafés, Feinkost und Märkten entstanden. Die Kundschaft scheint es stilvoll und herzlich zu mögen. Ein Rundgang.

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Cafés und Bars sind an der Marienstraße wie an einer Perlenschnur aufgereiht.

Quelle: Martin Steiner

Südstadt. Der Satz klingt nach Marketing, ist aber wahr: „Die Marienstraße vollzieht einen Wandel“, sagt die Sprecherin von „Denn’s Biomarkt“. Im Mai hatte die Biokette eine Filiale an der Ecke zur Dieterichstraße eröffnet – und hat sich diesen Standort ganz bewusst ausgesucht. „Das Handelsumfeld wird dort immer höherwertiger, und wir nehmen diesen Wandel auf und unterstützen ihn mit unseren Produkten“, sagt Antje Müller. Tatsächlich ist in den vergangenen Jahren auf der Ausfallstraße zwischen der Unfallklinik des Friederikenstifts und der Berliner Allee ein lebendiges kleines Zentrum mit Cafés, Feinkost, Imbissen, viel Außengastronomie, Rewe, Rossmann und einer Cocktailbar entstanden – alles auf einer Länge von nur gut hundert Metern.

„Das schöne Handelsumfeld in diesem Bereich befruchtet sich gegenseitig“, sagt Biomarkt-Sprecherin Müller. Noch so ein Marketingsatz. Um zu begreifen, was sie meint, muss man nur von „Denn’s“ in Richtung Aegi gehen. Nach wenigen Metern steht man vor „Lucas Gaumenfreuden – Café creativ“: weiße Wände, kaffeebraune Accessoires, Holzfußboden, Holztische, giftgrüne Stühle – und hinter der Theke Michael Neubauer. Der 47-jährige Wirt rupft Salat und sieht sehr zufrieden aus. Alle Tische sind besetzt. „Sonnabends muss man zum Frühstück sogar reservieren“, sagt er.

Seit eineinhalb Jahren betreibt er mit einem Partner das kleine Café. „Wir wollten wegen der hohen Mieten nicht in die City und wegen fehlender Laufkundschaft nicht in einen Randbezirk“, erzählt er. Mehrmals sei er damals an dem Photo-Dose-Geschäft an der Marienstraße/Ecke Dieterichstraße vorbeigegangen und habe sich gedacht: „Das wäre doch ein schönes Eckcafé für uns.“ „Irgendwann hing dann ein ,Zu vermieten‘-Schild an dem Laden – da haben wir sofort zugegriffen“, sagt er strahlend. Man sieht ihm an, dass er es bisher nicht bereut hat. „Es gibt Tage, da geht morgens die Tür auf, in Minuten ist der Laden voll – und alle schreien ‚Hunger!‘“

Ehefrauen entwickelten Idee für das „Glüxkind“

Zwei Häuser weiter, neben dem China-Restaurant „Shanghai“, das dort seit sechs Jahren Frühlingsrollen verkauft, hat 2008 die Café-Bar „Glüxkind“ eröffnet. Der Tresen ist hellbraun, die Atmosphäre ist loungig, die Beleuchtung indirekt, die Wanddeko tiefrot, draußen liegen Kissen mit Campari-Schriftzügen auf Rattansofas. Eine Tafel bietet Aperol Spritz, Daiquiri und Frühstück ab 2,70 Euro an. Drinnen zeigt Geschäftsführer Celebi Gökan auf die Deckenkonstruktion und sagt: „Alles selbst gemacht!“ Die Bar sei ein Familienunternehmen. Die Betreiber sind seine zwei Schwager, einer davon ist Architekt, der andere Bauingenieur.

Die Idee zum „Glüxkind“ hatten die Ehefrauen der beiden, die schräg gegenüber einen Frisörladen betreiben. Ein Jahr lang schauten sie aus ihrem Frisörladen auf die leer stehenden Räume, in denen mal die Kneipe „Champignon“ ihr Bier verkaufte, dann dachten sie sich, dass der Standort doch ideal für eine Bar sein müsste: Im Umfeld arbeiten viele kleine Betriebe und Büros, deren Mitarbeiter frühstücken, Mittagspause machen und abends vielleicht einen Cocktail trinken wollen. Es gibt viel Laufkundschaft, der Rewe-Markt nebenan ist Anziehungspunkt für die Anwohner zwischen Aegi und Sallstraße. „Unser Konzept Frühstück-Mittag-Cocktail funktioniert gut“, sagt Gökan.

Viele 96-Spieler sind Stammgäste im „Da Lina“

Auf der anderen Straßenseite bietet Lina Dalusio im „Da Lina“ seit fünf Jahren italienische Feinkost an und kümmert sich im Stil einer italienischen Mama um die Gäste an ihren neun Tischen. Und die sind durchaus prominent: Viele Spieler von Hannover 96 seien seit Jahren ihre Stammgäste, erzählt sie. Die Wände zieren Bilder von Christian Schulz oder Karim Haggui. Zum 65. Geburtstag von Wirt Michele Dalusio schenkten die beiden ihm ein T-Shirt. Ein Foto davon ziert die Wand, die Brust des kleinen Italieners ist von Stolz geschwellt.

Manchmal, wenn „die Jungs“ keine Zeit zum Frühstücken haben, rufen sie nur zwischendurch an und bitten: „Lina, kannst du uns was zusammenstellen?“, erzählt die Chefin. „Ehrliche, unkomplizierte, herzliche Menschen“ seien „ihre“ 96er. Aber Vorsicht: Schweinefleisch ist für die Muslime Haggui und Abdellaoue tabu, erklärt sie mit erhobenem Zeigefinger und strengem Blick.

Ihr Laden lebt von der Stammkundschaft, sagt sie. Man kennt sich, man erzählt. Wer sich hier auf ein Gespräch einlässt, der bekommt schnell die Lebensgeschichte des Wirtspaares aufgetischt – mit italienischem Temperament artikuliert und gestenreich illustriert. Von der Lage an einer Ausfallstraße profitiere ihr Laden allerdings wenig, sagt sie. Von den vielen Autos, die täglich die Marienstraße auf- und abbrausen, hält kaum eines an.

Nicht jeder Gastronom hat an diesem Standort Glück

Seit fünf Jahren hält sich „Da Lina“ in der Marienstraße, länger sind in diesem Bereich nur wenige ansässig. Lina Dalusio hat schon einige Gastronomen kommen und gehen sehen: die Kneipe in den jetzigen Räumen des „Glüxkind“, eine Bäckerei, mehrere Imbisse – und zuletzt gab vor wenigen Tagen die Pizzeria „Brooklyn Pizza“ ein paar Häuser weiter auf. Der Standort scheint nicht jedem Gastronomen Glück zu bringen. Der jüngste Betrieb ist der türkische Kebab-Imbiss „Ido“ ein paar Häuser weiter. Erst im Juli öffnete er an der Ecke zur Baumstraße.

Das kleine Marienstraßen-Zentrum schließen in Richtung Osten der „Subway“-Imbiss ab, in Richtung Aegi die „Bagel Station“. Beide sind seit mehr als sechs Jahren etabliert. Hinter der orangefarbenen Bagel-Theke steht seit eineinhalb Jahren Christina Gräbig. Die Geschäfte laufen gut, sagt sie. Zwischen 10 und 12 Uhr mittags ist der Laden voll, und zwischen 18 und 19 Uhr strömen nach Feierabend noch mal viele hinein, sagt sie. Manche nehmen sich dann Bagel mit nach Hause. In den Metallboxen liegen frische Salate, im Kühlregal stehen Fruchtsäfte und Bionade. So etwas scheint sie zu mögen, die Kundschaft in der Marienstraße.

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