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Südstadt Anders als die anderen

„Das Bild von nebenan“: Vier Kinder aus dem Autismus Zentrum Hannover veröffentlichen einen Fotokrimi zum Thema Autismus, in dem sie selbst Rollen spielen.

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Durch die Arbeit am Buch zum Team geworden: Jan Erik (v.l.), Lea, Paul und André mit Fotograf Harald Gorr.

Quelle: Steiner

Hannover. Tim hat es nicht leicht, Freunde zu finden. Weil er anders ist als sie. Um dazuzugehören, verlangen sie von ihm eine Mutprobe: Er soll ein Bild klauen. Mit dem Buch „Das Bild von nebenan“ stellte das Autismus Zentrum Hannover einen besonderen Fotokrimi in den Räumen der Stadtbibliothek an der Hildesheimer Straße vor. Zur Feierstunde kam auch Kulturdezernent Harald Härke, der in seiner kurzen Ansprache betonte, sein Ziel sei es, „Kultur nicht für, sondern mit allen zu machen“. Bei diesem Projekt, das unter anderem von der Landeshauptstadt Hannover gefördert wurde, sei das sehr gelungen.

Die vier Jugendlichen Jan Erik, Paul, André und Lea aus dem ambulanten Bereich des Zentrums im Alter von elf bis 17 Jahren hatten vom Juni des vergangenen Jahres bis zum Januar 2016 an dem von Harald Gorr liebevoll fotografierten Buch gearbeitet - zusammen mit Pädagoginnen des Zentrums. „Es war für die vier eine besondere Herausforderung, in der Gruppe zu arbeiten, und sie haben diese Herausforderung sehr gut gemeistert“, sagte die Leiterin des Autismus Zentrums Hannover, Barbara Fox, vor den etwa 40 Gästen bei der Buchvorstellung.

Auch die vier Protagonisten waren anwesend. „Es ist nämlich so, dass die autistischen Kinder sehr wohl auch soziale Kontakte wollen und suchen - das funktioniert aber oft nicht. Und dieser Realität wollten wir mit diesem Projekt etwas entgegensetzen, indem wir auch außerhalb des AZH Szenen probten und darüber Kontakte entstanden“, erklärte Projektleiterin Birte Müller. „Wichtig war uns und den Jugendlichen auch, ein Ziel zu haben - das Buch -, auf das wir hinarbeiten konnten.“

Mimik und Gestik bei anderen richtig einzuordnen und darauf zu reagieren, das ist für viele autistische Menschen nicht leicht. Selbst Gefühle auszudrücken ist ebenso schwer - auf den Fotos für das Buch konnten die Protagonisten sofort überprüfen, ob der Ausdruck zur Szene passte - und so lernen. Denn: „Viele soziale kommunikative Fähigkeiten müssen zunächst bewusst gemacht und dann geübt werden“, erläuterte Psychologin Andrea Sewing. Durch die Arbeit an dem Buch, in dem jeder eine Rolle übernahm, wurden diese Fähigkeiten mit professioneller Begleitung geübt.

„Die vier haben ihre speziellen, autismusspezifischen Schwierigkeiten weiter überwunden und sind persönlich gewachsen“, lobte sie. Besonders spannend bei der Arbeit an dem Fotokrimi seien dabei die Aufnahmen außerhalb des Autismus Zentrums wie etwa bei der Polizeiwache Süd, im SofaLoft oder auf dem Spielplatz in der Tiefenriede gewesen. „Die Schüler haben sich überlegt, wo man die Szenen aufnehmen kann und wir waren ein bisschen nervös wegen der fremden Umgebung. Aber wir hatten uns ganz umsonst Sorgen gemacht: An diesem Tag spielte der Autismus überhaupt keine Rolle“, berichtete Birte Müller.

Und die Handlung des Buchs? Nachdem Tim das Bild geklaut hat, stellt sich heraus, dass die Gruppe ihn gar nicht aufnehmen will, sondern ihn im Gegenteil nur auslacht. Doch dann kommt alles ganz anders und zum Schluss findet Tim doch noch Freunde - unter ihnen der Maler des Bildes (André alias Sascha), der wie er auch autistisch ist.

Und auch in der Realität hat das Projekt eine Freundschaft angebahnt: Jan Erik alias Tim hat den Tag, an dem das Buch fertig war, zum „Freundschaftstag“ mit Paul erklärt. Die beiden wollen sich jetzt regelmäßig treffen.

Der Fotokrimi „Das Bild von nebenan“ ist ab sofort in allen Stadtbibliotheken einsehbar. Erhältlich ist es gegen eine Spende beim Autismus Zentrum Hannover, Brehmstraße 10, 30173 Hannover, Telefon 0511 27011350.

Von Sonja Steiner

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