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Südstadt Wie gefährlich ist die Hildesheimer Straße?
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Wie gefährlich ist die Hildesheimer Straße?
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00:15 28.05.2016
Von Mathias Klein
Auf der Hildesheimer Straße fahren Autos häufig bei Rot über die Ampel. Quelle: Kutter

Das ist passiert

Am 14. Januar kam eine 76 Jahre alte Radfahrerin an der Kreuzung der Hildesheimer Straße mit dem Altenbekener Damm ums Leben. Die Frau war auf der östlichen Seite der Hildesheimer Straße in Richtung Innenstadt unterwegs. Als sie die Kreuzung Altenbekener Damm überqueren wollte, wurde sie von einem Tanklastwagen erfasst, der aus derselben Richtung kommend von der Hildesheimer Straße in den Altenbekener Damm einbiegen wollte. Dabei übersah der 49 Jahre alte Lastwagenfahrer die Rentnerin. Sie wurde durch den Zusammenstoß zu Boden geschleudert, mit ihrem Rad unter der Zugmaschine eingeklemmt und mitgeschleift. Die Frau starb noch an der Unfallstelle.

Das sagt der Bezirksbürgermeister

„Die Hildesheimer Straße ist zu einer Rennstrecke geworden“, meint Lothar Pollähne, der die Debatte zum Thema Verkehr auf den Hauptausfallstraßen der Südstadt, Marienstraße und Hildesheimer Straße, angeregt hatte. Dabei rückte jedoch Letztere in den Mittelpunkt. Es gebe Leute, die sich in Internetforen darüber austauschten, wie man am schnellsten von Döhrener Turm bis zum Aegidientorplatz komme, ohne an einer einzigen Ampel anzuhalten, berichtet er. „Das ist nicht mehr hinnehmbar“, sagt der Bezirksbürgermeister. Pollähne bemängelt zudem die Ampelschaltungen. An einigen Kreuzungen lägen die Umschaltzeiten zwischen den Grünphasen für Autos und Fußgänger bei gerade einmal einer Sekunde. „An jeder Ampel fährt immer mindestens ein Autofahrer mit hoher Geschwindigkeit bei Rot rüber“, sagt er. „Dass noch kein Fußgänger ums Leben gekommen ist, ist ein glücklicher Zufall.“

Das sagt der Seniorenbeirat

„Die Ampelphasen für Fußgänger an der Hildesheimer Straße sind zu kurz“, sagt die Vorsitzende des Seniorenbeirats, Monika Stadtmüller. Außerdem stünden die Ampeln für eine sichere Überquerung der Straße zu weit auseinander. „Mehr als 50 Meter Umweg laufen mobilitätseingeschränkte Menschen nicht“, zitiert sie eine aktuelle Untersuchung. Außerdem müssten nicht nur die Bordsteine der Radwege, sondern auch die Fußwegkanten abgesenkt werden. Andernfalls hätten Fußgänger mit Rollatoren keine Chance, die Straße zu überqueren.

Das sagt die Radfahrerlobby

Jürgen Niehoff vom Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club (ADFC) bemängelt in der Anhörung den grünen Pfeil für Rechtsabbieger an der Kreuzung von Hildesheimer Straße und der Krausenstraße. Die Verwaltung reagiert schon einen Tag nach der Anhörung: Der Pfeil ist abgebaut. Hauptproblem ist nach Ansicht von Niehoff die fehlende Sicht für Autofahrer auf Radfahrer und umgekehrt. Dass sich die Verkehrsteilnehmer gegenseitig erkennen können, sei wichtig zur Vorbeugung von Unfällen, sagt er. Häufig behinderten parkende Autos jedoch die Sicht. Niehoff forderte für alle Fahrzeuge auf der Hildesheimer Straße Tempo 30.

Das sagt die Autofahrerlobby

Thomas Mohr vom Allgemeinen Deutschen Auto mobil-Club (ADAC) bemängelt, dass Verkehrsteilnehmer nicht die Regeln beachten. Wenn es an der Hildesheimer Straße einen Unfallschwerpunkt gibt, sollte dieser Bereich überwacht werden, meint der ADAC-Experte. Die Einführung von Tempo 30 auf der Hildesheimer Straße sei problematisch. Eine Folge wäre, dass andere Straßen dann zu Ausweichrouten würden.

Das sagt die Polizei

Der bei der Anhörung anwesende Erste Polizeihauptkommissar Frank Stitz berichtete von 8000 Unfällen mit Beteiligung von Fußgängern in den vergangenen drei Jahren im Bereich der Polizeiinspektion Süd. Davon habe es 20 Unfälle an der Hildesheimer Straße gegeben. Vergleiche man das Verkehrsaufkommen mit den Unfallzahlen, sei die Hildesheimer kein Unfallschwerpunkt. Auch in der Verkehrsunfallkommission spiele diese Straße keine Rolle. Der Polizei sei bisher auch nicht aufgefallen, dass Motorradfahrer „mit sehr hoher Geschwindigkeit“ über die Hildesheimer Straße fahren, sagt der Beamte in der Anhörung auf die Frage eines Politikers. Fragen zu konkreten Unfallzahlen an bestimmten Kreuzungen konnte der Polizist nicht beantworten.

Das sagt die Verwaltung

Die Geschwindigkeit dürfe nur an Unfallschwerpunkten überwacht werden, sagt der Leiter der städtischen Straßenverkehrsbehörde, Carsten Siegert. Andernfalls gebe es rechtliche Probleme, und Autofahrer würden der Stadt „Abzocke“ vorwerfen.

Das sagt Pollähne zum Schluss

„Das Gerede von der angeblichen Abzocke geht mir ziemlich auf die Nerven“, sagt der Bezirksbürgermeister. „Wenn jemand schneller fährt als erlaubt, verletzt er die Verkehrsregeln.“ Und dann habe er dafür auch zu zahlen.

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