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Flüchtlingschor singt auf Weihnachtsmarkt

Südstadt Flüchtlingschor singt auf Weihnachtsmarkt

Das Berufsschulprojekt „Christival for Refugees“ will Bürger und Asylbewerber in Kontakt bringen. Unter Anleitung von Opernsänger Mohsen Rashidkhan sangen jetzt Flüchtlinge und Besucher gemeinsam Weihnachtslieder auf dem Weihnachtsmarkt.

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Unter Anleitung von Opernsänger Mohsen Rashidkhan singen Flüchtlinge und Besucher gemeinsam Weihnachtslieder.

Quelle: Benjamin Behrens

Südstadt. Auf den ersten Blick könnten die Pavillons und Stände auf dem Stephansplatz ein ganz normaler Stadtteilweihnachtsmarkt sein. Es gibt Glühwein, Bratwurst und Kuchen zu kaufen, an einem Tisch wird Christbaumschmuck gebastelt.

Wäre da nicht eine Gruppe von etwa 15 Menschen, denen man ansieht, dass Deutschland vielleicht nicht ihr Herkunftsland, aber ihre neue Heimat ist. Manche frieren trotz dicker Winterkleidung, alle halten Liederzettel in der Hand, darauf sind Noten und Text bekannter Weihnachtslieder abgedruckt. Der Auftritt des Flüchtlingschors ist Teil eines Projekts der Sabine-Blindow-Schule. Drei Studenten hatten die Idee, mit einem selbst organisierten Weihnachtsmarkt für eine Hilfsorganisation zu sammeln. „Wir dachten, es wäre richtig, etwas Gutes zu tun“, sagt Felix Meerjanssen. Im dritten Semester steht für ihn und seine Mitstudenten Kyana Leidecker und Julius Schippmann eine Projektarbeit an, inklusive Abschlusspräsentation. Keine Frage für die drei Organisatoren, dass sie etwas für Flüchtlinge auf die Beine stellen wollten. „Das Thema bekommt langsam so einen negativen Hauch, wir sehen das ganz anders“, bekräftigt der 25-Jährige. Die Einnahmen aus Weihnachtsmarkt und Tombola kommen der Spendenplattform „Helden“ zugute, die Willkommenspakete für Flüchtlinge vermittelt. Spender können Schuhkartons mit kleinen Geschenken wie Pflegeprodukten, Schreibwaren oder Kleidung packen, die der Verein dann als „Happy Box“ weitergibt.

So kam auch der Kontakt zum unter der Leitung von Sänger Mohsen Rashidkhan im ehemaligen Oststadtkrankenhaus entstandenen Flüchtlingschor zustande. „Ich hatte einfach den Wunsch nach sozialem Engagement“, sagt der 39-Jährige. Seit Mitte des Jahres trifft er sich regelmäßig mit Flüchtlingen aus Afghanistan, Syrien, Eritrea und anderen Ländern, um ihnen Gesangsunterricht zu geben. Der gebürtige Iraner kam selbst zum Studium an der Folkwang-Hochschule in Essen nach Deutschland. Seit zwei Jahren ist der Bariton im Chor der hannoverschen Oper engagiert.

Das gemeinsame Singen soll nicht nur etwas die Eintönigkeit bekämpfen, sondern integrieren. „Mein Ziel ist, dass sie Deutsch lesen und Deutsch lernen.“ Aus dem Heim rauskommen, mit Deutschen in Kontakt kommen bei Auftritten und manchmal auch etwas Disziplin zu lernen, sind ebenfalls Ziele.

Die Generalprobe haben die Sänger überstanden; jetzt geht es los, mit stimmkräftiger Unterstützung vom Frauenchor Leineperlen. „Stille Nacht, Heilige Nacht“ und „We wish you a merry Christmas“ erklingen vielstimmig. „Sing doch mit“, Ramon Ranj schlägt einem Zuhörer vor und hält ihm die Noten hin. Der lehnt lachend den Zettel des Nord-Irakers ab, den Text kennt er wie wohl die allermeisten Besucher des kleinen Marktes auswendig, viele stimmen mit ein.

Bei „Amazing Grace“, solo vorgetragen von Sarah Hinz vom Kinderchor der Oper, hören alle andächtig der 17-Jährigen zu, ebenso bei einem arabischen Lied, gesungen von Boubker Moussalli. Der 35-Jährige Musiker mit marokkanischen Wurzeln hat es selbst geschrieben, der Text handelt von Liebe.

„Ich fand das wirklich schön, auch wenn man es nicht verstanden hat“, sagt Mandy Krenz. Sie ist vor dem Auftritt schon etwas zwischen den Buden umhergeschlendert und mit den Flüchtlingen ins Gespräch gekommen. „Ich bin eher dafür, den Einheimischen zu helfen, die jetzt vergessen werden“, sagt ein Anwohner. Diejenigen, die jetzt Pakete bekommen, hätten mit Weihnachten nichts zu tun, so der 47-Jährige. „Auf jeden Fall ein gutes Projekt“, lobt hingegen Karl Garett. „Wenn es denn in den richtigen Händen landet“, betont der 54-Jährige.

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Südstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Südstadt-Bult, 7. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 41.575
  • Einwohner je Stadtteil:   Südstadt (38.600) und Bult (2.975)
  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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