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Gibt es ein Trinkerproblem auf dem Wochenmarkt?

Stephansplatz Gibt es ein Trinkerproblem auf dem Wochenmarkt?

Den Bezirksrat lässt die Frage nicht los: Gibt es nun ein Trinkerproblem auf dem Wochenmarkt Stephansplatz, oder nicht? Jesse Jung von der CDU-Fraktion sagt ja und fordert Maßnahmen gegen die "Belästigung". Polizei und Verwaltung sagen nein, es gäbe keine Beschwerden.

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Auf dieser Bank sitzen an Markttagen manchmal Männer und trinken Bier. Das schmeckt nicht jedem.

Quelle: Philipp von Ditfurth

Hannover. Das Thema „Trinker auf dem Wochenmarkt Stephansplatz“ lässt die CDU im Bezirksrat Südstadt-Bult nicht los. Nach Diskussionen in der Februar-Sitzung zu der Problematik fragte CDU-Bezirksratsmitglied und Landtagskandidat Jesse Jeng bei der Verwaltung in der jüngsten Sitzung des Gremiums noch einmal konkret nach. Unter anderem wollte er wissen, wie die Verwaltung reagiert habe, nachdem sie von der Problematik erfahren habe. Jeng wollte auch wissen, welche Möglichkeiten es gebe, die Ordnung wiederherzustellen und „ein respektvolles Miteinander an Markttagen sicherzustellen“.

Markthändlerin meldet sich

Jeng hatte in der Sitzung berichtet, dass an Markttagen auf einer Parkbank „offensichtlich alkoholisierte Personen sitzen, die sich gegenüber Kunden und dem Personal der in unmittelbarer Nähe stehenden Marktstände respektlos verhalten“. Das werde von den Betroffenen als nicht hinnehmbare Belästigung und als geschäftsschädigend empfunden.

Diskussion zu öffentlichen Plätzen

Das Trinkerproblem am Raschplatz, übermäßiger Müll in Stadtparks oder der Bebauungskonflikt am Andreas-Hermes-Platz: Öffentliche Orte in Hannover stehen immer wieder in der Kritik. Wie mit dem öffentlichen Raum umgegangen werden soll, will das Bürgerbüro Stadtentwicklung bei der Veranstaltungsreihe „Plätze, Parks & Co.“ erarbeiten. Der Zukunft des Köbelinger Markts widmen sich die Veranstalter bei der kommenden Diskussionsrunde am Mittwoch, 5. April. Eingeladen sind vor allem die anliegenden Unternehmen und Anwohner, aber auch alle weiteren Interessierten. Harald Kiefer vom Bund Deutscher Architekten wird den aktuellen Planungsstand der Stadt Hannover vorstellen und noch einmal auf die Überlegungen aus dem Konzept „City 2020+“ zurückblicken. Anschließend ist auch das Publikum eingeladen mitzudiskutieren. Die Veranstaltung des Bürgerbüros findet von 18 bis 21 Uhr in der städtischen Galerie Kubus, Theodor-Lessing-Platz 2, statt. Der Eintritt ist frei.

jst

Stadtbezirksmanager Sven Berger teilte in der Antwort der Verwaltung mit, dass Mitte vergangenen Jahres eine Markthändlerin im Rathaus angerufen und mitgeteilt habe, dass sie sich „von einer offensichtlich alkoholisierten Person“, die hinter ihrem Marktstand auf einer Bank sitze, belästigt fühle. Nach Angaben von Berger konnte aber „bis heute keiner der Marktmeister ein auffälliges oder belästigendes Verhalten feststellen“. Der Mann sei bekannt, er trinke auf der Bank eine Flasche Bier. Daraufhin hatten Marktmeister und der Obmann die umliegenden Händler befragt, nach Angaben von Berger konnte kein Händler von schlechten Erfahrungen mit dem Mann berichten. Sollte es Probleme geben, werde mit dem Mann geredet, auch sei ein Platzverweis möglich, meinte Berger.

Jeng ergänzte, dass es auch eine Anzeige der Marktfrau gegen den Mann bei der Polizei gegeben habe. Das Verfahren sei inzwischen eingestellt, sagt dazu Berger. Und ergänzte: „Ich selber habe mir das auch angeschaut“, sagte er zu Jeng. „Ich kann ihren Eindruck nicht bestätigen.“ Ähnlich äußerte sich in der Sitzung auch der anwesende Kontaktbeamte der Polizei. „Wir sind jeden Freitag auf dem Markt auf dem Stephansplatz, und keiner spricht uns dazu an“, sagt der Polizist.

Bier ist nicht zu kritisieren

Grundsätzlich sei es nicht zu beanstanden, wenn jemand auf einer Bank sitze und ein Bier trinke, betont Berger. Aus Sicht der Händlerin, die die ganze Sache ins Rollen gebracht hat, ist das Problem nicht das Bier, sondern die wüsten Beschimpfungen und Beleidigungen durch den Mann sind es. „Wenn ich vor anderen Menschen beleidigt werde, ist das für mich besonders unangenehm“, sagt die Frau, die namentlich nicht in Erscheinung treten will. 

Faktenlage akzeptieren

Der freitägliche Markt auf dem Stephansplatz ist wohl einer der beliebtesten Wochenmärkte in Hannover. Das liegt zum einen daran, dass die Südstädter fleißige Marktgänger sind. Deshalb stehen hier selbst im Winter die Händler oftmals dicht an dicht und sorgen für eine große Auswahl. Und der Wochenmarkt ist für viele Südstädter auch der Ort, wo man in ruhiger und gelassener Atmosphäre gern mit Nachbarn und Bekannten gern Neuigkeiten austauscht.

Jetzt hat der CDU-Mann Jesse Jeng ein bis drei Männer entdeckt, die auf einer Bank auf dem Stephansplatz an Markttagen zuweilen Bier trinken und offenbar eine Händlerin unflätig anpöbeln. Es ist in Ordnung, dass sich der wahlkämpfende Landtagskandidat um die Anliegen der Bürger kümmert, wie er selbst gern betont. Und es ist in Ordnung, dass er bei der Stadtverwaltung nachfragt und nachbohrt. Mittlerweile stellt sich aber heraus: Die Faktenlage ist dünn. Weder Polizei noch die Marktaufsicht kennen Beschwerden anderer Kaufleute oder von Kunden. Das sollte der CDU-Nachwuchsmann jetzt zur Kenntnis nehmen. Und er sollte für sich akzeptieren, dass jeder Fehler macht.

Jeng hat so lange und so intensiv nachgebohrt, dass er etwas erreicht hat, was er bestimmt nicht wollte: So mancher hat jetzt den Eindruck, der Stephansplatz sei ein Trinkerplatz. Und das stimmt gewiss nicht. 

Ein Kommentar von Mathias Klein

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Südstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Südstadt-Bult, 7. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 41.575
  • Einwohner je Stadtteil:   Südstadt (38.600) und Bult (2.975)
  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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