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Haarmann - nüchtern betrachtet

Südstadt Haarmann - nüchtern betrachtet

Zum 775. Stadtjubiläum will Schauspieler Volker Kühn einen Abschnitt in der Geschichte Hannovers aufarbeiten, den die Stadt seiner Meinung nach lieber totschweigen würde: den Fall des Massenmörders Fritz Haarmann. Zu sehen ist das Stück nun in der Südstadt.

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Volker Kühn (rechts) und Günter Schaller spielen den Massenmörder Fritz Haarmann und dessen Psychiater.

Quelle: Huber

Südstadt. Anders als bei der Produktion „Amerikanisches Detektivinstitut Lasso“ des Schauspiels Hannover, bei der die in Halbwissen und Popkultur aufgegangene Figur Haarmann als Aufhänger für eine selbstreferenzielle Auseinandersetzung des Autors mit der Kunstfreiheit genutzt wird, geht es dem 55-Jährigen nicht um Sensation. „Haarmann gehört als Gegenstand zur Stadtgeschichte einfach dazu“, sagt Kühn.

So ist es ihm auch unverständlich, warum das Historische Museum sich nicht mit dem Thema beschäftigt. „Gut wäre es, wenn Haarmann dort präsent wäre“, meint Kühn. „Mit meinem Stück könnte ich ständig dort auftreten, gerne wöchentlich.“ Sein Stück, das ist eine Adaption des dokumentarischen Spielfilms „Der Totmacher“ mit Götz George, der sich ausschließlich auf die insgesamt 400 Seiten umfassenden Protokolle der gerichtspsychiatrischen Untersuchung des Mörders im Jahr 1924 stützt. Aus dem 110-minütigen Film hat Kühn eine fast ebenso lange Theaterfassung gemacht, die er zusammen mit Günter Schaller als Professor Ernst Schultze am vergangenen Sonntag erstmals im Havana Cuba-Linden vor die Leute gebracht hat. Am kommenden Sonnabend ist das Stück in der Gaststätte Schluck Stube in der Südstadt zu sehen. In dem Stück „Puppenjungs oder Der Schlächter von Hannover“ orientiert sich Kühn in der Rolle als Haarmann stark an den schauspielerischen Eigenheiten Götz Georges: Stimmlage und Körpersprache tragen eindeutig die Handschrift des eigenwilligen Darstellers. Was damals von der Filmkritik als Ausnahmeleistung honoriert wurde, ist auch eine Stärke Kühns: In einer Szene rebelliert er wie ein Kind, in der nächsten schlägt er mit kraftvoller Faust auf den Tisch. Man nimmt ihm den psychisch kranken Mörder ab, der mindestens 24 junge Männer - zumeist Prostituierte - erst totgebissen und dann zerstückelt hat.

Dagegen gibt Günter Schaller als Psychiater den Zuschauern die Reaktionen auf die Erzählungen Haarmanns vor: Ungläubig, entsetzt, betroffen stellt er eine Frage nach der nächsten, um weitere Antworten von Haarmann zu provozieren. Das wirkt zuweilen ein wenig langatmig, den Gästen im Havana Cuba-Linden scheint dies aber nichts auszumachen. Viel Applaus gibt es am Ende für die beiden Darsteller. Von einem Skandal, wie bei anderen Inszenierungen über Fritz Haarmann, ist an diesem Abend nichts zu spüren.

Die Aufführung am Sonnabend, 28. Mai, in der Gaststätte Schluck Stube, Große Barlinge 70, beginnt um 20 Uhr. Der Eintritt ist frei, um Spenden wird gebeten. Reservierungen unter Telefon 54 48 22 21.

Von Melanie Huber

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Südstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Südstadt-Bult, 7. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 41.575
  • Einwohner je Stadtteil:   Südstadt (38.600) und Bult (2.975)
  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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