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In Hannovers Straßen wird an NS-Opfer erinnert

Stolpersteine In Hannovers Straßen wird an NS-Opfer erinnert

Der Künstler Gunther Demnig hat 27 neue Stolpersteine in Hannover verlegt. Die kleinen Denkmale im Straßenpflaster halten die Erinnerung an NS-Opfer wach. Die Familie Topf ist aus Frankfurt angereist, um dabeizusein, wenn Demnig  an der Straße Aegidiendamm fünf Gedenksteine für ihre Vorfahren einpasst.

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Fünf kleine Denkmale: Gunther Demnig verlegt die Stolpersteine am Aegidiendamm.

Quelle: Kutter

Hannover. Wenn Henry-Jacques Topf an seinen Großonkel denkt, spricht er ganz leise. „Ich bin nach ihm benannt“, sagt der 53-Jährige, als wollte er andeuten, dass man ein Stück Familiengeschichte ererben kann wie einen Namen. Sein Großonkel, Huna Topf, genannt Henry, verlor seine gesamte Familie im Holocaust: Seine Frau Marjam wurde ebenso wie die drei Kinder Toba, Szejma und Isaak in Auschwitz ermordet. Er selbst überlebte – und kehrte anschließend zurück nach Hannover. „Ich habe das nie verstehen können“, sagt Henry-Jacques Topf.

Der Unternehmer ist mit seiner Familie aus Frankfurt angereist, jetzt steht er vorm Hotel Reverey in der Straße Aegidiendamm. Hier, an ihrem früheren Wohnort, werden künftig fünf Stolpersteine an die jüdische Familie Topf erinnern. Der Künstler Gunther Demnig verlegt an diesem Tag in Hannover an neun Stationen insgesamt 27 dieser Denkmale im Miniaturformat, die im Gehwegpflaster an NS-Opfer erinnern. Demnig trägt ein Jeanshemd und seinen breitkrempigen Hut. Mit stiller Routine passt er die Steine in eine Lücke im Gehweg ein, mit dem Gummihammer klopft er sie im Mörtelbett fest.

Die neu verlegten Steine erinnern an höchst unterschiedliche Schicksale: Am Großen Hillen 36 wurde jetzt ein Stolperstein Lina Spiegelberg gewidmet, die am 15. Dezember 1941 aufgrund ihrer jüdischen Herkunft nach Riga deportiert und dort ermordet wurde. Sie verhungerte, im Alter von 61 Jahren.

An der Großen Barlinge 4 ehrt ein Stolperstein den Zahnarzt Wilhelm Weber. Dieser war anfänglich sogar NSDAP-Mitglied gewesen, änderte seine Ansichten jedoch offenbar unter dem Eindruck des Krieges. In seiner Praxis soll er einer Patientin gegenüber geäußert haben, „wir haben eine Million Juden ermordet und dadurch schwere Schuld auf uns geladen“. Er wurde denunziert, der Volksgerichtshof unter Roland Freisler verurteilte ihn wegen Wehrkraftzersetzung und Feindbegünstigung zum Tode. Wilhelm Weber wurde 1943 in Berlin-Plötzensee hingerichtet.

Die aus Frankfurt angereiste Familie Topf hält kurz inne, als Gunther Demnig die Steine im Gehweg eingelassen hat. Es gibt eine Gedenkminute, Blumen werden an den Stolpersteinen niedergelegt. Der Historiker Karljosef Kreter vom städtischen Team Erinnerungskultur berichtet vom Schicksal der jüdischen Familie. „Sie wurde 1938 brutal aus der Stadt vertrieben“, sagt er. Die erste Massenabschiebung von Juden aus Hannover stand am Anfang jenes Weges, der für vier Familienmitglieder schließlich im Tod enden sollte.

Die 14-jährige Romy und die 16-jährige Danielle machen mit ihren Handys Fotos von den kleinen Denkmalen, die hier jetzt an ihren Urgroßonkel und seine ermordete Familie erinnern. „Wir werden die Bilder bei Snapchat posten und unseren Freundinnen zeigen“, sagen sie. Auf ihre Art tragen sie so dazu bei, die Erinnerung wachzuhalten. Henry-Jacques Topf denkt an diesem Tag auch an seine Eltern. Sein Vater überlebte in Frankreich. Nach dem Krieg ging er nach Hannover, zu Huna Topf, der überlebt hatte. „Hier lernte mein Vater dann meine Mutter kennen“, sagt der 53-Jährige. „Man kann also sagen, dass es mich ohne meinen Großonkel gar nicht geben würde.“ Er blickt auf die Stolpersteine. Es sei wohl so, dass alles mit allem zusammenhänge, sagt er: „Aber manchmal spürt man das stärker als bei anderen Gelegenheiten.“

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