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Jugend erforscht die Stadtgeschichte

Südstadt Jugend erforscht die Stadtgeschichte

Welchen Lehrplan hatte die Frauenschule um 1934, wie ging die Schule Anfang des 20. Jahrhunderts mit Alkoholismus um und wie sehr litt die Südstadt unter der Bombardierung im Zweiten Weltkrieg? Ein Geschichtskurs der Wilhelm-Raabe-Schule hat sich der Erforschung dieser Fragen im Stadtarchiv gewidmet.

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Haben sich durch die alten Akten im Stadtarchiv gearbeitet: Patricia Kuwaczka (von links), Jan Jordan und Philipp Bazenov.

Quelle: Villegas

Hannover. Hannover, 1913. In der Vorweihnachtszeit liefert sich der Schulleiter der Wilhelm-Raabe-Schule einen Hahnenkampf um eine Adventsaufführung. Das hat der 17-jährige Jan Jordan jetzt herausgefunden. Dafür hat der Schüler wochenlang alte Briefe aus dem Stadtarchiv analysiert - denn gerade von der Wilhelm-Raabe-Schule lagern dort viele Akten. „Es gibt einen sehr großen Bestand, besonders an Klassenbüchern, Briefwechseln, Fotos“, sagt Jordan, „damit konnte man wunderbar arbeiten.“

Doch nicht nur Jordan, ein ganzer Geschichtskurs der Wilhelm-Raabe-Schule hat sich im Stadtarchiv am Bokemahle auf die Spuren der Stadtgeschichte begeben. Das Projekt läuft über vier Schulhalbjahre: In Projekten entstehen Plakate und das Spiel „Raabis Flug durch die Südstadt“. Auch schreibt jeder der elf Schüler kurze Hausarbeiten über einen hannoverschen Stadtteil und Themen der eigenen Schulgeschichte - dazu gehören zum Beispiel der Lehrplan der dreijährigen Frauenschule von 1934, der Umgang mit Alkoholismus an der Schule Anfang des 20. Jahrhunderts oder der Kunstunterricht in den Dreißigerjahren.

Ein Stück Südstadtgeschichte

Hauptaufgabe im zweijährigen Kurs ist allerdings die Facharbeit. Dafür untersuchen die Schüler ein Stück Südstadtgeschichte. Jan Jordan wählte die Altenbekener Eisenbahn. „Das Besondere ist ja, dass die Bahn heute noch fährt wie 1873. Wenn ich an Gleis 1 stehe, denke ich: Damals standen die Leute auch hier“, sagt Jordan und blättert durch seine Arbeit.

Mitschülerin Patricia Kuwaczka widmete sich in ihrer Facharbeit der Südstadt im Zweiten Weltkrieg. Sie habe die Frage beantworten wollen, ob der Stadtteil voll- oder teilzerstört worden sei. „Dazu haben ich den Prozess der Flugangriffe und auch verschiedene Bombentypen beschrieben“, sagt die 18-Jährige. Die Antwort lautet: teilzerstört. „Die Hildesheimer Straße war bis zur Geibelstraße komplett kaputt, danach weniger“, sagt sie.

Die erste Hausarbeit verfassen

Besonders wichtig ist für Lehrer Christian Löhr nicht nur, dass die Schüler die Arbeit im Stadtarchiv kennenlernen. „Der Kurs ist ein Seminarfachkurs“, sagt Löhr. Die Zwölftklässler sollen erste richtige Hausarbeiten schreiben. „Manche Professoren wären froh, wenn an Universitäten solche Arbeiten abgegeben werden würden“, sagt der Kursleiter stolz. Und auch der stellvertretende Stadtarchivleiter Carsten Stühring und Holger Horstmann, der das Projekt im Archiv betreut hat, sind zufrieden - und freuen sich über die neuen Dokumente.

Und der Hahnenkampf an der Wilhelm-Raabe-Schule? Im Briefwechsel mit verschiedenen Verlagshäusern kümmerte sich der Direktor 1913 darum, die Geschichte „Der Hahnenkampf“ von Wilhelm Busch in Lichtbildern zu bestellen - für die Adventsvorstellung. Jordan ist beeindruckt, dass sich der Schulleiter damals noch selbst um alles gekümmert habe. „Er hat sogar geschrieben: Meine Schüler sollen ein schönes Weihnachten haben“, sagt der Zwölftklässler. Wie schön der Advent an der Wilhelm-Raabe-Schule dann tatsächlich war - das ist nicht überliefert.

Von Johanna Stein

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Südstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Südstadt-Bult, 7. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 41.575
  • Einwohner je Stadtteil:   Südstadt (38.600) und Bult (2.975)
  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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