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Südstadt Kindern drohen längere Schulwege
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Kindern drohen längere Schulwege
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00:15 06.02.2016
Von Mathias Klein
„Die Neuregelung ist für mich unnatürlich und unvernünftig“: Eltern klagen über längere Schulwege. Quelle: Archiv
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Hannover

Der Vorschlag der Stadtverwaltung zur Neuaufteilung der Schulbezirke hat im Bezirksrat Südstadt-Bult zu einer engagierten Diskussion geführt. Grund für die Neuaufteilung, die ab dem Schuljahr 2017/2018 gelten soll, sind steigende Schülerzahlen. „Die Südstadt boomt“, sagte die Schulplanerin der Stadtverwaltung, Sylvia Mahner, in der Sitzung. Dort gebe es immer mehr Familien mit Kindern. Nach der Prognose der Verwaltung steigt in dem Stadtteil bis zum Jahr 2020 der Anteil der Kinder zwischen null und drei Jahren um 6 Prozent, der Anteil der Kinder zwischen drei und sechs Jahren sogar um über 12 Prozent. „Wir müssen überlegen, wie wir die steigenden Schülerzahlen bewältigen können“, sagte die Mitarbeiterin. Der Stadtverwaltung sei eine gleichmäßige Verteilung wichtig.

Neuordnungen sind sowohl im Norden als auch im Süden des Stadtbezirks geplant. Im Süden will die Schulverwaltung die Grundschule Tiefenriede entlasten. Künftig sollen die Erstklässler aus den Stadtteilen Waldheim und Waldhausen (östlich der Hildesheimer Straße) in der Heinrich-Wilhelm-Olbers-Grundschule in Döhren eingeschult werden. Die Grundschule Suthwisenstraße (ebenfalls in Döhren) ist für die Erstklässler aus dem Stadtteil Waldhausen, die westlich der Hildesheimer Straße leben, vorgesehen.

Im Norden sind Änderungen für den Einzugsbereich der Kestnerschule geplant. Diese ist schon jetzt gut besucht und wird nach einer Prognose der Stadt künftig fünf bis sechs erste Klassen bilden müssen, wenn sich die Einzugsgebiete nicht ändern. Damit wäre die Grundschule Kestnerstraße in absehbarer Zeit überlastet. Daher soll der Schulbezirk der Kestnerschule verkleinert werden und teilweise der Johanna-Friesen-Schule zugeordnet werden.

Die Grünen beklagten in der Sitzung, dass die Unterlagen über die Veränderung des Schulbezirks der Kestnerschule erst kurz vor der Sitzung vorgelegt wurden. „Fünf Tage zur Vorbereitung sind zu kurz“, sagte Fraktionschef Oliver Kluck. Alle Fraktionen wollen die Pläne der Verwaltung zunächst gründlich beraten.

Aber bei den Eltern formiert sich Widerstand gegen die Pläne. In der jüngsten Sitzung des Schulausschusses brachten Eltern aus Waldheim und Waldhausen ihre Bedenken gegen die Pläne der Stadt vor. Für sie ist es völlig unverständlich, dass die Kinder nicht mehr zur Grundschule Tiefenriede gehen sollen, sondern künftig der Heinrich-Olbers-Grundschule in Döhren zugeordnet werden. Ein Elternvertreter sagte, da werde ein seit 50 Jahren bewährter, sicherer Schulweg von Kindern einfach aufgegeben, während andernorts gefährliche Straßen wie die Sallstraße oder die Vahrenwalder Straße bei den neuen Plänen als Schulgrenzen gälten.

Die Verbindung zur Südstadt werde einfach abgeschnitten, kritisiert ein Vater. Viele Eltern würden ihre Kinder künftig dann lieber mit dem Auto in die Schule bringen statt sie allein zu Fuß laufen zu lassen. Die Selbstständigkeit der Schüler fördere dies sicher nicht und es sei auch ökologisch bedenklich.

Anwohner werfen der Stadt bürgerfernes Verhalten vor. In Waldheim sei der Generationenwechsel weitgehend abgeschlossen, sagte ein Vater. Stark steigende Grundschülerzahlen seien hier sicher nicht zu erwarten. Die Stadt habe Alternativen gar nicht richtig geprüft.

Auch Eltern aus dem Zooviertel hatten sich beschwert: „Die Neuregelung ist für mich unnatürlich und unvernünftig“, sagte etwa Prof. Michael Kempe, Vater einer erst dreijährigen Tochter, die noch in den Kindergarten geht. Besonders kritisiert wurde, dass eine Straße verschiedenen Schulen zugeteilt werde: „Freundschaften werden zerrissen, Fahr- und Abholgemeinschaften gesprengt“, sagte eine Mutter. Hier befürchten Eltern, dass ihre Kinder einen gefährlichen Weg durch die Eilenriede nehmen müssen, wenn sie nicht mehr zur Kestnerschule, sondern zur Johanna-Friesen-Schule gehen. Der Stadtwald werde auch nur unzureichend geräumt, den Kindern könnten schneebeladene Äste auf den Kopf fallen.

In dieser Woche diskutieren Eltern der betroffenen Grundschulen und die Stadtplaner noch mal über die Neueinteilung der Schulbezirke. Die Wünsche der Familien würden berücksichtigt, alle können man vermutlich aber nicht zufriedenstellen, sagt Bildungsdezernentin Rita Maria Rzyski. Sie will sich außerdem bei der Landesschulbehörde für einen Geschwisterbonus einsetzen. Familien, die bereits ein Kind auf einer Grundschule haben, sollen durch die Neueinteilung der Schulbezirke nicht plötzlich die Schwester oder den Bruder an eine andere Schule bringen müssen. „Das ist Eltern nicht zuzumuten.“

Generell gilt, dass Kinder ihre Grundschule innerhalb von zwei Kilometern Fußweg erreichen müssen und dass keine Grundschule mehr als vier Klassen pro Jahrgang haben darf.

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