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Südstadt Klassik für Hip-Hopper
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Klassik für Hip-Hopper
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02:15 29.04.2016
Von Martina Sulner
Die Schüler lauschen gespannt den Beschreibungen von Pianist Markus Becker. Quelle: Kutter
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Südstadt

Der Künstler warnt sein Publikum. „Ich habe noch etwas kalte Finger vom Fahrradfahren“, sagt Markus Becker, vielleicht klappe sein Spiel noch nicht perfekt. Dabei dürften seine Hände wenigstens schon ein bisschen warm geworden sein, denn zu Beginn der dritten Unterrichtsstunde in der Südstadtschule hat der 52-Jährige erst mal den Flügel herumgewuchtet - „damit ihr auch die Tasten seht“. Für das Projekt Rhapsody in School besucht der hannoversche Pianist und Hochschulprofessor die siebte Hauptschulklasse, hier OG 2 genannt. Die meisten der Schüler, die an diesem Vormittag in der Aula sitzen, haben wenig mit Klassik im Sinn. Gerade das will das deutschlandweite Rhapsody-Projekt ändern und vermittelt seit Jahren ehrenamtlich Klassikvirtuosen in Schulen.

Jetzt sitzen die Schüler von Klassenlehrerin Sandra Philippens im Halbkreis um den Flügel herum. Manche der 13- bis 15-Jährigen haben die Arme vor der Brust gekreuzt, manche wirken eingeschüchtert. Alle aber schauen aufmerksam auf den Mann am Flügel. Becker, Vater von drei Kindern, erklärt freundlich und humorvoll, was er spielt, erzählt von unterschiedlichen Musikepochen und berühmten Komponisten - zum Auftakt ein bisschen Johann Sebastian Bach, dann Chick Corea. „Die linke Hand spielt immer das Gleiche, die rechte zappelt so herum“, beschreibt er. Da müssen auch die zurückhaltenden Schüler lachen, und man spürt in der Aula mit dem gelbgrünen Teppichboden, wie die Jugendlichen nach und nach auftauen.

Als sie dann um das Instrument herum stehen und der Gast erklärt, wie ein Flügel funktioniert, trauen sich auch die Ersten, Fragen zu stellen. Wie lange er täglich übe, möchte Larissa (14) wissen. Drei bis vier Stunden. Mehrere Schüler interessiert, wie er überhaupt zum Klavierspielen gekommen sei. Becker erzählt von seinen Eltern - der Vater leitete mehrere Jahre die hannoversche Musikhochschule, die Mutter war Musiklehrerin an der Grundschule Friesenstraße -, und er erzählt von seinem Klavierunterricht und von seinem Werdegang. Zwischendurch spielt er und stellt immer wieder Musikstücke vor, zum Beispiel Modest Mussorgskys Klavierzyklus „Bilder einer Ausstellung“. Der 14-jährige Tunay fragt: „Vertippen Sie sich auch manchmal?“, und Becker antwortet: „Ja, klar. Selbst die berühmtesten Pianisten vertippen sich immer mal.“ Das sei nicht tragisch, denn Perfektion lasse sich sowieso nur selten erreichen.

Drei der Schüler spielen selbst ein Instrument: Klavier, Cello, Geige. Andreas (13) traut sich sogar an den Flügel und gibt den Anfang von Beethovens „Für Elise“ zum besten. Doch die meisten Jugendlichen interessieren sich wenig für Klassik: Der 13-jährige Daniel hört am liebsten Deutschrapper wie Nimo. Der ein Jahr ältere Fabian ist Schlagerfan und mag Helene Fischer und Beatrice Egli. Anna-Lena (14) kann sich für die Musik von Tom und Jerry begeistern. Die mag Becker auch, und Rockmusik ebenfalls, erzählt er, und Jazz sowieso: „Jazz war die Popmusik vor 100 Jahren.“ Als er George Gershwins „I Got Rhythm“ spielt, wippen viele Schüler mit den Füßen.

Am Ende des Besuchs lobt Markus Becker, wie aufmerksam die Jugendlichen zugehört haben. Einen Tag darauf will die Klasse ein Konzert des Gastes mit dem Jazzpianisten Lutz Krajenski im Pavillon besuchen. Und ein weiteres Treffen ist schon angepeilt: Becker lädt die Schüler in sein Studio am Döhrener Turm ein.

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