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21:18 25.05.2016
Die israelische Musikerin Gitla singt vor (und mit) Schülern der elften Klassen in der Tellkampfschule. Quelle: Gurol
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Südstadt

Als die israelische Sängerin Gitla fragt, wer selbst ein Instrument spiele, gehen viele Finger nach oben. Ob Bassgitarre, Klavier oder Akkustikgitarre - musikinteressiert zeigen sich die Tellkampf-Schüler aus den Leistungskursen des elften Jahrgangs allemal. Die musikalischen Gäste, die mit den Jugendlichen am vergangenen Donnerstag eine besondere Musikstunde gestalteten, hatten aber noch einige interessantere Instrumente im Gepäck.

Um den kulturellen Austausch zu fördern, hatte die Gedenkstätte Ahlem die beiden israelischen Künstler Gitla und Ori in die Schule eingeladen. Während die Folksängerin ihre Songs mit ihrer Gitarre begleitete und ihr Mann Tal eine sogenannte Native American Flute spielte, hatte der seit drei Jahren in Berlin lebende Ori seine Loop-Station zum Musizieren mitgebracht. „Ihr könnt euch glücklich schätzen. „Als ich zur Schule ging, sprach niemand über Musik - außer denen, die sie machten“, sagte Gitla, die mit ihrer eingängigen Stimme nachdenkliche Lieder auf ihrem Debütalbum „Mother“ eingesungen hat.

Dass die beiden Sänger aus Israel stammen, stand deshalb bei den Schülern kaum im Vordergrund. Stattdessen wollten sie wissen, wie die Künstler zum Musizieren kamen - und zu ihren Instrumenten. Für Ori hatte der Weg zur Musik bereits früh begonnen. „Ich habe angefangen Klavier zu spielen, als ich fünf war“, sagte er. Die Loop-Station allerdings bekam er erst vor wenigen Jahren. Freunde schenkten sie ihm zum Geburtstag. „Das hat mein Leben komplett verändert“, sagt er.

Dass sich der Austausch zwischen Schülern und Künstlern auf musikalischer Ebene bewegt, gehört zu den Grundgedanken des Projekts. „Für uns ist es wichtig, dass Gedenkstättenarbeit in die Zukunft weist und nicht nur zurück“, sagt Stefanie Burmeister, Leiterin der Gedenkstätte Ahlem. Die Musiker würden eine Idee davon vermitteln, wie sie leben. „Letztendlich merkt man: Alle Menschen sind gleich, wir haben ähnliche Gedanken und ähnliche Probleme.“ Mit dem Projekt will die Gedenkstätte dem kulturellen Austausch fördern. Die Mischung aus Konzert und Gespräch war bereits die dritte Veranstaltung dieser Art, die die Gedenkstätte gemeinsam mit Radio Leinehertz veranstaltet hat.

Auch für Musiklehrer Eiko Saathoff hatte die ungewöhnliche Musikstunde einen positiven Effekt. „Die Musiker haben genau dasselbe gesagt wie ich im Unterricht: Hört euch Musiker an, die ihr nicht kennt, kauft euch die Musik und geht auf Konzerte“, sagte er. Wenn diese Botschaft allerdings von den Künstlern selbst komme, sei das eindringlicher.

Ganz ohne Fragen zum Herkunftsland der Musiker kommt die Gesprächsrunde am Ende aber nicht aus. „Es ist manchmal hart und beängstigend in einem so heftigen Land zu leben“, berichtete Gitla. Vor allem, wenn es innerhalb weniger Jahre immer wieder Kämpfe gebe. Doch auch das gehört zur Inspiration. Die Geschehnisse in Israel, erzählte die Sängerin, flössen auch in ihre Musik mit ein.

Von Sabine Gurol

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