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Südstadt Lotto-Laden am Stephansplatz feiert 60. Geburtstag
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Lotto-Laden am Stephansplatz feiert 60. Geburtstag
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00:15 05.12.2016
„Hier kann man so schön schnacken“: Barbara Fiedler (r.) mit Kundin. Quelle: Johanna Stein
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Hannover

Wenn jemand Barbara Fiedlers Geschäft am Stephansplatz betritt, wird er von ihr meist mit Namen begrüßt. Und nicht nur das - die Inhaberin weiß auch, ob der Kunde Lotto spielt oder nicht, welche Zigarettenmarke er raucht, welche Magazine er kauft und welche Tageszeitung - und ob er diese lieber gerollt oder einmal gefaltet entgegennimmt. Fiedler kennt ihre Kunden deshalb so gut, weil sie ihnen seit 60 Jahren Lottoscheine, Tabak, Zeitungen oder Schreibwaren verkauft. Zum runden Geburtstag feiert sie am Freitag ein kleines Fest in und vor dem Geschäft am Stephansplatz 3.

Im Dezember 1956 eröffneten die Eltern der damals sechsjährigen Barbara Fiedler das Toto-Lotto-Geschäft. Schon als Kinder spielten sie und ihre drei Brüder oft auf dem Spielplatz direkt vor der Ladentür, während Vater und Großvater arbeiteten. Fiedler ließ sich zur Einzelhandelskauffrau ausbilden. „Nebenbei habe ich ständig im Laden ausgeholfen“, sagt sie. Als ihr Vater 1984 starb, übernahmen sie und ihre Mutter Anna Weber das Geschäft - zunächst unter der Führung der Mutter, sieben Jahre später tauschten sie die Rollen. Die Mutter starb einige Jahre später, und Fiedler stellte ihre Freundin Gaby ein. „Gaby ist eine gute Seele, wir sind ein tolles Team“, sagt Fiedler.

Das schätzen auch die vielen Stammkunden des Ladens. „Es wäre traurig, wenn Frau Fiedler nicht mehr da wäre“, sagt Hans-Günther Kaps. Auch Fiedlers gute Freundin Sylvia Rien, genannt Sille, wüsste dann gar nicht, wo sie stattdessen Lotto spielen sollte. Das Problem hat sie schon jetzt in den zwei Wochen pro Jahr, in denen Fiedler Urlaub macht und der Laden geschlossen bleibt. „Man könnte ja eigentlich woanders hin, aber hier kann man so schön schnacken“, sagt Rien.

Auch Fiedlers sieben Enkelkinder besuchen das Geschäft gern. „Die Kleinen drücken dann immer die Kasse auf und fragen: Oma, ist das alles dein Geld?“, erzählt sie. Doch nicht nur über die Kasse wacht Barbara Fiedler: „Der Laden ist mein Revier. Mein Mann darf Neonröhren auswechseln und Botengänge machen“, sagt die 66-Jährige und grinst. Aber eigentlich gehen die Grenzen von Fiedlers Revier noch ein ganzes Stück über die vier Wände des Lotto-Ladens hinaus. Schließlich ist sie im ganzen Stadtteil bekannt. Fiedler ist zwar mehrmals umgezogen, hat aber nie weiter als eine Straße von ihrem Geschäft am Stephansplatz entfernt gewohnt. „Die Südstadt ist eben ein Dorf - und ich bin ein echtes Südstadtkind“, sagt sie.

Wenn der Jackpot besonders voll ist, wagt auch hin und wieder jemand sein Glück, der vorher nie Lotto gespielt hat. „Ich hatte einmal eine Kundin, die in jedem Feld nur eine Zahl ankreuzen wollte“, sagt Fiedler und lacht. Ein anderes Ehepaar spielte schon Jahre lang im Laden am Stephansplatz und gewann nie - bis zu einem 1. April vor einigen Jahren. „Die dachten, das ist ein Aprilscherz“, sagt Fiedler. Doch tatsächlich konnte sich das Paar über 777 Euro freuen. Um hohe Beträge gehe es den meisten Lottospielern aber gar nicht. „Es gibt auch Kunden, die können sich ganz doll über 45,80 Euro freuen - die sind bescheiden, und das macht Spaß“, sagt Fiedler.

Dennoch, erzählt sie, malen sich die meisten vorher gern aus, was sie mit dem Gewinn anstellen könnten. „Aber dann denkt man auch schnell: Was soll ich denn mit 90 Millionen? Das kann auch Probleme bringen“, sagt die Ladenbesitzerin. Sie rate ihren Kunden dann, erst einmal Ruhe zu bewahren. „Da müsste man sich dann eben beraten lassen und am besten normal weiterleben“, sagt sie. Beratung brauchte Fiedler bei ihrem höchsten eigenen Lottogewinn noch nicht - denn selbstverständlich fordert sie selbst auch ihr Glück heraus. Mit sechs Freundinnen bildet sie eine Tippgemeinschaft. „Vor etwa zehn Jahren haben wir 666 Euro gewonnen“, sagt sie. Natürlich nicht im eigenen Geschäft, denn dort darf Fiedler nicht spielen.

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