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"Maschseeherz" findet wenig Zuspruch

Bürger in Rage "Maschseeherz" findet wenig Zuspruch

Das Projekt „Maschseeherz“ der Wohnungsgenossenschaft Herrenhausenbringt Bürger aus einem Quartier am Maschsee in Rage. Zu viele Bäume müssten weg, der Grundwasserstand sei in Gefahr und das Projekt grundsätzlich überdimensioniert.

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„Nicht für Porsche-Fahrer und Yuppies“: Die Visualisierung zeigt, wie das Neubauquartier „Maschseeherz“ von der Wiesenstraße aus aussehen soll.

Quelle: Nord/WGH

Hannover. Es waren etliche Negativposten, die Anwohner der Wiesenstraße der Wohnungsgenossenschaft Herrenhausen (WGH) in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Südstadt-Bult anlasteten. Vorstandsvorsitzender Michael Jedamski hatte bei der Präsentation des Projekts kein leichtes Spiel. Auf die drei geplanten Häuser freut sich derzeit in der direkten Nachbarschaft kaum jemand.

Das hat die WGH vor

Auf einem Grundstück, das lediglich durch den NDR-Parkplatz und das Rudolf-von-Bennigsen-Ufer vom Maschsee getrennt ist, sollen drei L-förmige Häuser mit Mietwohnungen entstehen. Fünf Architekturbüros hatten sich mit ihren Entwürfen beworben; zum Zug kommt das hannoversche Büro PK Nord. Es plant die Häuser in lockerer Formation. Zur Wiesenstraße hin soll keine geschlossene Häuserfront aufragen. In die Höhe geht es aber schon: Zwei bis fünf Vollgeschosse werden die Gebäude aufweisen. Die niedrigsten stehen in Richtung Maschsee, der nur 100 Meter entfernt ist.

Barrierefrei sollen die Wohnungen sein, mindestens 34 plant die WGH. Die Zahl kann also im jetzt gestarteten Planverfahren noch variieren. Für Singles, Paare, Familien und Senioren will die Genossenschaft Platz schaffen. Mehrere Wohnungen sollen behindertengerecht ausgestattet werden. „Sie sind nicht für Porsche-Fahrer und Yuppies“, betonte Jedamski. Kein Luxus, sondern eher mittlere Preisliga - so lautet die Vorgabe der WGH. Die Wohnungen sollen mit einer Kaltmiete von 8 bis 10 Euro je Quadratmeter auf den Markt kommen. Die Fassaden entstehen aus sandsteinfarbenen Ziegeln, die Flachdächer werden begrünt. In einer Tiefgarage wird Platz für 35 Fahrzeuge geschaffen. Die Erdgeschosswohnungen erhalten eigene kleine Gärtchen; grüne Gemeinschaftsflächen werden als Höfe zwischen den Häusern gestaltet. Ein älteres Wohnhaus, Garagen und mehrere Bäume müssen für das Projekt weichen. Die WGH plant andernorts Ersatzpflanzungen.

Die Kritik

Die Anwohner blicken jetzt auf eine Mauer rund um das Grundstück und einen alten Baumbestand, der die Fläche wie einen Park wirken lässt. Genau diese Aussicht wollen viele Nachbarn behalten. „Die Bebauung wird zu hoch und viel zu groß“, klagte ein Anlieger. Der alte Bebauungsplan, der eine wesentlich kleinere Wohnungszahl erlaubt, wird eigens für die WGH geändert - die Stadt will solche Verdichtungen im Stadtgebiet, um Wohnraum für die wachsende Bevölkerung zu schaffen. Ein anderer Nachbar kritisierte, dass „große, prächtige Bäume gefällt werden“. Eine Frau sorgt sich um die Verschattung ihrer Wohnung durch die Neubauten. Durch die Bodenversiegelung mit drei Gebäuden und das Ausheben einer Tiefgarage fürchten andere Anlieger wiederum, dass das Regenwasser schlechter abläuft und der Grundwasserspiegel im Viertel zum Problem werden könnte. „Das Areal ist kein Überschwemmungsgebiet“, stellte dazu Stadtplanerin Hanne Lahde-Fiedler fest. Auch nicht, wenn man Berechnungen für ein Jahrhunderthochwasser (HQ100) zugrunde lege. Am WGH-Projekt ließen die anwesenden Nachbarn kein gutes Haar. Jedamski deutete die Anzeichen entsprechend: „Wir wollen unseren Plan ohne juristischen Streit über die Bühne bekommen.“

Ausblick

Die CDU und FDP-Einzelvertreter Thomas Siekermann zeigten sich angesichts der harschen Kritik skeptisch gegenüber dem Plan. Die rot-grüne Mehrheit aber stimmte dem Start des Planverfahrens zu. Zwei Änderungen legte sie sowohl der Stadt als auch der WGH nahe: Nicht nur die Hälfte, sondern drei Viertel des Baumbestandes sollen bleiben. Und mindestens 25 Prozent der Einheiten sollen als Sozialwohnungen angeboten werden. Die öffentliche Auslegung der Pläne wurde verschoben. In der nächsten Bezirksratssitzung im August will die WGH noch mehr Details präsentieren - dann sollen auch die Anwohner noch einmal gehört werden.

Von Marcel Schwarzenberger

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  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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