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Nachbarn wehren sich gegen IGS-Pläne

Schule braucht mehr Platz Nachbarn wehren sich gegen IGS-Pläne

Die Pläne zur Erweiterung der IGS Südstadt stoßen bei Anwohnern auf Widerstand. Doch die Schule braucht dringend mehr Platz.

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Die Pläne zur Erweiterung der IGS Südstadt stoßen bei Anwohnern auf Widerstand.

Quelle: Tim Schaarschmidt

Hannover. Die Anlieger, die sich zu einer Initiative zusammengeschlossen haben, wenden sich unter anderem gegen das geplante Fällen von Bäumen auf dem Bauareal und gegen ein ihrer Meinung nach drohendes Verkehrschaos in der engen Wißmannstraße.

Die IGS Südstadt braucht dringend mehr Platz. Im jetzt geplanten Flügel an der Wißmannstraße sollen Fachunterrichtsräume, eine Sporthalle sowie zusätzlich eine Kita entstehen. Einschließlich der Sanierung der beiden anderen Gebäudeflügel der Schule rechnet die Stadt mit Gesamtkosten für das Projekt in Höhe von 31,5 Millionen Euro.

In der Begründung der Verwaltung für den Bau und die Sanierung der beiden alten Flügel heißt es, die Raumstruktur entspreche nicht den Anforderungen an den Betrieb einer IGS. Die Schule benötige eine zusätzliche Fläche von rund 3500 Quadratmetern.

Anwohner befürchten Verkehrschaos

Der Entwurf der Architekten sieht für den Ostflügel einen viergeschossigen Bau vor, der sich durch die entsprechenden Klinker den anderen beiden Flügeln anpassen soll. Das Außengelände der Vier-Gruppen-Kita im Erdgeschoss soll zur Wißmannstraße ausgerichtet sein. Im ersten sowie zum Teil im zweiten und dritten Obergeschoss sind Fachräume für den Kochunterricht, für Werken und Textilunterricht sowie für Musik und Kunst vorgesehen.

Die Anwohner aus der Wißmannstraße befürchten, dass der neue Flügel zu einem Verkehrschaos führt. Die Straße sei so eng, dass sich dort Autos gar nicht begegnen könnten. Lastwagen hätten oft Schwierigkeiten, überhaupt an den links und rechts am Straßenrand parkenden Autos vorbeizukommen. Sowohl für die Sporthalle als auch für die in den Bau integrierte Kita seien keine Stellplätze vorgesehen, sagt Claudia Keiser von der Anwohner-Initiative. Wenn die 60 Kita-Kinder von ihren Eltern gebracht oder abgeholt würden, wäre es „nicht mehr möglich, ihre Grundstücke mit dem Auto zu verlassen oder anzufahren“. Ähnliche Situationen drohten, wenn die Sporthalle nachmittags oder abends von Vereinen genutzt werde. Ein weiteres Problem sei der Lieferverkehr für die Schulmensa und die Kita, der nach Angaben der Initiative über die Wißmannstraße laufen solle.

Hat sich Verwaltung nicht um Alternativen bemüht?

Die Anwohner seien weder gegen die Erweiterung der Schule noch gegen den Bau der Kita, betont Keiser, die als Rechtsanwältin arbeitet. „Wir wehren uns aber dagegen, dass die Stadt die Belange der Nachbarn nicht einbezieht“, sagt sie. Außerdem habe sich die Verwaltung nicht ausreichend um Alternativen zu ihren Plänen bemüht.

Und Keiser führt noch ein anderes Argument auf. Es sei ein „geradezu unerträglicher Widerspruch, dass der geplante Ostflügel auf Grundlage der Pläne des Architekten Karl Elkart errichtet werden soll, der in die NS-Zeit verstrickt war“, schreibt sie in einem Brief an Oberbürgermeister Stefan Schostok. Keiser verweist darauf, dass aus diesem Grund die Elkartallee vor eineinhalb Jahren in Hilde-Schneider-Allee umbenannt worden war. Sein Werk wolle die Stadt an der Schule dennoch vollenden.

Tegtmeyer-Dette weist Argumentation zurück

Schostoks Stellvertreterin Sabine Tegtmeyer-Dette weist in einem Brief die Argumentation der Anwohner zurück. Die architektonische Gestaltung des neuen Gebäudeflügels „löst sich mit Zustimmung der Denkmalpflege von dem historischen Vorbild und folgt dem aktuellen Raumprogramm mit seinen funktionalen Bezügen und dem architektonischen Anspruch unserer Zeit“, schreibt sie in ihrer Antwort. Person und Lebenslauf des umstrittenen Architekten hätten nichts mit dem Erweiterungsbau zu tun.

Die Mensa soll über die Pfalzstraße und nicht über die Wißmannstraße versorgt werden, schreibt Tegtmeyer-Dette weiter. Vereinssportler sollen vom Altenbekener Damm in die Sporthalle gelangen. Dagegen gibt es für das Bringen und Abholen der Kita-Kinder offenbar noch keine Lösung: Bei diesem Thema befinde sich die Verwaltung „derzeit in der Abstimmung zu einer der örtlichen Situation angemessenen Lösung für den betroffenen Straßenabschnitt“, schreibt Tegtmeyer-Dette.

Beteiligung der Öffentlichkeit nicht erforderlich

Eine Beteiligung der Öffentlichkeit sei nicht erforderlich, schreibt sie weiter. Die Bauaufsichtsbehörde werde allerdings bei der Bearbeitung des Bauantrages prüfen, ob eine Beteiligung von Nachbarn erforderlich sei.

Keiser und ihre Mitstreiter sind mit diesen Antworten nicht zufrieden. Sie behalten sich rechtliche Schritte gegen die Pläne der Stadt vor.

Jetzt hat sich Bürgermeister Thomas Hermann eingeschaltet. Er hat die Bürgerinitiative und die Verwaltung eingeladen. Es gehe darum, Vorurteile abzubauen, meinte der SPD-Politiker. Der Bau eines zusätzlichen Gebäudes für die Schule und die Kita stünden jedoch nicht infrage.

Streit im Bezirksrat

In der jüngsten Bezirksratssitzung waren viele Anwohner unter den Zuhörern; Keiser übergab eine Unterschriftenliste. Sie beklagte, die Anwohner seien trotz entsprechender Bitten an Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne nicht informiert worden, obwohl bereits ein Bauvorbescheid existiere. „Wir werden seit zwei Jahren veralbert“, kritisierte Keiser. Pollähne wies das zurück. „Ich kann ihre Sorgen verstehen, aber uns liegen auch noch keine Pläne vor“, erklärte er. Ute Krüger-Pöppelwiehe (CDU) schlug vor, die Bürger an künftigen Planungsrunden zu beteiligen.

Elkart plant eine Volksschule

Vom Architekten Karl Elkart war die Schule ursprünglich als „Volksschule in der Südstadt“ errichtet worden. Die beiden Gebäudeflügel stehen unter Denkmalschutz, unter anderem weil das Gebäude baugeschichtlich zur sogenannten „konservativen Moderne“ gehört. Im ursprünglichen Entwurf des Architekten Elkart war das Schulgebäude dreiflügelig vorgesehen, angelehnt an einen barocken Schlosshof. Der Ostflügel zur Wißmannstraße und das für einen späteren Bauabschnitt vorgesehene Volksbad im Bereich des nördlich der Schule gelegenen Bolzplatzes wurden nie realisiert.

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So schön ist die Südstadt in Hannover
Südstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Südstadt-Bult, 7. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 41.575
  • Einwohner je Stadtteil:   Südstadt (38.600) und Bult (2.975)
  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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