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Projekt Maschseeherz wird weniger wuchtig als geplant

Südstadt Projekt Maschseeherz wird weniger wuchtig als geplant

Mehr als 100 Südstädter haben sich über das umstrittene Wohnprojekt Maschseeherz in der Wiesenstraße informieren lassen. Die ursprünglichen Pläne waren nach Protesten von Anwohnern geändert worden. Dennoch bleibt die zu erwartende Zunahme des Autoverkehrs durch die Neubewohner aus Sicht der Anlieger ein Problem.

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So sieht der neue Entwurf für das Bauprojekt Maschseeherz aus.

Quelle: privat

Hannover. Die Wohnungsbaugenossenschaft Herrenhausen (WGH), die auf einem derzeit mit Bäumen bewachsenen Grundstück in der Wiesenstraße hinter dem NDR-Funkhaus Wohnungen bauen will, hat die Planungen verändert. „Wir sind den Anwohnern entgegengekommen“, sagte WGH-Vorstandschef Michael Jedamski.

Bei der Informationsveranstaltung im Saal der Volkshochschule stellte Architekt Erol Slowy die veränderte Planung vor. Die Häuser sollen nicht mehr so hoch gebaut werden, es sollen wesentlich weniger Bäume gefällt werden, und die Bauherren wollen die Einfahrt zur Tiefgarage verlegen. Die neuen Pläne sehen vor, dass von den derzeit 47 Bäumen auf dem Areal 77 Prozent erhalten werden können. Das wurde durch eine Umplanung der Häuser erreicht. Vorgesehen sind nach Angaben von Slowy jetzt zwei dreigeschossige Häuser und ein zweigeschossiger Bau, denen jeweils noch ein halbes Geschoss aufgesetzt wird. Die ursprünglichen Pläne sahen auch einen fünfgeschossigen Bau vor.

Die WGH will auf dem Areal 34 Wohnungen mit Größen zwischen 55 und 135 Quadratmetern bauen. Die Mieten sollen zwischen 7 Euro pro Quadratmeter für die acht Sozialwohnungen und 10 Euro liegen. Die WGH rechnet für die drei Häuser insgesamt mit 60 bis 70 Bewohnern.

„Das ist eine schöne Märchenstunde“, rief ein Anwohner während des Architektenvortrags. Die anschließenden Fragen drehten sich vor allem um die vorgesehenen 31 Stellplätze in der Tiefgarage sowie die Verkehrsbelastung, die durch die Bewohner der neuen Häuser entstehen könnte.

„Die Zufahrt der Tiefgarage führt zu einer deutlichen Belastung der Anwohner in der Wiesenstraße“, sagte ein Mann. Planer Slowy hielt dagegen: „Wir entlasten die Wiesenstraße, weil der Verkehr aus der Tiefgarage nach Norden abfließt“, erläuterte er.

Ein junger Mann befürchtet durch den Neubau eine Verschärfung der schon derzeit schwierigen Parkplatzsituation in der Südstadt. Man müsse mit wesentlich mehr Autos rechnen, als mit den 31 Stellplätzen vorgesehen sei, meinte er. Derzeit komme es vor, dass Autobesitzer abends bis zu einen Kilometer von ihrem Parkplatz bis zur Wohnung laufen müssten. WGH-Chef Jedamski bezweifelte das. „Es ist nicht mehr so, dass jeder Haushalt zwei Autos hat“, betonte er. Ein Verkehrsgutachten sei nicht nötig, weil die Stellplatzbesitzer alle zu unterschiedlichen Zeiten wegführen und wiederkämen.

Der WGH-Chef appellierte an die Anwohner, gut zusammenzuarbeiten. „Wir werden gute Nachbarn sein“, betonte er. Es könne aber nicht sein, dass jemand, der jahrelang gegenüber eines Baumgrundstücks wohne, eine Bebauung dort verhindern wolle.

Der WGH-Chef hat angekündigt, über den weiteren Verlauf auf der Internetseite seines Unternehmens zu informieren.

Nach dem Bekanntwerden der ersten Pläne hatten Anwohner gesagt, sie wollten nicht die Bebauung verhindern, aber das Grün vor ihrer Haustür schützen. Das Eckgrundstück am schattigen Moocksgang hatten die Kritiker des Bauvorhabens liebevoll als „letztes Biotop“ der Südstadt bezeichnet.

Kompromisse sind möglich

Es bewegt sich etwas. Die Anwohner in der Wiesenstraße hatten ihre Argumente gegen die ersten Planungen für das Bauprojekt Maschseeherz vorgebracht, und das Wohnungsbauunternehmen hat reagiert. Klar: Am liebsten hätten es die Alteingesessenen gehabt, wenn das schöne Baumgrundstück in der Südstadt gar nicht bebaut worden wäre. Aber in Zeiten von Wohnungsnot ist dieser Wunsch nicht durchsetzbar. Nun also der Kompromiss: Niedrigere Häuser, größerer Abstand zur Straße und mehr Bäume als zunächst vorgesehen. Für die Anwohner ist das ein Erfolg. Es ist auch ein Erfolg der Beharrlichkeit und des Bemühens um sachliche Argumentation. Der Kompromiss zeigt vor allem das: Es ist immer schmerzlich, wenn man als Anwohner den seit Jahren gewohnten Blick verliert, wenn die Umgebung sich nachteilig verändert. Es wird jedoch kaum gelingen, geplante Bauprojekte zu verhindern, ob sie nun von Unternehmen oder von der öffentlichen Hand in Gang gebracht werden. Es ist aber möglich, vernünftig miteinander ins Gespräch zu kommen und Kompromisse auszuhandeln.

Ein Kommentar von Mathias Klein

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Südstadt in Zahlen
  • Stadtbezirk : Südstadt-Bult, 7. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 41.575
  • Einwohner je Stadtteil:   Südstadt (38.600) und Bult (2.975)
  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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