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Schüler auf den Spuren von Anne Frank

Südstadt Schüler auf den Spuren von Anne Frank

In einem schulübergreifenden Kunstprojekt haben Klassen der Tellkampfschule, der Südstadtschule und der Ludwig-Windhorst-Schule das Schicksal der im KZ ermordeten Jüdin Anne Frank theatralisch und medial umgesetzt.

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Vielfältige Annäherung: Lehrerin Iris Kühl stellt mit Schülerinnen eine Schattentheater-Szene nach.

Quelle: Moers

Südstadt. Dieses Jahr wäre sie 87 Jahre alt geworden. Anne Frank könnte die Urgroßmutter der Schülerinnen und Schüler sein, die sich mit ihrem berühmten Tagebuch beschäftigen. Obwohl ihre Ermordung im KZ Bergen-Belsen bereits sieben Jahrzehnte zurückliegt, berühren die Gedanken und Gefühle der Anne Frank auch heute noch Schülerinnen und Schüler. Das zeigte sich in dem schulübergreifenden Kunstprojekt.

„Schon wieder die gleiche Suppe wie gestern?“ Luisa Bortfeld stöhnt und setzt einen genervten Gesichtsausdruck auf. Sie hat eine ordentliche schwarz-weiße Bluse mit weißem Kragen und einen schwarzen Rock an. Die Haare sind zu Zöpfen gebunden. Luisa spielt an diesem Tag - in der Küche des Medienzentrums der Region - Anne Frank. Ihre Mitschülerin Pia Dammann gibt Mutter Edith. Zwei Mitschüler filmen, wie sich die beiden ankeifen. „Sie werfen sich an den Kopf, was sich in dem Versteck im Hinterhaus angesammelt hat“, erklärt Malin Thiedke aus der Textgruppe.

Die Schülerinnen und Schüler aus der achten Klasse der Tellkampfschule haben sich in verschiedene Gruppen aufgeteilt. Während in der Küche eine Filmszene gedreht wird, probt im Kellerstudio die Schattentheater-Gruppe. Im Aufnahmeraum werden Texte eingesprochen. Tanea, auch aus der Textgruppe, hat ihre Ausgabe des Tagebuchs mit unzähligen neonfarbenen Notizzetteln gespickt. „Ich habe Stellen markiert, in denen Anne Angst hat“, erzählt sie. Neben der Angst, entdeckt zu werden, fänden sich darin auch viele alltägliche Ängste einer 14-Jährigen. „Sie hatte Stress mit ihrer Mutter, von der sie sich zunehmend entfremdet hat“, weiß Tanea. Sie und die anderen sind im gleichen Alter wie Anne damals. An ihrem 13. Geburtstag, am 12. Juni 1942, bekam Anne in dem Hinterhausversteck ihr rot-weiß-kariertes Tagebuch. „Die Kriegssituation ist uns ganz fern, aber vieles können wir als 14-Jährige auch nachvollziehen“, meint eine andere Schülerin.

Initiiert wurde das Projekt „Sichtweisen: Anne F“ vom Kulturbüro Südstadt. Bezirksbürgermeister Lothar Pollähne hat die Schirmherrschaft übernommen. „Es geht dabei nicht in erster Linie um die NS-Zeit, sondern um die Grunderfahrungen von Jugendlichen, die in dem Tagebuch stecken“, erklärt Lehrerin Iris Kühl das themenübergreifende Konzept. Die Tellkampfschüler lernen bei ihren Gruppenarbeiten im Medienzentrum der Region gleichzeitig den Umgang mit Kamera- und Studiotechnik. Eine neunte Klasse hat das Versteck der Familien Frank und van Pels sowie des Zahnarztes Fritz Pfeffer als Dioramen nachgebaut. Andere Klassen spielen Theater. Insgesamt 112 Schülerinnen und Schüler sind an dem Projekt beteiligt. „Enge und Angst sind Erfahrungen, die Anne gemacht hat und die die Jugendlichen selbst kennen“, sagt Kühl.

Die Tagebuchaufzeichnungen der Anne Frank sind für viele Jugendliche ein Türöffner. Sie helfen, im Unterricht und privat zu verstehen, wie sich Rassismus und Ungleichheitsideologien auswirken können. „Wenn man Angst hat, wird die Welt immer stiller. Man wird von der Angst umschlossen, und sie lässt keinen Platz mehr, um zu atmen“, schreibt die Textgruppe.

Finale im Kindertheaterhaus: Am Freitag, 27. Mai, sind die theatralischen und medialen Ergebnisse des Projekts „Sichtweisen: Anne F“ im Kindertheaterhaus in der Kestnerstraße 18 zu sehen. Die Präsentation beginnt um 9.30 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Von Mario Moers

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  • Stadtbezirk : Südstadt-Bult, 7. Stadtbezirk in Hannover.
  • Einwohner: im Stadtbezirk ca. 41.575
  • Einwohner je Stadtteil:   Südstadt (38.600) und Bult (2.975)
  • Bevölkerungsdichte : 5.790 Einwohner/km² im Bezirk
  • Postleitzahlen : 30169, 30171, 30173
  • Markantes aus der Geschichte: Große Teile der Südstadt wurden ab Mitte der 1920er Jahre geplant und in den 1930er Jahren fertiggestellt. Solche Großsiedlungen für Familien waren Teil des soziales Wohnungsbaus der Weimarer Republik, der Alternativen zu den schlechten Lebensbedingungen in den Altbauten der Innenstadt schaffen und den Wohnungsmangel lindern sollte. In der Südstadt sind in dieser Zeit viele Straßenzüge mit vier- bis fünfstöckigen Mehrfamilienhäusern in Klinkerbauweise entstanden. Städtebaulich herausragend ist darunter das Hochhaus Glückauf am Geibelplatz.
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