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Südstadt Südstadt-Gemeinde feiert Fernsehgottesdienst
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Südstadt-Gemeinde feiert Fernsehgottesdienst
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16:45 18.05.2016
Der Kinderchor der Südstadt-Gemeinde war beim Fernsehgottesdienst dabei. Quelle: Moers
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Südstadt

Das moderne Leben und der Glaube schließen sich nicht aus. Das war die Botschaft des bundesweit ausgestrahlten ARD-Fernsehgottesdiensts aus der Pauluskirche. Hunderttausende verfolgten am Sonntag die feierlich inszenierte Pfingstmesse vor den Fernsehgeräten in ihren Wohnzimmern - mit der vielleicht ersten von Kameras übertragenen Taufe im deutschen Fernsehen. Und für die Besucherinnen und Besucher in der Pauluskirche war der Kirchgang dieses Mal ganz besonders aufregend.

„Guck mal, Papa, da vorne in der ersten Reihe sind noch Plätze frei“, quengelt ein junger Gottesdienstbesucher aufgedreht. Schon seit 9 Uhr wartet er mit seinem Vater auf der harten Holzbank. Bereits eine Stunde vor Beginn der Aufzeichnung verfolgen viele Besucher interessiert das Treiben der Kameramänner, Produktionsassistenten und Küster. „Ein Kollege hat gesagt, er will mich vor dem Altar flitzen sehen“, ulkt ein Besucher seiner Sitznachbarin zu. Hans Walter ist extra aus Isernhagen gekommen, um die Fernsehtaufe live mitzuerleben. „Ich wurde selbst in der Pauluskirche getauft“, berichtet er.

Mit drei Trucks und mehreren Bullis ist der NDR bereits am Donnerstag angerollt. Bis zur letzten Minute wird die Kirche von einem rund 50-köpfigen Produktionsteam fernsehtauglich gemacht. „Vier Kronleuchter mussten wir umhängen, damit die Schwenkkamera sich frei bewegen kann“, sagt Küster Markus Hildebrand. Am Sonnabend fand bereits eine Generalprobe statt - der achtjährige Täufling Felix Meyer wird also gleich zweimal in Gottes Namen mit seinem Namen versehen.

Über eine Redakteurin, die um die Ecke wohnt, kam der Kontakt zu Pastorin Anke Merscher-Schüler zustande. „Für einen Fernsehgottesdienst wird man ausgesucht, da kann man sich nicht bewerben“, sagt die Pastorin der Südstadt-Gemeinde nicht ohne Stolz. Zwei Radiogottesdienste hat sie in der Kirche bereits gehalten, im Fernsehen ist es Premiere.

Etwa 40 Minuten vor Beginn wuselt Aufnahmeleiter Dieter Hartwigsen konzentriert durch die Kirche. Ein älterer Herr hat sich genau vor eine der fünf Kameras gesetzt. Hartwigsen bittet ihn höflich, sich umzusetzen. „Hoffen wir, dass es in zehn Minuten voll ist, dann beginnen wir mit dem Warm-up“, erklärt er. Im Altarraum nimmt ein Kameramann schnell noch Impressionen der eigens aufgestellten Taufbilder auf. Am Eingang verteilen die Küster Flyer mit den Liedertexten und dem Ablauf an die Kirchgänger. „Singen ist in den nächsten 60 Minuten Ihr Kerngeschäft“, beginnt Jan Dieckmann, der Rundfunkbeauftragte der evangelischen Kirchen beim NDR, mit dem Aufwärmprogramm. „Wir fangen mit dem Rausschmeißer an“, sagt er und stimmt gemeinsam mit der Gemeinde das letzte Lied auf dem Zettel an. Er erklärt, dass der Gesang der Gemeinde die Menschen am Fernseher in Stimmung versetzen und bestenfalls zum Mitsingen motivieren soll. „Ich kann im Ü-Wagen genau sehen, wer nicht mitsingt“, scherzt er. In vier Minuten geht es los.

„Zeichensprache des Glaubens“ lautet der Titel der Predigt, die Pastorin Anke Merscher-Schüler zum Pfingstfest vorträgt. Es geht um die Bedeutung der Taufe, ihrer Symbole und Konsequenzen. „Die Taufe ist keine Lebensversicherung, aber eine Versicherung der Liebe zu Gott“, sagt sie. Den Höhepunkt des Gottesdienstes markiert die Taufe von Felix Meyer. In seinem blauen Anzug könnte der Schüler auch ein Kommunionskind sein, wäre die Pauluskirche nicht evangelisch. Bevor er über dem Taufbecken das erste Sakrament verliehen bekommt, fragt die Pastorin Felix, die Familie und die Taufpaten nach ihrer Haltung gegenüber dem Glauben. Das Besondere: Vater, Mutter und Bruder bezeichnen sich als Atheisten. „Meine Familie hat nicht an Gott geglaubt“, sagt Vater Holger Meyer. Gegenüber dem Wunsch seines Sohnes, Christ zu sein, sei er aber tolerant. „Ich will mehr bei Gott und der Gemeinde sein“, erklärt der Täufling seine Motivation.

Die Vereinbarkeit von modernem Leben, Religion und Kirche war die immanente Aussage der Fernsehtaufe. „Auch als moderner Mensch kann man seinen Anker im Glauben haben“, erklärt Anke Merscher-Schüler nach der erfolgreichen Fernsehpremiere. Bisher ist nichts schief gegangen. Dann hört Kreiskantor Oliver Kluge beim letzten Lied schon nach der zweiten Strophe auf zu spielen. Die Gemeinde singt allerdings auch ohne instrumentalen Beistand kräftig weiter. Schließlich hätte die ganze Nation sehen können, wer da nicht mitsingt.

Von Mario Moers

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