Menü
Hannoversche Allgemeine | Ihre Zeitung aus Hannover
Anmelden
Südstadt Viel Kritik an neuen Schuleinzugsbereichen
Hannover Aus den Stadtteilen Südstadt Viel Kritik an neuen Schuleinzugsbereichen
Partner im Redaktionsnetzwerk Deutschland
00:15 20.02.2016
Von Michael Zgoll
Die „Zitterbrücke“ nahe der Döhrener Olbersstraße führt direkt an Bahngleisen über den Südschnellweg hinweg. Eltern halten diese Passage für unzumutbar. Quelle: Michael Zgoll
Anzeige
Hannover

Müssen Grundschüler aus Waldheim und Waldhausen künftig mit dem Rad nach Döhren fahren oder laufen, statt die Südstadt anzusteuern? Diese Frage war in der jüngsten Sitzung des Bezirksrats Döhren-Wülfel das beherrschende Thema. Es meldeten sich etliche Eltern zu Wort, die einen Schulweg über den Südschnellweg für zu gefährlich halten und bezweifeln, dass in Südstädter Grundschulen tatsächlich kein Platz mehr für ihre Kinder ist. Politiker verschiedener Fraktionen richteten kritische Fragen an die zwei Schulentwicklungsplaner der Stadt, die für die Änderung der Schuleinzugsbereiche warben. Doch zur Abstimmung über eine entsprechende Beschlussdrucksache kam es nicht: Die SPD-Fraktion meldete weiteren Beratungsbedarf an.

Die Sozialdemokraten in Döhren-Wülfel haben ein Problem. Aus zwei Anfragen zum Thema „Sicherer Schulweg“ geht hervor, dass sie zu diesem Punkt Verbesserungen fordern - doch die Pläne der Verwaltung zur Änderung der Schuleinzugsbereiche nicht generell in Frage stellen. Damit steht die SPD allerdings in Opposition zu vielen Eltern und den Bezirksratsfraktionen von CDU und Grünen, die die Kinder aus Waldheim und Waldhausen unverändert in die Südstadt schicken wollen.

"Die Änderung hat eingeschlagen wie ein Bombe"

„Es geht nicht um die Qualität der Heinrich-Wilhelm-Olbers-Schule in Döhren, die genießt einen hervorragenden Ruf“, sagte der Waldheimer Jens Hundertmark. Wichtig seien Eltern und Kindern aber ein sicherer Schulweg und die Wahrung der vielfältigen sozialen Kontakte Richtung Südstadt. „Bei uns im Stadtteil ist die Nachricht zur Änderung der Schulbezirksgrenzen eingeschlagen wie eine Bombe“, sagte Andreas Hüsing aus Waldheim, der Schulelternratsvorsitzender der Grundschule Tiefenriede ist. Dabei seien die von der Verwaltung in den Raum gestellten Zahlen zur Schülerentwicklung nicht in Stein gemeißelt, sondern wiesen aller Erfahrung nach eine große Schwankungsbreite auf.

Sylvia Mahner vom Fachbereich Schulen stellte klar, dass alle Kinder, die bereits in der Südstadt unterrichtet werden, dort bleiben können. Die Umstellung gelte erst für die Erstklässler ab dem Schuljahr 2017/18. Mahner präsentierte einige Zahlen zur Größenordnung der Umstrukturierung. Demnach müssten im Schuljahr 2017/18 aus Waldheim 13 Schüler zur Heinrich-Wilhelm-Olbers-Schule gehen, im darauf folgenden Jahr 19. Aus Waldhausen wären es 14 Kinder (2017/18) bzw. 13 Kinder (2018/19). Auf den Weg zur Döhrener Grundschule Suthwiesenstraße müssten sich demnach sechs Waldhausener Schüler in 2017/18 beziehungsweise fünf in 2018/19 machen. „Wenn diese Kinder nicht nach Döhren gehen sollen, müssten wir in der Grundschule Tiefenriede Container aufstellen“, warnte Mahner. Wer von angeblich freien Kapazitäten in Südstadtschulen spreche, dürfe nicht vergessen, dass aufgrund der Inklusion Kinder mit sonderpädagogischem Bedarf doppelt gezählt werden und diese Klassen insofern weniger Köpfe hätten.

„Wir haben ganz bewusst keine Vorschläge zu möglichen Schulwegen gemacht“, ergänzte Schulentwicklungsplaner Michael Ziegler. Es gebe hier viele Varianten, und es liege in der Verantwortung der Eltern, welchen Weg sie ihren Kindern empfehlen.

Doch so viele Varianten sind es aufgrund von verkehrstechnischen Barrieren gar nicht: Da gibt es die relativ viel befahrene Zeißstraße, und den Südschnellweg können Radfahrer und Fußgänger nur über die sogenannte „Zitterbrücke“ (ein Metallplattenweg neben Eisenbahngleisen zwischen Klinkerfues- und Abbestraße) oder die Autobrücke Am Schafbrinke überqueren. „Beide Wege sind unsicher, dazu brauche ich keine Begehung“, befand die CDU-Fraktionsvorsitzende Gabriele Jakob. Eva-Maria Hartmann (Bündnis 90/Die Grünen) wies darauf hin, dass für viele Schüler der Weg in die Olbersstraße via Am Schafbrinke 2,6 Kilometer lang wäre - deutlich mehr als die empfohlene Höchstgrenze von zwei Kilometern.

SPD-Fraktionschef Jens Schade fragte an, ob nicht wenigstens die Kinder, deren Geschwister bereits in der Südstadt zur Schule gehen, in der Tiefenriede aufgenommen werden könnten. „Normalerweise macht die Landesschulbehörde bei Geschwisterkindern keine Ausnahme, doch unsere Schuldezernentin Rita Maria Rzyski setzt sich dafür ein, dass die Regelung in diesem Fall aufgehoben wird“, so die Antwort von Michael Ziegler.

Politiker von CDU und Grünen wiesen noch auf einen anderen möglichen Pferdefuß bei den Planungen der Stadt hin. Diese basierten auf der Annahme, dass es in der Heinrich-Wilhelm-Olbers-Schule einen Schülerrückgang und dementsprechend freie Plätze gebe. Doch entstehe derzeit an der Peiner Straße auf dem Gelände einer ehemaligen Gärtnerei ein Neubaugebiet mit rund 40 Doppelhaushälften; erfahrungsgemäß würden in solche Siedlungen viele Familien einziehen, deren Kinder dann in Döhren eingeschult werden müssten.

Kommentare
Die Debatte geht am Morgen weiter
Die Kommentarfunktion ist zwischen 23:00 und 06:00 Uhr nicht aktiv – denn wir wollen eine gute Moderation der Beiträge gewährleisten.
Die HAZ freut sich am Morgen über Ihre konstruktiven Beiträge zum Thema!
Südstadt Überfall auf Kiosk - Wer kennt diesen Räuber?

Mit einem Videoausschnitt, Fotos und einem Phantombild sucht die Polizei zwei Männer, die Ende November einen Kiosk an der Jordanstraße (Südstadt) überfallen haben. Sie bedrohten die Inhaberin sowie einen Angestellten und konnten mit der Beute flüchten.

12.02.2016

Die Abrissarbeiten für den neuen Wohnhof Große Düwelstraße haben begonnen. 56 Wohnungen sollen auf dem ehemaligen Bosch-Areal entstehen.

Conrad von Meding 15.02.2016

Streit um Änderung der Schulbezirke: Eltern befürchten gefährlichere Schulwege und klagen, dass „Freundschaften und Fahrgemeinschaften zerrissen“ werden. Laut Regelung darf der Fußweg für Grundschüler nicht länger als zwei Kilometer sein.

Mathias Klein 06.02.2016
Anzeige