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Aus den Stadtteilen Abholzungsaktionen der Stadt sorgen immer wieder für Unmut
Hannover Aus den Stadtteilen Abholzungsaktionen der Stadt sorgen immer wieder für Unmut
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20:32 21.11.2010
Von Rüdiger Meise
Heino Kamieth, Bereichsleiter Forsten, und Revierförster Gerd Garnatz (re.) erklären, wieso diese Eiche an der Zuschlagstraße eine Gefahr darstellt. Quelle: Nico Herzog

Majestätisch ragt die alte Eiche bis in rund 30 Meter Höhe. Die Sonne lässt die Blätter ihrer dichten Krone in den Farben des Herbstes leuchten, der massive Stamm hat mehr als einen Meter Durchmesser. „Ein Problembaum“, urteilt Revierförster Gerd Garnatz kühl. Er steht vor ihm und fährt mit den Fingern über einen Spalt im Stamm. „Der Baum ist ein Druckzwiesel“, sagt er. „Wenn im Winter Wasser in den Spalt läuft und gefriert, kann es den Stamm sprengen“, sagt er.

Am Fuß des Baumes erklären Garnatz und Heino Kamieth, Bereichsleiter Forsten bei der Stadt, was viele Waldfreunde nur mit Mühe nachvollziehen können: Das Fällen von Bäumen aus Gründen der Verkehrssicherungspflicht. Der mächtige Baum steht an einer Weggabelung an der östlichen Eilenriede, er könnte auf eine Straße fallen oder auf ein Haus. „Nicht auszuschließen, dass wir ihn irgendwann fällen müssen.“ Denn wenn ein Spaziergänger von einem herabfallenden Ast erschlagen wird – wie vor einigen Jahren in der Eilenriede geschehen –, werde die Stadt zur Verantwortung gezogen.

In den vergangenen Wochen hat das Forstamt mit einer Baumfällaktion in Stöcken für Unmut gesorgt. An der Gemeindeholzstraße zeugt eine Reihe von Eichenstümpfen von der Abholzung von einem guten Dutzend teilweise mehr als hundert Jahre alter Eichen – aus Gründen der Verkehrssicherung. Damit will sich Karl-Heinz Hillmann vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) nicht abfinden. Er fordert, dass das Amt die Fällaktion in der nächsten Sitzung des Bezirksrats öffentlich begründet.

Der Eingriff in den Baumbestand sei „aus ökologischer Sicht erheblich“, sagt Hillmann. Auf einer Fläche von 30 mal 250 Meter sei mehr als ein Drittel der Bäume aus dem Bestand genommen worden. Der Umweltaktivist hat den Verdacht, dass die Forstverwaltung mehr Bäume abgeholzt hat, als es die Verkehrssicherungspflicht erfordert hätte. Revierförster Gerd Garnatz habe ihm die Notwendigkeit während eines Ortstermins nicht hinreichend erklären können, sagt Hillmann.

Im Forstamt ist Hillmann kein Unbekannter. Seit Jahren kämpft der BUND-Aktivist gegen Baumfällungen und kommerzielle Forstwirtschaft in Hannovers Stadtwäldern. Wenn die Stadt auf die Holznutzung komplett verzichte, könne sie im Forstamt erheblich Personalkosten sparen und so den entgangenen Gewinn kompensieren, argumentiert der Rentner.

Seine Forderung findet zwar bei manchen Liebhabern von Hannovers Stadtwäldern Gehör, stößt aber in der Stadtverwaltung auf taube Ohren. Das Forstamt müsse Maschinen und Personal vorhalten, da man auf das Fällen von Bäumen in den Stadtwäldern nicht werde verzichten können. Etwa 15 Prozent der jährlich gefällten Bäume müssten aus Gründen der Gefahrenabwehr geschlagen werden, weil Äste oder Stämme auf Waldwege fallen könnten und damit Passanten gefährden könnten, erklärt Revierförster Garnatz. Die Arbeit des Forstamtes orientiere sich an den Richtlinien der Umweltorganisation FSC, die weltweit umweltfreundliche, sozial förderliche und ökonomisch tragfähige Bewirtschaftung von Wäldern zertifiziere. „Die Naturschutzorganisationen BUND hat diese Richtlinien mitbeschlossen“, sagt Garnatz.

Nachhaltige Waldbewirtschaftung bedeute, vom Wert des Waldes zu profitieren und die natürlichen Prozesse zu bewahren. Das sei aber vielen Naturfreunden nur schwer vermittelbar, gesteht Garnatz zu. „Die Leute empfinden den Wald sehr unterschiedlich“, sagt er. Manche wünschten sich einen Urwald, andere empfinden bereits umherliegende Äste als unordentlich.

Rund 75 Prozent der Waldfläche der Eilenriede werde zur Holzernte genutzt, die Stadt erzielt aus dem Verkauf einen Erlös von jährlich rund 100.000 Euro, erklärt Revierförster Garnatz.

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