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Aus den Stadtteilen Agent Mauss und der Fall René Düe
Hannover Aus den Stadtteilen Agent Mauss und der Fall René Düe
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00:15 30.09.2016
Von Tobias Morchner
Die wiedergefundene Beute 
und die Protagonisten in einem von 
Hannovers spektakulärsten Kriminalfällen: René Düe – und Werner Mauss, der jetzt beim Bochumer Steuerprozess 
in einem dicken Anorak erschien. Quelle: Archiv/dpa
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Hannover

Der heute 76-jährige Mauss hatte seine Hände sowohl beim Anschlag des niedersächsischen Verfassungsschutzes auf die Justizvollzugsanstalt in Celle im Juli 1978 als auch bei den Ermittlungen in dem Raubfall um den hannoverschen Juwelier René Düe drei Jahre später im Spiel.

Werner Mauss gilt als umstrittene Figur der deutschen Nachkriegsgeschichte. Er soll, zum Teil im Auftrag der deutschen Behörden, unter anderem an der Festnahme des mutmaßlichen RAF-Terroristen Rolf Pohle 1976 in Athen und an der Befreiung des Hoechst-Managers Rudolf Cordes und des Siemens-Technikers Alfred Schmidt 1987 in Beirut beteiligt gewesen sein. Für den Anschlag auf die JVA Celle soll Mauss dem Verfassungsschutz den Mercedes SL besorgt haben, in dem die Sprengladung versteckt war. Dabei soll er oft die Grenzen der Rechtsstaatlichkeit überschritten haben. Lange Zeit existierte nicht ein einziges Foto des Geheimagenten. Erst 1983, im Verlauf des Prozesses um den Raub der Juwelen von René Düe, wurde erstmals ein Bild von Mauss in den Medien gedruckt.

Mauss trat als Hehler an Düe heran

Der hannoversche Rechtsanwalt Elmar Brehm, der den Juwelier im Strafprozess vertreten hatte, hat bis heute einen kritischen Blick auf die Aktivitäten des Werner Mauss. „Um die Glaubwürdigkeit des Herrn Mauss beurteilen zu können, muss man sich doch nur seine angeblichen Verdienste ansehen“, sagt der Strafverteidiger. Entgegen seiner Darstellung habe Mauss weder die giftigen Seveso-Fässer entdeckt, noch den gestohlenen Kölner Domschatz wiederbeschafft. „Er war damals nach meinen Recherchen einer der größten Rechtsbrecher der Nachkriegsgeschichte“, sagt Brehm.

Am Morgen des 31. Oktober 1981 entdeckte ein Postbote den Juwelier bewusstlos in seinem Geschäft am Kröpcke. Nach Dües Angaben waren zwei Männer in seinen Laden eingedrungen und hatten Schmuckstücke und Wertgegenstände im Wert von heute umgerechnet rund 13 Millionen Euro geraubt. Die Wertsachen hatte er vorrätig, weil er angeblich eine große Ausstellung plante, zu deren Eröffnung etwa 300 Kunden und Freunde geladen waren. Im Lauf der Ermittlungen ergaben sich allerdings erhebliche Zweifel an Dües Darstellung. Denn den Juwelier drückte ein Berg von Schulden. Zudem deponierte er selbst Monate nach der Tat 15 angebliche Beutestücke in einem Bremer Hotelsafe. Es sollten nicht die einzigen angeblich geraubten Schmuckstücke sein, die später wieder auftauchten. Dües Versicherung engagierte einen Privatdetektiv, der den Rest der Beute aufspüren sollte. Der private Ermittler, der unter dem Namen „Claude“ in Aktion trat, war kein anderer als Werner Mauss. Er gab sich gegenüber Düe als Hehler aus, der Schmuckstücke aus dem Raub ankaufen wollte. Um an Informationen zu dem Raub zu kommen, soll Mauss nicht gerade zimperlich vorgegangen sein. So soll er Düe und dessen Schwager unter anderem auf eine Jacht in Südfrankreich gelockt haben, die mit versteckten Mikrofonen präpariert gewesen sein soll. Die Beweise, die der Privatdetektiv gesammelt hatte, führten schließlich zur Festnahme und zur Verurteilung des Juweliers zu sieben Jahren Gefängnis. In zweiter Instanz erreichte Dües Rechtsanwalt Brehm, dass die Beweismittel, die Mauss konspirativ beigebracht hatte, vom Gericht verworfen wurden, sodass Düe im März 1989 freigesprochen wurde. Er erhielt 2 Millionen D-Mark Haftentschädigung.

Teile der Beute steckten hinter einer Wandverkleidung

Ein Untersuchungsausschuss des Niedersächsischen Landtags versuchte zu klären, ob Mauss bei seinen Missionen Gesetze übertreten und ob sein Engagement ausschließlich dem Landesinteresse oder möglicherweise auch privatwirtschaftlichen Vorhaben diente. Mauss erschien allerdings zunächst nicht zu den Sitzungen. Später berief er sich bei seinen Befragungen stets auf seine angeblich eingeschränkte Aussagegenehmigung.

Im Jahr 2000 nahm der Fall Düe eine erneute Wende. Bei Renovierungsarbeiten des Schmuckgeschäfts von Friedrich Düe, Renés Vater, am Ballhofplatz stießen die Arbeiter hinter einer Wandverkleidung auf einen Schatz. Dort entdeckten sie 10,8 Kilogramm Schmuck aus dem Düe-Raub - sorgsam verpackt in elf Paketen. Ein Rechtsanwalt brachte den Fund zur Polizeiwache in der Herschelstraße. Doch neu aufgerollt werden konnte der Fall nicht, weil der Juwelier bereits mit einem rechtskräftigen Urteil von allen Vorwürfen freigesprochen worden war.

Im Jahr 1992 wurde in der Türkei der damals 34-jährige Aydin Y. verurteilt. Er soll zusammen mit seinem Komplizen Nevzat A. im Auftrag von Düe den Schmuckraub ausgeführt haben. Y. wurde aber nicht wegen dieses Verbrechens, sondern wegen Mordes an seinem Kompagnon verurteilt. Die beiden Männer waren angeblich von Düe für die Ausführung ihres Auftrags nicht entlohnt worden, Nevzat A. wollte deswegen bei der Polizei auspacken. Doch dazu kam es nicht. Aydin Y. lockte seinen Komplizen in ein Hotelzimmer, erdrosselte ihn und nähte ihm anschließend den Mund mit Zwirn zu - eine Methode der Mafia, für Leute, die zu viel reden. René Düe führt bis heute ein Schmuckgeschäft in Keitum auf Sylt.

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