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Am Anfang war ein Chausseewärter

Hainholz Am Anfang war ein Chausseewärter

Gerd Wöhlekes Familie lebt seit fünf Generationen in Hainholz - und ist stolz darauf. Der Bürgerrechtsbrief aus dem Jahr 1891 hängt im Partykeller.

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Gerd Wöhleke vor seinem Haus in der Brunnenbergstraße. Den Bürgerbrief aus dem Jahr 1891 hält die Familie in Ehren.

Quelle: Godeck

Hainholz. Die Bunnenbergstraße in Hainholz ist eine von vielen Straßen in der Landeshauptstadt. Die eng an eng stehenden Wohnhäuser, die parkenden Autos am Straßenrand und hie und da mal ein wenig Grün. Dass hier einmal Ackerbau und Viehzucht betrieben wurde, ist heutzutage schwer vorstellbar. Dass es aber mal genau so gewesen ist, darüber weiß Anwohner Gerd Wöhleke zu berichten. Seit fünf Generationen wohnt die Familie des heute 91-Jährigen im Stadtteil Hainholz, der vor rund 120 Jahren noch ein Bauerndorf war.

Angefangen hatte alles im 19. Jahrhundert: Hannover war Königreich und Friedrich Lampe, der Urgroßvater von Gerd Wöhleke, am königlichen Hof angestellt als sogenannter Chausseewärter. „Er war dafür zuständig, dass die Alleen und Straßen in Schuss blieben“, sagt Wöhleke. Also praktisch die Straßenmeisterei von einst. Im Jahr 1872 - Hannover gehörte inzwischen zu Preußen - kaufte Lampe von einem Lister Großgrundbesitzer eine riesige Ackerfläche in der heutigen Bunnenbergstraße. „Für 300 hannoversche Taler“, erzählt der gelernte Werkzeugmacher Wöhleke. Auf der Fläche wurden Hühner und Schweine gehalten. Zudem wurden Kartoffeln, Bohnen und dergleichen angebaut. Auch ein Wohnhaus und Wasch- und Schlachthaus entstanden.

Gleichzeitig änderte sich der Status des damaligen Bauerndorfes Hainholz. Ebenso wie Herrenhausen, List und Vahrenwald wurde die Gemeinde 1891 Teil der Haupt- und Residenzstadt Hannover. Eine Kopie der Urkunde von damals hat Wöhleke eingerahmt an der holzvertäfelten Wand im heimischen Keller hängen, zusammen mit allerlei Fotos und anderen Utensilien. In dem Schriftstück ist festgehalten, dass Lampe und seine Frau das „Bürgerrecht der hiesigen Königlichen Haupt- und Residenzstadt“ erworben hätten. Datiert ist das Papier auf den 3. Juli 1891, unterschrieben wurde es vom Magistrat höchstpersönlich.

Aus Hainholz 72 - so wurde es bis dahin genannt - wurde der Stadtteil Hainholz. „Hier gab es bis dahin auch keine richtigen Straßen“, sagt Wöhleke. Und Straßennamen sind ebenfalls erst mit der Eingliederung nach Hannover entstanden. So bekam die Straße, an der sich das Grundstück der Familie Lampe/Wöhleke befindet, die Bezeichnung Bunnenbergstraße.

Von Urgroßvaters gekauftem Ackerland ist heute, knapp 150 Jahre später, nicht mehr viel zu erkennen. Nur das alte Waschhäuschen steht noch. „Es wurde auch als Schlachthaus und Räucherkammer genutzt“, berichtet Wöhleke. Auf dem Dachboden habe das Stroh gelagert. Vom einstigen Wohnhaus ist hingegen nichts mehr übrig: Das Fachwerk fiel im Zweiten Weltkrieg den Bomben zum Opfer, heute befindet sich ein neues Haus an der Stelle.

Geblieben aber ist die Familie Lampe/ Wöhleke. Seit nunmehr fünf Generationen lebt sie in Hainholz. Gerd Wöhlekes Sohn wohnt heute ebenso wie er selbst im Haus in der Bunnenbergstraße.

Wenngleich die Eingemeindung von Hainholz nun schon mehr als 120 Jahre zurückliegt, sieht sich Wöhleke selbst nicht als Stadtmensch. „Ich bin Ur-Hainhölzer“, sagt der 91-Jährige. „Oder einfach Hannoveraner aus der Altzeit.“ In jedem Fall ist er jemand, für den die Bunnenbergstraße mehr ist als eng und zugeparkt. Und erst recht nicht wie jeder andere Straßenzug in Hannover.

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