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Aus den Stadtteilen Heute lachen wir eine Geschichte
Hannover Aus den Stadtteilen Heute lachen wir eine Geschichte
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15:02 04.09.2015
Von Susanna Bauch
Andrea Pawlak bringt die Bewohnerinnen des Dana-Pflegeheims zum Lachen. Quelle: Schaarschmidt
Hannover

Vor rund drei Monaten hat die Einrichtungsleiterin Petra Kleemann die junge Trainerin für ihr Haus engagiert – und die Runde zählt stattliche zwei Dutzend Senioren, die Lust aufs Lachen haben. Andrea Pawlak fällt nicht mit dem Lachen in die Tür. Zunächst begrüßt sie alle Teilnehmer persönlich mit Namen, erkundigt sich nach dem Befinden – und lächelt sie an. Die Stimmung ist heiter, fast gelöst, und einige kennen das Einstiegsritual bereits. Zum Aufwärmen wird nach rechts und links zum Nachbarn geklatscht, dazu ein kräftiges Hoho und Haha geschmettert. Eine Teilnehmerin ist taubstumm, sie liest das Lachen der Trainerin gewissermaßen von ihren Lippen und strahlt über das ganze Gesicht. „Heute lachen wir eine Geschichte“, sagt Andrea Pawlak und beginnt sogleich, das Märchen vom Rotkäppchen in einer etwas anderen Version vorzulesen. „Es geht hier viel um Kontakt, um Bewegung und auch Atemtechnik“, sagt die Trainerin, die hauptberuflich als medizinische Dokumentarin arbeitet und  mit Lachyoga gerade eine Leidenschaft professionalisiert.

Beim alternativen Rotkäppchen ist Mitmachen gefragt. Die Senioren schütteln erst einzelne Körperteile nacheinander, bevor sie sich dann auch vor Lachen ausschütten sollen. Vielen gelingt das ganz gut, eine Teilnehmerin indes sieht den Sinn der Sache nicht ganz ein und fragt schon früh nach dem Ende der Veranstaltung. Sie wird am Ende die letzte sein, die die Veranstaltung verlassen möchte.

Die Senioren werden durchgehend gefordert – nicht nur durch das entfremdete Märchen, bei dem Rotkäppchen ordentlich Wein trinkt, der Wolf ein Weichei ist und der Förster eine Affäre mit der Großmutter hat. Sondern weil die Frauen und Männer ihre Atmung kontrollieren müssen, auf Tuchfühlung mit dem Nebenmann gehen, ihr Gedächtnis bemühen und jede kleine Übung mit einem bewussten Lachen abschließen. „Die machen hier alle toll mit, das macht richtig Spaß“, schwärmt Andrea Pawlak, und die Teilnehmer klatschen Beifall zur Bestätigung.

„Ich fand das Angebot sehr ansprechend, und da haben wir es einfach ausprobiert“, sagt Heimleiterin Kleemann. Eine Entscheidung, die sie nicht bereut. „Die Bewohner sind ausgeglichen und gut gelaunt nach der Stunde, außerdem ist fast immer jeder Platz besetzt.“ Die Teilnehmer selbst indes können sich vielfach nicht präzise ausdrücken, aber es ist offensichtlich, dass sie an diesem Nachmittag viel zu lachen haben – und sei es als Kettenreaktion. Herr König gibt heute das Rotkäppchen in der Runde, das allein finden viele komisch. Und Frau Kuppert kommentiert jeden Handlungsschritt. „Die muss immer quatschen“, sagt ihr Gegenüber, aber er schmunzelt dabei.

Die Senioren lernen im Laufe der Geschichte ein erleichtertes Lachen, ein höhnisches, ein schadenfreudiges, ein wütendes, aber auch ein „Blumen- und ein Büstenhalterlachen“. Was das ist? „Das Geschichten-Lachen hat viel mit Imagination zu tun, und die Vorstellung, einen Büstenhalter wie ein Lasso zu schwenken, lässt nicht nur die Herren in der Runde schmunzeln“, sagt Pawlak. Schlüpfrig darf eben auch gelacht werden, und am Ende der Lachyoga-Stunde sind die Teilnehmer sichtlich erschöpft. „Das ist richtig Arbeit“, sagt die Trainerin. Schließlich werde beim Lachen auch Energie verbraucht. Dass ein Lachen auf Knopfdruck nicht immer von ganz innen kommt, ist dabei gar nicht so wichtig. „Senioren lachen weniger und anders als jüngere Menschen, da kann man das ruhig als bewusste Therapie einsetzen.“

Den alten Damen und Herren scheint das zu gefallen, sie sind dankbar für das etwas andere Märchen und die Herausforderung des Lachens. Und zum Abschied  wissen dann auch alle, was sie zu sagen haben: Auf Wiederlächeln bis zur nächsten Schmunzelstunde.

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