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„Eine Schwester für die warmen Brüder“

Linden-Mitte „Eine Schwester für die warmen Brüder“

Der Trendstadtteil Linden kann auch Biedermeier: Nicht jeder Einwohner kann sich so richtig mit dem Lindener Wahrzeichen der „drei warmen Brüder“ identifizieren. Deswegen pflanzten Bürger eine Gemeinschaftslinde in Linden-Mitte neben die St. Martins-Kirche.

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Legen sich für die Linde ins Zeug (von links): Leon (7), Lotta (6) und Frederik (9).

Quelle: Christian Link

Linden-Mitte. Die drei Türme des Heizkraftwerks gelten gemeinhin als Wahrzeichen von Linden. Im Volksmund werden sie liebevoll die „drei warmen Brüder“ genannt und kaum ein Linden-Fanartikel greift nicht auf ihre Silhouette zurück, um das richtige Stadtteilflair zu erzeugen. Doch so richtig identifizieren können sich manche Einwohner mit dem technischen Zweckbau nicht. „Die warmen Brüder sind nicht das, womit wir Lindener uns verbinden und wofür unser Herz schlägt - nämlich Weltoffenheit, Heimatverbundenheit, Geselligkeit und Toleranz“, sagt Gerd Wach, bekennender Lindener und Naturschutzbeauftragter für die westlichen Stadtteile.

Am vergangenen Sonntag durfte Wach nun ein passenderes und ganz naheliegendes Wahrzeichen in den Dienst stellen: Eine Sommerlinde. Fast 300 Lindener Bürger hatten anlässlich der 900-Jahr-Feier insgesamt 1000 Euro gespendet, damit der Baum zwischen Martinskirche und IGS gepflanzt werden kann.

„Unser Linden entspricht sehr gut den Eigenschaften, die mit dem Baum verbunden werden“, sagte Wach beim Festakt unter dem Motto „Eine Schwester für die drei warmen Brüder“. Schließlich stehe kein anderer Baum so sehr für Gastlichkeit und Gemütlichkeit wie die Linde. Ursprünglich sei die Idee gewesen, für jedes Jubiläumsjahr eine Linde aufzustellen, berichtet Bezirksbürgermeister Rainer Grube (Grüne). Das waren der Stadtverwaltung aber ein paar Bäume zu viel und sie lehnte mit der Begründung ab, dass es dafür nicht genug Platz gibt. „Dann haben wir uns gesagt: Pflanzen wir nicht 900 kleine, sondern eine große Linde“, sagt Grube.

Ihre ersten 16 Jahren hat die junge Gemeinschaftslinde in der städtischen Baumschule in Bothfeld verlebt, die nächsten 900 Jahre soll sie neben dem St.-Martins-Kirchturm stehen. „Die Linde kommt 300 Jahre, sie bleibt 300 Jahre und sie vergeht 300 Jahre“, zitiert Wach eine alte Weisheit. Die gilt allerdings für Bäume mit idealen Standortbedingungen. Die gibt es für Lindenbäume in der norddeutschen Tiefebene eher nicht, weiß Hannovers Baumpflege-Chef Hanspeter Geiges. Die älteste Sommerlinde, die er im Stadtgebiet kennt, steht vor der Klosterkirche Marienwerder. Der Baum ist vermutlich noch keine 500 Jahre alt und bereits stark im Vergehen begriffen.

Laut Geiges muss die Sommerlinde am Hiltrud-Grote-Weg jetzt erst einmal den „Pflanzungsschock“ überstehen. In den nächsten zwei Jahren werde sie sich neu verwurzeln und hauptsächlich unterirdisch wachsen. Anschließend schießt sie bis zur Mitte des Jahrhunderts vermutlich einen halben Meter jährlich in die Höhe. „Danach hat der Baum seine stürmischen Jugendjahre überwunden“, sagt Geiges.

Neben Sturm und Drang ist auch Biedermeier angesagt. Damit die Lindener ihren Baum richtig genießen können, hat sich auch die Arbeitsgemeinschaft Lindener Vereine (AGLV) nicht lumpen lassen. Sie investierte rund 800 Euro in eine neue Sitzbank im grünen Idyll. Schließlich schreibt schon Biedermeier-Dichter Adalbert Stifter: „Wo wäre eine Linde in deutschen Landen - und gewiss ist es in anderen auch so - unter der nicht eine Bank stünde oder neben der sich nicht eine Kapelle befände. Die Schönheit ihres Baues, das Überdach ihres Schattens und das gesellige Summen in ihren Zweigen laden dazu ein.“

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