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Aus den Stadtteilen Fotoausstellung zur Altersarmut
Hannover Aus den Stadtteilen Fotoausstellung zur Altersarmut
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00:15 17.10.2015
Von Jutta Rinas
Die Fotoausstellung "Arm, ärmer, alt" im Freizeitheim Vahrenwald in Kooperation mit der AWO und Fotografin Cynthia Rühmekorf. Quelle: Tim Schaarschmidt
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Vahrenwald

Das Wichtigste in ihrem Leben ist in den Mittelpunkt des Porträts gerückt - und das Wichtigste sind die beiden Papageien im Käfig auf dem alten Beistelltisch. Zu gerne wäre Gerda V. einmal in das Land gereist, aus dem ihre gefiederten Lieblinge stammen: nach Costa Rica. Aber dazu kam es nie. Stattdessen hat die 84-Jährige jetzt Angst, dass einer der Vögel stirbt und sie keinen Kameraden mehr für den Überlebenden kaufen kann. Viel mehr Angst, als darum, womit sie Monat für Monat ihren Lebensunterhalt bestreitet.

Dabei ist Gerda V. arm. Arm im Alter geworden, genauer gesagt. Ihr Leben lang hat sie hart gearbeitet, als selbstständige Kioskbesitzerin. Von ihrem wenigen Lohn konnte sie aber nur so wenig Rentenbeiträge zahlen, dass es jetzt vorn und hinten nicht mehr reicht.

Man sieht auf dem Foto der Fotografin Cynthia Rühmekorf im Freizeitheim Vahrenwald sofort, welche Enge in Gerda V.s. Wohnung herrscht. Sie lebt allein. Ihr Mann ist tot, ihr Sohn auch. Ganz nah ans Fenster gerückt ist der Wohnzimmertisch, offenbar eine Art Allzwecktisch, auf dem das Strickzeug genauso liegt wie das Telefon, die Zeitung und die Fernbedienung für den Fernseher.

„Arm, Ärmer, Alt“ heißt eine kleine Wanderausstellung, die noch bis Freitag, 16. Oktober, im Foyer des Freizeitheims an der Vahrenwalder Straße 92 zu sehen ist. Mit Porträtfotografien beleuchtet sie das Thema Altersarmut, das auch die Menschen in Hannover verstärkt betrifft. 20 Prozent aller Hannoveraner seien armutsgefährdet, sagte Silke Mardorf, Sozialplanerin der Stadt, bei der Ausstellungseröffnung. Das heißt, ihr monatliches Einkommen liegt unter der niedersächsischen Armutsschwelle von 900 Euro monatlich. 12 000 Menschen, die älter als 60 Jahre sind, könnten, so Mardorf, ihren Lebensunterhalt zudem nicht selbst bestreiten, sondern bezögen Grundsicherung. Jedes Jahr kämen 500 weitere, arme Senioren hinzu.

Betont nüchtern, schlicht hat die Künstlerin Cynthia Rühmekorf ihre Schwarz-Weiß-Bilder gehalten. Sie habe „jede Mitleidsschiene vermeiden wollen“, sagte sie bei der Ausstellungseröffnung. Ganz kurz hat sie zudem Stichpunkte zur jeweiligen Biografie notiert.

So erfährt man von Alfred W., 60, dessen feine Gesichtszüge verraten, dass er auch einmal bessere Zeiten gesehen hat, dass er selbstständiger Informatiker war, bevor er zwei Schlaganfälle erlitt, arbeitsunfähig wurde und bis in eine Notunterkunft abrutschte. Auch Fred M., Möbelpacker, 70 Jahre alt, hatte ein Leben lang hart gearbeitet, bis ein chronisches Rückenleiden es einfach nicht mehr zuließ. Trotzdem reichte es nur für eine winzige Rente und am Ende ein Leben in einer Notunterkunft.

Rühmekorf porträtierte die Senioren allesamt an einem Ort, den sie mochten, auf dem Sofa in der eigenen Wohnung (wie die 76-jährige Agnes H., die zwölf Kinder großzog und heute verarmt ist), am kärglichen Tisch in der Notunterkunft oder auch einfach auf einer Bank im Park.

Besonders an der Ausstellung ist auch, dass Cynthia Rühmekorf überhaupt so viele arme Senioren gefunden hat, die sich porträtieren ließen. Allzu oft versteckten sich die Betroffenen aus Scham, sagte Silke Lesemann, Vorsitzende der AWO Region Hannover, dazu. „Ihre Armut erkennt man oft erst auf den zweiten Blick.“

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