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„Die Stadt kriegt das Waldschlösschen nicht“

Ricklingen „Die Stadt kriegt das Waldschlösschen nicht“

Der Eigentümer des Waldschlösschens streitet sich weiter mit der Stadt um die Sanierung und künftige Nutzung des ehemaligen Gasthauses und Hotels. Es geht um Bauauflagen und geschaffene Fakten. Die Fronten verhärten sich immer mehr.

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"Extrem verwittert": Nicht nur den Zustand der Fassade des Waldschlösschens beurteilt die Stadtverwaltung kritisch.

Quelle: Kutter

Hannover. Ein Investor, aus Ricklingen stammend, will das Waldschlösschen sanieren und wieder zu neuer Blüte führen. Und was will die Stadt? „Ein Biotop“, glaubt der Eigentümer, der seinen Namen noch nicht in der Zeitung lesen mag. Der Eigentümer, Herr N., war lange in der Baubranche und vermietet Wohn- und Gewerbeimmobilien. Vor einigen Monaten gab es einen Brandanschlag im Keller des leer stehenden Hotelrestaurants am Mühlenholzweg. Deshalb ist N. lieber vorsichtig. Aber wenn es um seinen Streit mit dem Bauordnungsamt geht, nimmt er kein Blatt vor den Mund: „Ich gebe dieses Haus nicht auf!“ Aus Sicht des Investors könnte aber genau das der Plan der Stadt sein - und die jüngst veröffentlichte Entscheidung der Verwaltung auf einen Bezirksratsantrag scheint das zu belegen.

Im Mai dieses Jahres stellte der Bezirksrat Ricklingen einen Prüfauftrag. Darin forderte das Gremium von der Verwaltung mögliche Lösungen für das ramponierte Waldschlösschen. Die Stadt nutzte die ihr zustehenden vier Monate Bearbeitungszeit für derartige Anträge. Ihr Ergebnis: Eine neue gastronomische Nutzung sei planungsrechtlich unzulässig. Allerdings bezog sich die Stadt dabei auf eine viel ältere Bauvoranfrage der früheren Besitzer. Was das aktuell andauernde Verfahren mit N. angeht - dazu nimmt die Stadt keine Stellung, weil es sich um ein „schwebendes Verfahren“ handele. Mit welchem Ausgang die Verwaltung aber offensichtlich rechnet, wird im zweiten Teil ihrer Entscheidung deutlich. „Sollte es zu keiner weiteren Nutzung des Waldschlösschens durch den neuen Eigentümer kommen“, so ist da zu lesen, dann sei es denkbar, dass die Stadt selbst das Haus samt Grundstück kaufe, „das Gebäude abreißt und die Fläche als Wald herrichtet“. Dies müsste aber noch politisch entschieden werden, vom Bezirksrat also. Das rund 120 Jahre alte Waldschlösschen wäre dann Geschichte und seine Fläche würde Teil des angrenzenden Ricklinger Holzes.

Vielleicht hätte all der Zwist zwischen der Stadtverwaltung und dem Investor für das Ricklinger Waldschlösschen ein Missverständnis sein können, das sich rasch beilegen ließe. Weil der Eigentümer im Grunde nur eine formvollendete Baugenehmigung stellen und auf grünes Licht aus dem Bauordnungsamt warten müsste. Doch er hatte schon vorab mit Renovierungsarbeiten begonnen, dadurch die Ordnungshüter auf den Plan gerufen - und deren Schreiben voller Streitlust an die Haustür des Corpus Delicti zu kleben.

So verhält sich N. seit Monaten. Weil er sich von der Stadt blockiert fühlt, nachdem diese ihm einen früheren Bauantrag als nicht korrekt ausgefüllt zurückschickte und Gesprächstermine aufschob. Zuletzt bekam der Investor im September eine Verfügung auf den Tisch, wonach er „baugenehmigungspflichtige Bauarbeiten“ einzustellen und sich im Fall der Nichtbeachtung auf ein Bußgeld einzustellen habe. Allerdings: Instandhaltungsarbeiten darf N. vornehmen. Das ist die Grauzone, in der die Meinungen von Investor und Bauordnungsamt auseinanderdriften. N. lässt Löcher im Dach stopfen, Fenster reparieren, Regenrinnen ausbessern, im Inneren wird entrümpelt. Aus Sicht der Stadt ist einiges davon nicht mehr reine Instandhaltung.

N. will rasch eine umfangreiche Renovierung des Gebäudes, um dort eine Gastwirtschaft und ein Hostel eröffnen zu können. Das soll möglichst im nächsten Frühjahr geschehen. Einen Umbau oder eine umfangreiche Sanierung plane er aber nicht. Das Haus sei trotz rissiger Fassade und maroden Fußbodens im Tanzsaal sehr gut in Schuss. Die Fassade sei „extrem verwittert“, schrieb dagegen das Bauordnungsamt in seiner Verfügung - und die vorigen Besitzer hätten jahrelang keine Erhaltungsmaßnahmen vorgenommen. „Das Gebäude wirkte auch für den allgemeinen Betrachter als ein dem Verfall preisgegebenes Gebäude“, notierte das Amt. Das stimme so nicht, erwidert N. Seine Erfahrung sage ihm, dass das Haus für vergleichsweise wenig Geld zu retten sei. Die Haustechnik sei intakt; die Heizung und Wasseraufbereitung bräuchten nur angeschlossen werden.

Er will das alte Gebäude bewahren und daher auch mit reinen Erhaltungsarbeiten weitermachen. Doch umfangreiche Innenausbauten und die Organisation des künftigen Betriebs müssen erst einmal warten. Voraussichtlich im Dezember soll es eine endgültige Entscheidung geben. N. will alles ausreizen, was ihm das Baugenehmigungsverfahren ermöglicht. „Aber ich bin kein Prozesshansel, das wäre schade ums Geld“, sagt er. Ein Gerichtsverfahren ziehe er vorerst nicht in Betracht. Sollte sein Plan scheitern, stehe ein Entschluss aber schon fest: „Die Stadt kriegt das Haus nicht.“

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