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Ein Riss geht durch St. Johannis

Konstruktionsfehler treten nach mehr als 100 Jahren zutage Ein Riss geht durch St. Johannis

Schwere Konstruktionsfehler zwingen zu einer aufwendiger Sanierung der Kirche St. Johannis in Misburg. Die Ursachensuche war Detektivarbeit: Schuld war eine zu schwache Mauer, auf der der Glocketurm ruht. 1,1 Millionen Euro muss die Kirche nun investieren, um den Bau zu retten.

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Messmarkierungsmarken dienten dazu die Entwicklung der Risse zu erfassen.

Quelle: Benjamin Behrens

Misburg. Angefangen hat alles mit ein paar feinen Rissen. Im Jahr 2008 zeichneten sie sich im Fußboden und im Mauerwerk der St.-Johannis-Kirche ab. „Wir hatten eine jährliche Baubegehung durch das Amt für Bau- und Kunstpflege“, erinnert sich Hans-Jürgen Limberg, Vorsitzender des Kirchenvorstands. Damals war noch nicht abzusehen, dass so umfassende Arbeiten nötig werden würden. Heute ist der Fußboden komplett entfernt, man hat freien Blick in die Kellergewölbe. Die Kanzel wirkt, als hätte sich der Verpackungskünstler Christo ihrer bemächtigt: Sie hängt eingewickelt auf halbe Höhe an der Wand. Arbeiter sind dabei, die Wände aufzustocken. Eine Stahlbetondecke soll eingezogen werden, außerdem wird die linke Außenwand stabilisiert.

 1,1 Millionen Euro muss die Kirche investieren, um die St. Johannis Kirche in Misburg zu retten – Baufehler, die mehr als 100 Jahre zurückliegen, sind zutage getreten.

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Es ist das Ergebnis von Detektivarbeit am Bau. 2009 wurde ein Ingenieurbüro mit der genaueren Untersuchung des Gebäudezustands beauftragt. „Ganz harmlos, einfach um einen bestimmten Stahlträger zu untersuchen“, sagt Constantin Anastasiou vom Ingenieurbüro Krause und Anastasiou. Der Träger war stark verrostet, doch das tatsächliche Ausmaß der Schäden war mit bloßem Auge nicht abzusehen. „Wir haben Röntgenaufnahmen gemacht und festgestellt, dass über die Hälfte der Tragfähigkeit schon verloren war“, erinnert sich Anastasiou. Und bei der Begehung der Kirche fiel dem Ingenieur noch etwas auf. „Wenn man geübte Augen hat, merkt man: Irgendetwas stimmt hier nicht.“ Ein feiner Riss verläuft von unten quer über das Kirchenschiff auf die andere Seite. „Die Kirche ist quasi halbiert“, erklärt der Ingenieur. „Der Riss verspringt, je nachdem, wie die statische Konstruktion ist“, ergänzt Jürgen Steindorf, Architekt vom Amt für Bau- und Kunstpflege.

Die gründliche Untersuchung brachte nach und nach das ganze Ausmaß der Schäden am 1904 eingeweihten Gotteshaus zu Tage. Das von Karl Mohrmann, einem Schüler des bekannten Kirchenbauers Conrad Wilhelm Hase, entworfene Gebäude hat mehrere Konstruktionsfehler. Die Steine, die eigentlich den Fußboden bilden sollten, haben keine richtige Verbindung. Eigentlich sollte die Druckkraft zwischen den Steinen sie stabilisieren. „Die Steine waren lose, wir haben uns gewundert, dass sie überhaupt gehalten haben“, sagt Anastasiou. Jederzeit hätte der Boden einstürzen können. Hinzu kommt ein besonderes Phänomen der Misburger Kirche. Die linke Wand ist anders konzipiert als die rechte. Sie sie schwächer, trägt aber das Gewicht des Kirchturms. Dadurch entstand der Riss. Auch im Turm selbst zeigen sich Risse, das Dach ist instabil, zudem zeigen die Stahlglocken, welche die im Zweiten Weltkrieg eingeschmolzenen Bronzeglocken ersetzten, Alterserscheinungen.

Viel Überzeugungsarbeit und genaue Ursachenforschung waren nötig, bevor der Sanierungsplan für das rote Backsteingebäude an der Anderter Straße unter Dach und Fach war. Erst nachdem Ursachen wie schlechte Fundamente oder Schäden durch Schwerlastverkehr ausgeschlossen waren, wurden 1,1 Millionen Euro veranschlagt. Den größten Anteil trägt die Landeskirche. Zudem beteiligen sich der Stadtkirchenverband Hannover und die Johannis-Kirchengemeinde. Hinzu kommen 110 000 Euro für die neuen Glocken. Im Dezember 2016 sollen die Arbeiten abgeschlossen sein.

Von Benjamin Behrens

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