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Aus den Stadtteilen "Eine Katastrophe für die Natur"
Hannover Aus den Stadtteilen "Eine Katastrophe für die Natur"
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00:15 13.10.2015
Von Bernd Haase
„Eigentlich bin ich jeden Tag hier draußen“: Karl-Heinz Scheibe (61). Quelle: Foto: Haase
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Hannover

Die meisten Felder am nördlichen Kronsberg sind abgeerntet, man hat einen weiten Überblick über die Fläche zwischen Autobahn und Kamm. Über Weizenstoppeln tobt ein Schwarm Stare, vielleicht machen sie Flugübungen für die Reise in den Süden. Karl-Heinz Scheibe hat für die Vögel nur einen kurzen Blick. Er zeigt auf eine rote Markierung auf dem Stoppelfeld. „Da soll eins von den Dingern hin, das andere hinter der Hecke. Wenn sie gebaut werden, ist das eine Katastrophe für die Natur“, sagt Scheibe. Die Dinger sind die Windenergieanlagen, die die Stadtwerke möglichst 2016 aufstellen wollen.

Scheibes Familie gehört zu den alteingesessenen in Anderten, dem Stadtteil, auf dessen Gebiet die Flächen liegen, um die es geht. Die Scheibes hatten mehr als 120 Jahre lang eine Bäckerei im Stadtteil. „Den Kronsberg kenne ich seit zartester Kindheit“, sagt er. Seit 1970 ist der 61-Jährige einer von drei Jagdpächtern im Revier. Manchmal führt er Anderter Grundschulklassen durch das Gelände. „Eigentlich bin ich jeden Tag hier draußen“, sagt Scheibe.

Scheibe erinnert sich an die Zeiten, als die Flächen reines Ackerland waren. „Es gab hier weder Bäume noch Sträucher noch Wege“, sagt er. Das hat sich im Vorfeld der Expo geändert, als das damalige Grünflächenamt einen Landschaftsplan für den Kronsbergraum entwickelte. „Wir haben dann Hecken angelegt und Bäume gepflanzt“, sagt Scheibe. Auch die Wege stammen aus dieser Zeit, ein Abschnitt gehört zur Fahrrad- und Wanderroute Grüner Ring.

Scheibe fragt sich jetzt, warum etwas, was mit Millionenaufwand geschaffen wurde, nun von 200 Meter hohen Windenergieanlagen wieder zerstört werden könnte. „Ich glaube nicht, dass dann hier noch einmal eine Wiesenweihe brütet.“ Im Frühjahr müsse man lange suchen, bis man eine Stelle finde, an der ähnlich viele Lerchen singen. Gleiches gelte für Nachtigallen und Goldammern, die in den Hecken ihre Nester bauen. Wenn Scheibe von der Vogelwelt, von Niederwild wie den Hasen und Beutegreifern wie Mardern oder Wildkatzen erzählt, kommt man zu der Überzeugung, der nördliche Kronsberg müsse eine der artenreichsten Ecken der Region überhaupt sein.

Ein Gutachterbüro aus Bremen hat 63 Brutvogelarten gezählt, aber durch die Windräder keine potenzielle Gefahr ausgemacht. „Das sind Schreibtischleute, die nur an ganzen zwölf Tagen hier waren“, kritisiert Scheibe. So fehlten etwa Zug- und Gastvögel. „Die Windräder würden genau in deren Flugschneisen stehen“, sagt der Jäger.

Geht man von Anderten aus an der Mühle vorbei ins Revier, trifft auf Schilder, die es als Landschaftsschutz- und Wildschongebiet ausweist. „Die Schilder standen früher weiter vorn, sie sind erst im Frühjahr versetzt worden“, berichtet Scheibe. Wären sie am alten Platz geblieben, hätten die Standorte für die Windenergieanlagen innerhalb der Schutzzone gelegen. Jetzt befinden sie sich knapp außerhalb.

Region sorgt sich um Fledermäuse

„Dieser Standort ist für Windenergieanlagen nicht geeignet“, heißt es in einer Stellungnahme der Region zum Projekt der Stadtwerke. Sie ist unter anderem in ihrer Funktion als Naturschutzbehörde für das Genehmigungsverfahren zuständig. Ihre Vorbehalte begründet die Regionsverwaltung vor allem mit dem Schutz der Fledermäuse. „Die geplanten Anlagen liegen in einem Kernbereich des Vorkommens des Großen und des Kleinen Abendseglers“, schreibt der Fachbereich Umwelt.

Diese könnten vor allem während ihrer Jagdaktivitäten von den Flügeln der Windräder getötet werden. Die Stadtwerke haben das in ihrem Antrag berücksichtigt und wollen die Anlagen abschalten, wenn mit besonders hoher Aktivität seitens der Tiere zu rechnen ist. Diese Abschaltzeiten reichen der Region jedoch nicht aus. Konkret fordert sie, die Windräder, wenn sie denn gebaut werden, von Anfang April bis Ende Dezember immer im Zeitraum von zwei Stunden vor Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang abzuschalten, wenn die Temperaturen über neun Grad liegen und es nicht zu stark windet. Die Frage ist, ob die Rotoren unter diesen Bedingungen noch wirtschaftlich zu betreiben sind. Dies wird von den Stadtwerken geprüft. Sie weisen darauf hin, dass sie sich bei den von ihnen vorgeschlagenen Abschaltzeiten an der schärfsten Regelung orientiert haben, die bisher in Deutschland üblich und fachlich anerkannt war.se

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