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Aus den Stadtteilen Eltern fordern zusätzliche Grundschulen
Hannover Aus den Stadtteilen Eltern fordern zusätzliche Grundschulen
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00:18 08.08.2015
Laut und zu wenig Platz: Ursprünglich wurde die 2009 gebaute Grundschule in der Steinbreite für den dreizügigen Betrieb geplant. Ein Fehler, wie sich bereits kurz nach der Einweihung herausstellte. Quelle: Mario Moers
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Badenstedt/Davenstedt

Weil die Grundschulen im Stadtbezirk die anhaltend steigenden Anmeldezahlen nicht mehr bewältigen können, wird in den Sommerferien vor der Grundschule Ahlem ein weiterer Unterrichtscontainer aufgestellt. „Wir laufen über“, warnt Christiane Kröger die Rektorin der Friedrich-Ebert-Grundschule in Anbetracht notorisch überlasteter Grundschulen in Hannovers Westen. Jetzt fordern Elternvertreter sogar den Bau einer zusätzlichen Grundschule. „Container können keine Dauerlösung sein“, findet Elmar Speidel, Vorstand im Schulelternrat der Grundschule in Badenstedt. Das Problem ist seit Jahren bekannt, eine langfristige Lösung scheint nicht in Sicht.

„Der Stadtbezirk bietet jungen Familien bezahlbaren Wohnraum, deshalb explodieren die Schülerzahlen hier“, erklärt der Schulleiter der Gebrüder Körting-Grundschule Michael Leonhard eine Ursache des Platzmangels. „Wir sind eigentlich immer Oberkante voll“, ächzt seine Kollegin Kröger. In den Stadtteilen Ahlem, Badenstedt und Davenstedt führen der Zuzug junger Familien und Neubaugebiete zu einem Wandel der Altersstruktur. Der Stadtbezirk verjüngt sich. „Immer wenn ein Haus verkauft wird, zieht eine junge Familie ein“, hat Rolf Schulz beobachtet. Der Schulleiter in der Steinbreite musste bereits Eltern an die benachbarten Schulen verweisen, weil er keinen Platz mehr hat. Ausgelegt für 280 Kinder, werden in der Steinbreite derzeit 320 Schüler unterrichtet. Ohne die grellgrünen Container auf dem Schulhof wäre das unmöglich. Obwohl sie sich eine langfristige Lösung wünschen, sind Schulz und Kröger froh, wenigstens die Container zu haben. Auch in Ahlem ist Schulleiterin Christine Grimpe erleichtert, dass die Verwaltung ihr für das nächste Schuljahr kurzfristig mit dem angeforderten Container aushilft. Sonst könnte sie den kommenden fünfzügigen ersten Jahrgang kaum unterbringen.

„Die Veränderungen der letzten Jahre machen unbedingt eine Evaluierung des tatsächlichen Raumbedarfs notwendig“, macht sich Elternratsvorstand Sebastian Loscher für einen An- oder Neubau stark. Der Vater einer Friedrich-Ebert-Schülerin ist selber vor wenigen Jahren aus der List nach Davenstedt gezogen. „Als ich in die Mönckebergallee zog, wohnten hier vorwiegend ältere Leute. Jetzt sind es viele junge Familien“, erzählt er. Der Schulelternrat kritisiert die Reaktion der Stadt auf den demografischen Wandel als Flickwerk. Das Problem seien nicht bloß die aktuellen Spitzen bei den Anmeldungen. Selbst wenn die hohen Schülerzahlen wieder zurückgingen, reicht nach Ansicht der vier Schulleiter und vieler Eltern der Raum nicht aus. „Inklusion und Ganztagsunterricht können hier nicht so stattfinden, wie sie in den Konzepten vorgesehen sind“, so Loscher. In der Steinbreite etwa werden die beiden 2013 aufgestellten Container derzeit nicht mehr zwingend zur Unterbringung von Klassen benötigt. Rektor Schulz hofft dennoch, die zusätzlichen Klassenräume behalten zu können. Sie werden dringend für den Ganztagsunterricht und Förderangebote benötigt. Dass die Module kleiner sind als reguläre Klassenräume und kein fließendes Wasser haben, nimmt man in Kauf. Überhaupt hat man an den Grundschulen gelernt, mit der notorischen Knappheit umzugehen. Weil auch die Mensen den Anforderungen nicht mehr entsprechen, wird in der Steinbreite und der Friedrich-Ebert-Grundschule bereits in drei Schichten gegessen.

„Die Neubau Diskussion muss in die Öffentlichkeit getragen werden,“ begrüßt der Rektor der Gebrüder-Körting-Schule Leonhard den Vorstoß einiger Elternvertreter. Der Schulelternrat der Friedrich-Ebert-Grundschule befindet sich aktuell in Gesprächen der Stadt. Die Schulleiter selber äußern ihre Kritik lieber vorsichtig. Sie sind dankbar für jede Unterstützung, die sie der Verwaltung abtrotzen. „Die Stadt wird angesichts der Kosten vermutlich keinen Neubau planen“, schätzt Rektor Schulz. Dabei sieht auch die Verwaltung grundsätzlich Handlungsbedarf. Zur dauerhaften Entlastung der Schulen erfolgte zum Schuljahr 2014/15 eine Veränderung der Schuleinzugsbereiche. So sollten vor allem die Steinbreite und Friedrich-Ebert zulasten der Gebrüder-Körting-Grundschule entlastet werden. Der Plan funktioniert nur teilweise. Weil die Gebrüder-Körting Schule ein reformpädagogisches Konzept, etwa mit jahrgangsübergreifenden Klassen, hat, wird sie von einigen Eltern gemieden. Dabei hat die 2002 infolge einer ähnlichen Raumkrise gegründete Schule als Einzige ausreichend Kapazitäten. Überhaupt gibt es rein statistisch betrachtet genügend Plätze. Rechnerisch stehen im Stadtbezirk 364 Grundschulplätze zur Verfügung. Für das kommende Jahr gibt es an allen vier Grundschulen insgesamt 314 Neuanmeldungen. „Da der Bezirk grundsätzlich über ausreichend Plätze verfügt, gibt es zurzeit keine konkreten Überlegungen zur baulichen Erweiterung“, erklärt Stadtsprecherin Anne Ruhrmann. Engpässen will man auch in Zukunft durch das Aufstellen von Containern und die Veränderung der Einzugsgebiete begegnen. Gleichwohl ist der Verwaltung bekannt, dass die Anzahl an Grundschulkindern weiter steigt. Bis 2020 geht die Bevölkerungsprognose für den Stadtbezirk von einem Anstieg um 7 Prozent aus. Das wären 83 zusätzliche Kinder pro Jahr. „Wenn Bildung das wichtigste Gut ist, dann müssen dafür auch die Voraussetzungen geschaffen werden“, findet Elternvertreter Loscher. Er hofft, dass sich die Politik dem Thema annimmt.

Von Mario Moers

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