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Aus den Stadtteilen Saugbarben im Wellness-Einsatz
Hannover Aus den Stadtteilen Saugbarben im Wellness-Einsatz
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00:17 04.10.2015
Andreas Fischer (r.) und Aleksej Sartison stehen vor ihrem neuen Laden. Quelle: Schiewe
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Südstadt

Langsam tauche ich meine Füße in das Wasser, und schon stürzen sich etwa 50 kleine Fische auf meine Füße und fangen an, an ihnen zu saugen. Wie ganz leichte Stromschläge fühlt sich das an: anfangs ziemlich komisch und ein bisschen kitzelig, dann eigentlich ganz angenehm. Nein, ich lasse meine Füße gerade nicht in ein Gewässer im Südosten der Türkei baumeln - wo die Knabberfische, die korrekt Rote Saugbarbe heißen, ursprünglich herkommen. Der Trend der Fischpediküre ist nun auch in Hannover angekommen: Ich sitze in der neu eröffneten Lounge Knabberzeit in der Südstadt.

Dass es eine Lounge, fast eine Art Café ist, ist den Inhabern Aleksej Sartison und Andreas Fischer wichtig: „Es soll kein reiner Wellnesssalon sein, sondern es gibt hier auch Getränke und wir spielen Musik“, erklärt Sartison das Konzept. Sechs Becken mit jeweils etwa 80 bis 100 Knabberfischen stehen in dem Raum. Maximal 40 Minuten können Gäste sich hier im 28 bis 30 Grad warmen Wasser von den Fischen an den Füßen saugen lassen. So entfernen die Fische nicht nur die Hornhaut und abgestorbene Hautzellen, sondern sollen auch die Blutzirkulation verbessern, die Muskulatur entspannen und Hautirritationen lindern.

Kein Stress für die Tiere

Auch bei Hautkrankheiten wie Schuppenflechte oder Neurodermitis sollen die kleinen Fische helfen - jedoch nicht in dem neuen hannoverschen Salon. „Wir betreiben das hier rein kosmetisch“, erklärt Sartison. Niemand dürfe mit offenen Wunden in die Becken, die Füße würden vor der Pediküre durch die zwei Mitarbeiterinnen des Salons überprüft. Zwar würden sie das Angebot auch gern für Menschen mit Hautkrankheiten ausweiten, das sei als medizinische Anwendung bisher aber nicht von den Kassen anerkannt, so Sartison. Auch wird der Trend von vielen Ärzten und vor allem von Tierschützern als kritisch angesehen: Es sei Stress für die Tiere. Ärzte hingegen sehen bisher keine erwiesene Behandlung durch die Fische bei Hautkrankheiten - die würden vielleicht ein gutes Gefühl vermitteln, aber keine nachhaltige Behandlung darstellen.

Sartison und Fischer hatten bereits Besuch vom Veterinäramt, das die Haltung der Fische überprüft hat. Und die ist den beiden Betreibern der Lounge sehr wichtig: „Wir mussten vorher einen Lehrgang machen, in dem wir gelernt haben, wie man die Tiere artgerecht hält“, erzählt Fischer. So würden die etwa drei bis zehn Zentimeter großen Fische beispielsweise nach jeder Behandlung 20 Minuten Pause bekommen und haben in ihrem Aquarium auch Versteckmöglichkeiten. Das Wasser wird laufend gefiltert. Und obwohl das Knabbern der Fische, das eigentlich eher ein Saugen ist, weil die Fische keine Zähne haben, ein natürliches Verhalten sei, werden die Fische morgens und abends noch zusätzlich gefüttert. Durch den Lehrgang erhielten Fischer und Sartison eine Qualifikation für Süßwasseraquaristik, die benötigt wird, um Fischpediküre betreiben zu dürfen.

Auf die Geschäftsidee gekommen sind sie durch ein Barfußbad, in dem sie die Fische zum ersten Mal sahen. „Da war aber überhaupt keine Atmosphäre und keine Musik“, erzählt Sartison. So entstand das Konzept, die Fischpediküre mit einer Art Café zu verbinden. 20 Minuten Pediküre kosten 14,50 Euro, 30 Minuten 19,50 Euro und 40 Minuten 24,50 Euro. Zur Eröffnung gab es Sonderangebote, die einige nutzten, so auch Marina Müller. „Ich komme bestimmt öfters, das ist einfach entspannender und witziger als eine normale Pediküre“, sagt sie. Sie hat es bereits auf Bali ausprobiert und sich gefreut, dass es das jetzt auch in Hannover gibt.

von Hannah Schiewe

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