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Flüchtlingsheim entsteht am Leine-Ufer

Linden-Nord Flüchtlingsheim entsteht am Leine-Ufer

An der Steigertahlstraße wird erstmals eine neue Flüchtlingsunterkunft in Holzbauweise errichtet. Einige Anwohner blicken sorgenvoll auf das Wohnheim - ein Bildhauer will mit einem Kunstprojekt für Nachbarn und Flüchtlinge das gegenseitige Kennenlernen unterstützen.

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An der Steigertahlstraße sollen Wohncontainer für Flüchtlinge entstehen.

Quelle: Katrin Kutter

Hannover. Erstmals entstehen in Hannover Flüchtlingsunterkünfte in Holzrahmenbauweise: Mit der alternativen Fertigung soll der Engpass bei Stahlcontainern umgangen werden. Die Unterkünfte werden am Lindener Leine-Ufer, in Ahlem an der Bahnlinie und in Herrenhausen aufgebaut, am 19. Oktober kommen die ersten Module an. Die Stimmung rund um die Lindener Steigertahlstraße ist gemischt: Bezirksbürgermeister Rainer-Jörg Grube berichtet von einigen Anwohnern mit starken Vorbehalten, andererseits gibt es viel Unterstützung aus dem Umfeld. Unter anderem will ein Bildhauer mit den künftigen Bewohnern und Nachbarn Skulpturen aus den Steinen erarbeiten, die bei den Fundamentarbeiten gefunden wurden.

Die Idee, auf die Holzkonstruktionen zurückzugreifen, hatte Architekt Kay Marlow vom Büro Mosaik. „Das Raumklima in Holzhäusern ist toll, der Rohstoff ist ökologisch, und der Preis ist entgegen den Erwartungen nicht höher als bei der Fertigung aus Stahl“, sagt Marlow. Stadtbaurat Uwe Bodemann lobte kürzlich: „Es ist eine kreative Idee, die Alternativen zum Stahlcontainer nutzt.“ Eine österreichische Firma fertigt die Module an, aus denen auch schon Schulen und Verwaltungsgebäude errichtet wurden.

An der Lindener Steigertahlstraße soll die erste Flüchtlingsunterkunft aus Holz auf der Grünfläche am Leine-Ufer gegenüber dem Freizeitheim entstehen. Der Landschaftsplanung des Büros Linnea zufolge werden sich die Baumodule U-förmig um einen kleinen Hof gruppieren. Dabei ergeben jeweils sechs der zwölf mal 2,70 Meter großen Container eine Wohnung mit mehreren Schlafzimmern, Bad-, Küchen-, und Gemeinschaftsräumen. Sie werden in Österreich bereits vorbereitet und müssen in Hannover nur noch auf die Fundamente gesetzt und zusammengebaut werden. Dann erhalten die Container eine gemeinsame Fassade und werden eingerichtet. In den Containerdörfern in Linden und Ahlem (Wunstorfer Landstraße) wird jeweils zweigeschossig gebaut, an der Dorotheenstraße (Herrenhausen) sogar dreigeschossig.

Bezirksbürgermeister Grube berichtet, dass in der Nachbarschaft der Steigertahlstraße jetzt mehrfach der Ruf nach Informationsveranstaltungen laut geworden sei. Anwohner hätten beklagt, sie seien nicht ausreichend informiert. „Es wird eine Veranstaltung geben, aber im Moment ist es noch zu früh, niemand kann etwas Konkretes sagen etwa zur Nationalität der Menschen, die einziehen, oder ob es nur Männer sind oder auch Frauen und Kinder“, sagt Grube. Die Unterkunft werde voraussichtlich im Januar bezogen, eine Veranstaltung sei erst einige Wochen vorher möglich.

Dass es nicht genug Informationen gegeben haben soll, erstaunt Grube. „Ich habe mal nachgezählt“, sagt er: „Es hat neun konkrete Zeitungsartikel über die geplante Unterkunft gegeben. Wenn die Leute keine Zeitung lesen, dann kann ich ihnen auch nicht helfen.“ Er habe in Gesprächen darauf verwiesen, dass es auch im Internet Informationen gebe. „Da hieß es, man habe kein Internet.“ Er habe zu Bezirksrat und Integrationsbeirat eingeladen, „aber da hat sich niemand gemeldet, als das Thema dran war“. Im Kern sei der Vorwurf gewesen, da werde eine Wiese umgenutzt, die Menschen ohne Balkon gern zum Grillen nutzten. „Auf meine Frage, wohin die Unterkunft denn sonst soll, hieß es: auf die nächste Wiese. Da sind aber Wasser- und Stromanschlüsse schwerer zu legen“, betont Grube. „Vielleicht ist es einfacher, zum Grillen umzuziehen.“

Bildhauer will Skulpturen gestalten

Der Lindener Bildhauer Kai Kandziora, der ohnehin regelmäßig Kurse gibt, will mit den künftigen Bewohnern und auch mit Anwohnern ein Steinmetzprojekt starten. Er hatte gesehen, dass bei den Grabearbeiten für die Fundamente der Unterkunft auf dem Grundstück Sandsteinblöcke zutage befördert wurden, die wohl mit Kriegstrümmern dort vergraben wurden. „Ich habe ohnehin überlegt, was ich als Flüchtlingshilfe anbieten kann“, sagt Kandziora. „Das passte gut zusammen, denn am Material scheitern solche Projekte häufig.“

Er habe über den Bürgermeister und die Stadtverwaltung die Erlaubnis erhalten, die Steine zu markieren, damit sie nicht als Bauschutt abgefahren werden - und tatsächlich hat alles geklappt, sie sind gesichert. „Jeder weiß ja, dass die Flüchtlinge zum Nichtstun verdonnert sind, weil sie nicht arbeiten dürfen - und Herumsitzen ist nicht schön.“ Ob am Ende überhaupt Interesse an dem Projekt bestehen wird, muss sich zeigen, wenn die Bewohner eingezogen sind. „Wenn nicht, dann will die Stadt die Steine vielleicht für die Umfriedung des Geländes nutzen“, sagt Kandziora. „Hauptsache, sie sind erst einmal gesichert.“

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