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Aus den Stadtteilen Kultur macht Schule
Hannover Aus den Stadtteilen Kultur macht Schule
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02:15 24.08.2015
Alina Hammer und Tobias Hindahl von der IGS Bothfeld haben mit ihrer Klasse eine Ausstellung in der Kestnergesellschaft besucht. Im Kunstunterricht ging es um die Nachbereitung des Themas: Die Mädchen und Jungen bastelten eine Mini-Ausstellung. Quelle: Sonja Weiße
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Die Integrierte Gesamtschule Bothfeld und die IGS Roderbruch, das Kurt-Schwitters-Gymnasium und die Schillerschule profitieren von dem dreijährigen Projekt mit dem Titel „Schule:Kultur!“ (sprich: Schule durch Kultur). Lehrer der teilnehmenden Schulen werden zu speziellen Fortbildungen entsendet und erarbeiten gemeinsam mit einem Kulturpartner ein kulturelles Projekt, für das die Schulen jeweils 10 500 Euro erhalten.

In ganz Niedersachsen beteiligen sich 40 Schulen an dem Projekt, das vom Land mit mehr als einer Million Euro und von der Stiftung Mercator mit 500.000 Euro finanziert wird. Die Stiftung Mercator wurde im Jahr 1996 von der Familie Schmidt gegründet, einem der Hauptanteilseigner der Metro Group.

Ziel des Projekts sei es, Schüler aller Jahrgänge für kulturelle Aktivitäten und kreatives Schaffen zu begeistern, heißt in einem vom niedersächsischen Kultusministerium und niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur herausgegebenen Flyer. Kultur solle in den Unterricht aller Fächer hineinwirken und zudem „lebendiges Lernprinzip und Gestaltungselement im gesamten Schulalltag“ sein.

Entwicklung von fächerübergreifenden Unterrichtseinheiten

Wie das konkret funktionieren kann, lässt sich besonders gut an der IGS Bothfeld beobachten. Die 2013 gegründete Integrierte Gesamtschule ist die erste und bislang einzige Kulturschule in Niedersachsen. Sie hat sich genau das, was laut dem Flyer Ziel des Projekts sein soll, grundsätzlich zum Schulkonzept erkoren. „Wir erarbeiten gemeinsam mit Kulturexperten fächerübergreifende Unterrichtseinheiten“, erklärt Schulleiter Rainer Kamphus die Besonderheit des Konzepts. Kooperationspartner der IGS Bothfeld sind die Kestnergesellschaft, das Landesmuseum, die NDR-Radiophilharmonie, das Medienzentrum der Region Hannover und das Schauspiel Hannover.

Zweimal jährlich beschäftigen sich die Schüler mit solchen fächerübergreifenden Themen. Im sechsten Jahrgang ging es zum Beispiel einmal sechs Wochen lang um das Thema Räume. Im Mathematikunterricht berechneten die Kinder Raumvolumen, in Deutsch beschrieben sie Räume, in Englisch lernten sie Vokabeln rund um das Thema Weltraum, im Fach Naturwissenschaft behandelten sie die Lebensräume Luft und Wasser. Und im Musikunterricht probierten sie aus, wie verschiedene Räume klingen. „Ein Rhythmus klingt im Klassenraum ganz anders als in der Küche, wenn man dafür Küchengeräte benutzt“, sagt Musiklehrer Sascha Rittgerodt.

Entwickelt hat dieses fächerübergreifende Thema Lehrerin Astrid Ziron gemeinsam mit den Fachlehrern und einer Vertreterin der Kestnergesellschaft. Die Kunsteinrichtung ist Hauptkulturpartner der IGS Bothfeld und nimmt auch mit ihr gemeinsam am Projekt „Schule: Kultur!“ teil. Klassenbesuche in Ausstellungen der Kestnergesellschaft geben den Anlass zu den Themen, mit denen sich die Schüler dann fächerübergreifend befassen. Beim Thema Raum war es eine Ausstellung von Heimo Zobernig, in der die Mädchen und Jungen unter anderem der Frage nachgegangen sind, wann etwas zu einem Kunstgegenstand wird. Anschließend stellten sie im Kunstunterricht selbst eine Miniaturausstellung her, indem sie Alltagsgegenstände veränderten und in einem Karton platzierten.

„Das ist ein goldener Kühlschrank“

Emil Breitenreiter etwa hat den Fußboden für seinen Karton grün gestaltet. „Das wird ein Fußballfeld“, kündigt er an. Tobias Hindahl hat aus Eierkartons kleine Sessel geschnitten und eine leere AspirinSchachtel mit goldener Farbe bemalt. „Das ist ein goldener Kühlschrank“, erklärt er. Im Karton seines Mitschülers Josua Fausto Hess schweben mithilfe von Zahnstochern und Taschentüchern gebastelte Wolken. Doch ein Clou fehlt noch: ein kleiner Abreißblock, deren Seiten er bemalt hat. „Der kommt hier an die Wand. Das sind Türen in eine andere Welt“, sagt Josua. Ihm machen die fächerübegreifenden Themenwochen Spaß. „Es ist schön, wenn man ein Thema in allen Fächern hat“, findet er. Auch die Besuche in den Ausstellungen gefallen ihm.

Kunstlehrerin Ziron findet, durch die fächerübergreifenden Projekte und den kulturellen Schwerpunkt reagierten ihre Schüler offener und unbefangener. „Es gibt sogar zurückhaltende Schüler, die bei den Projekten richtig aufblühen“, freut sie sich.

Auch Julia Wedlich von der Kestnergesellschaft bemerkt einen Unterschied bei den Kindern der IGS Bothfeld, die sie öfter sieht, im Vergleich zu anderen Schulklassen. „Die Kinder reagieren ganz anders, wenn sie schon einmal da waren. Man kann wunderbar anknüpfen“, sagt sie. Die Schüler würden „sehr spannende Antworten“ geben und seien kritischer und toleranter zugleich.

Welches Projekt die Schule und die Kestnergesellschaft mit dem zusätzlichen Landes- und Stiftungsgeld erarbeiten werden, ist noch nicht entschieden. Es soll aber eines werden, bei dem alle Kunstformen miteinander verknüpft sind. „Wir entwickeln das gemeinsam und werden die Schüler dabei natürlich einbeziehen“, kündigt IGS-Schulleiter Kamphus an.

Schillerschule

„Wir freuen uns sehr, dass wir eine der 40 Schulen in Niedersachsen sind, die an dem Projekt ,Schule:Kultur‘ teilnehmen können“ sagt Beate Günther, Leiterin der Schillerschule in Kleefeld. Das Projekt ermögliche der Schule, mit verschiedenen außerschulischen Partnern gemeinsame Kulturprojekte zu erarbeiten. Es solle dazu dienen, das kulturelle Profil der Schule zu stärken. Dabei will die Schule der in ihrem Sozialkonzept festgelegten Ausrichtung treu bleiben und sich zunächst einmal lokal engagieren. „Aus diesem Grund freuen wir uns, dass unser erster Kooperationspartner der Bürgerverein Kleefeld ist“, sagt die Schulleiterin.

Die Musik-AGs der Schillerschule können sich hören lassen. Es gibt ein Orchester, zwei Chöre und mehrere Bands wie die Bigband Fat Apple (Bild). Das Kleefelder Gymnasium möchte sein kulturelles Profil künftig noch weiter stärken.

IGS Roderbruch

Mit dem Kulturtreff Roderbruch arbeitet die IGS Roderbruch schon eng zusammen. So bietet der Kulturtreff am Nachmittag Kurse für die Kinder der Grundschulbereiches an. Es gibt zudem einen gemeinsamen Rock-Pop-Bandworkshop (Bild), den Schüler der IGS kostenfrei belegen können. Eine Theatergruppe des Kulturtreffs probt und spielt auf Bühnen der Schule. Und als kürzlich Schüler des zwölften Jahrgangs an einem Geschichtswettbewerb zum Thema Nationalsozialismus teilnahmen, stellten sie ihre Forschungsergebnisse im Kulturtreff vor.

IGS-Direktorin Brigitte Naber freut sich darauf, die Kooperation nun im Rahmen des Projekts „Schule:Kultur!“ zu intensivieren: „Das ist eine Win-win-Situation für alle Beteiligten.“ Mit dem Projekt wolle die Schule weitere Partner gewinnen und ihr kulturelles Profil weiter stärken. Naber kann sich ein großes Projekt vorstellen, an dem neben Schülern vom ersten bis zum 13. Jahrgang auch Lehrer und Eltern beteiligt sind.

Kurt-Schwitters-Gymnasium

Das Kurt-Schwitters-Gymnasium in Misburg will in den nächsten drei Jahren gemeinsam mit dem Theaterpädagogischen Zentrum Hildesheim Projekte planen. „Das Zentrum hat viel Erfahrung in der Zusammenarbeit mit Schulen, es verfügt über einen breiten Stab an Mitarbeitern und bringt Kenntnisse in der Verzahnung von Kulturworkshops mit Lehrplänen mit“, begründet Schulleiterin Kathrin Becker die Wahl des Kulturpartners. Zudem wolle die Schule ihren Theaterschwerpunkt ausbauen.

Konkrete Projektideen werden in den Fachgruppen diskutiert und entwickelt. Das Geld soll überwiegend in die praktische Arbeit mit Schülern fließen. Auch die Chorklasse im fünften und sechsten Jahrgang (Bild) ist einer der Bausteine. „Am Anfang lässt sich natürlich noch nicht sagen, wo genau die Reise hingeht. Aber eines steht fest: Lebendig und kulturell, bewegend und begeisternd soll es sein“, kündigen die Projektkoordinatoren der Schule, Juliane Seeringer und Tobias Tiedge, an.

Von Sonja Weiße

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