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Einkaufswagen-Skultpur weckt Unverständnis

Hainholz Einkaufswagen-Skultpur weckt Unverständnis

Am Ende war es dann sicher kein Skandal, sondern wohl eher ein Sturm im Wasserglas. Der Künstler Siegfried Neuenhausen hat am Sonnabend an der Fassade des stillgelegten Hainhölzer Bahnhofs eine Skulptur aus 24 halbkreisförmig angeordneten orange-roten Baumarkt-Einkaufswagen angebracht – das haben in Hainholz nicht alle verstanden.

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Siegfried Neuenhausen gibt am Hainhölzer Bahnhof keinerlei Rabatt.

Quelle: Michael Wallmueller

Hannover . In der Mitte des Werkes prangt der Schriftzug „0 Prozent auf alles“. „Jeder kennt Einkaufswagen. Ich habe diesen blöden Konsumweltartikel in ein poetisches Kunstwerk verwandelt und ihm einen ironisch-paradoxen Titel gegeben“, sagt Neuenhausen.

Das haben nicht alle in Hainholz so verstanden. Einkaufswagen, so durfte man lernen, entwickeln doch ganz unterschiedliche Assoziationen. Stadtteilforum und Sanierungskommission verweigerten die finanzielle Unterstützung der wegen Statik und Bauantrag nicht ganz preiswerten Installation. Der Stadtteil sei ein sozialer Brennpunkt, was man nicht noch verherrlichen müsse, indem man Einkaufswagen an eine historische Fassade hänge. Der Diebstahl der Metallwägelchen werde durch dieses Kunstwerk verharmlost.

Nun ist der 84-jährige Neuenhausen, der in der ehemaligen Hainhölzer Kornbrennerei lebt, alles andere als verdächtig, soziale Missstände zu verharmlosen. Er hat sich immer wieder für den Stadtteil engagiert - unter anderem, indem er mit Bewohnern Skulpturen wie die Figurinen aus Keramik gleich gegenüber vom Bahnhof sowie Reliefs für den öffentlichen Raum schuf. Das betonte auch der Kunstkritiker Michael Stöber in seinem Einführungsvortrag vor rund 50 Besuchern, die sich auf der kleinen Rasenfläche vor dem ehemaligen Bahnhof eingefunden hatten. „Neuenhausens Kunst hat immer einer soziale Komponente gehabt und immer die Intention, die Welt ein wenig besser zu machen“, erklärte er.

Um die Streitereien in Sachen Finanzierung macht der Künstler, der auf ein Honorar verzichtet hat, kein großes Aufheben. Er hat Sponsoren gesucht und gefunden; unter anderem die städtische Wohnungsbaugesellschaft GBH, die nahe gelegene Firma VSM, die Bahn und die Sparkasse. Dass es Diskussionen geben würde, hatte er ohnehin geahnt; er bezeichnet die Installation ja selbst als gewöhnungsbedürftig. „Das sind die Nanas am Leineufer aber bekanntermaßen auch gewesen. Heute will sie niemand mehr missen.“ Das Neue und Ungewohnte, dem eigenen Geschmack Fremde, werde nach und nach zum Vertrauten.

Jeder, der sich auf der Schulenburger Landstraße in Richtung Nordstadt bewegt, kann sich einen eigenen Eindruck verschaffen. Wie lange das möglich sein wird, mag Neuenhausen nicht abschätzen: „Drei Jahre mindestens, nach Möglichkeit länger, aber genau weiß das mangels Erfahrung niemand.“ Werde die Plastik unansehnlich oder befänden die Hainhölzer in zwei Jahren, dass sie weg könne, dann werde sie eben abgebaut.

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