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Hainholz zieht die Künstler an

Neues Ateliergelände Hainholz zieht die Künstler an

Nein, hinter dem Bahnhof Nordstadt beginnt nicht das Niemandsland, hier beginnt der Stadtteil Hainholz. An der Schulenburger Landstraße etabliert sich derzeit ein weiteres Ateliergelände – und nicht nur Künstler wie Siegfried Neuenhausen hoffen auf einen Imagewandel des Viertels.

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Martin Grobecker und Christoph Sander von Studio Akkord, Werkstatt für Druckgrafik haben Besuch von Horst Sander.

Quelle: Wallmüller

Hainholz. Es war purer Zufall, dass Annerose Bekuhrs die alten Hallen in Hainholz entdeckte. Eine kleine Ausstellung im privaten Rahmen sollte die ehemalige Galeristin dort für den Eigentümer ausrichten. Die abgewrackten Bürogebäude mit Schulungsräumen standen bereits seit Jahren leer. Die Gegend eher unwirtlich, mit der viel befahrenen Schulenburger Landstraße vor der Tür und Gewerbehöfen mit Autoschraubern als Nachbarn. Das raue Ambiente schreckte Bekuhrs, die früher eine Galerie im noblen Hindenburgviertel betrieb, nicht. Als Ateliers für junge Künstler erschienen ihr die Räumlichkeiten ideal. „Die müssen ja alle unheimlich rechnen und haben oft Schwierigkeiten, geeignete Arbeitsräume zu finden.“ Der Eigentümer zeigte zudem wenig Neigung, seine Immobilie in absehbarer Zeit anzufassen. Zu wenig lukrativ erscheinen Sanierung oder Neubau an der Stelle.

Der Stadtteil Hainholz etabliert sich mit dem Ateliergelände an der Schulenburger Landstraße zum Ort für Experimente. Zahlreiche Künstler arbeiten in den alten Hallen in Hainholz.

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Also schlug Annerose Bekuhrs vor, gegen Aufwandsentschädigung Mieter zu suchen – wenn Künstler mit schmalem Budget recht wären. Die 65-Jährige hörte sich um und vor rund zwei Jahren zogen die ersten an der Schulenburger Landstraße 152 F ein. Bis heute ist der Strom nicht abgerissen – aus Linden, Calenberger Neustadt, List. Überall dort, wo Ateliers – in manchmal sogar deutlich schlechterem Zustand – mehr Geld kosten. Oder die Nachfrage nach Wohnungen in zentraleren Lagen die Künstlerwerkstätten verdrängt. Edin Bajric schwärmt davon, dass er nun auch im Winter ohne Sorgen durcharbeiten könne, weil die Heizung im Atelier funktioniert. „Vorher musste ich mich zum Arbeiten dick anziehen, viel bewegen oder auch den Heizlüfter anstellen.“ Die Angst vor der hohen Stromnachzahlung wirkte da oft als Bremse.

Die Chancen des neuen Standorts hat der 35-Jährige kürzlich schon genutzt: Eine große Halle im Nebengebäude lässt sich befristet dazu mieten. Der umtriebige Bajric, der selbst als Zwölfjähriger mit seiner Familie aus Bosnien fliehen musste, hat dort mit Kindern die Bedeutung von Heimat erkundet. Die Ergebnisse des Projekts „Unter meinem Dach“ sind noch bis Sonntag in der Nord/LB Art Gallery zu sehen.
Unterschlupf in Hainholz hat auch Boris von Hopffgarten gefunden, der gemeinsam mit Bajric seit Anfang 2011 den Ausstellungsraum „Konnektor“ am Köthnerholzweg betreibt. Dort stellen beide als Kuratoren oft überraschende Ausstellungen meist jüngerer Kollegen zusammen. Von Hopffgarten selbst hat sich schon mit dem Schicksal und der merkwürdigen Gestalt von ausrangierten Haargummis beschäftigt oder anhand alte Urlaubspostkarten aus Schwimmbädern in ganz Europa das Vergehen der Zeit thematisiert.

25 Ateliers sind belegt

Per Mundpropaganda verbreitete sich die Kunde von den preiswerten Räumen rasch. Rund 25 Ateliers in zwei Gebäuden sind inzwischen belegt – von studierten Künstlern, Autodidakten, Hobbykünstlern, Fotografen, Kunsthandwerkern. Die Designer Christoph Sander, Thomas Wahle und Martin Grobecker zogen mit alten Druckmaschinen ein. In ihrer Werkstatt für Druckgrafik und Gestaltung „Studio Akkord“ entstehen originelle Grußkarten, limitierte Kunstdrucke, Plakate und CD-Cover. „Durch die geringe Miete haben wir Luft für Experimente und müssen nicht streng auf Wirtschaftlichkeit schauen“, sagt der 35-jährige Sander.

Ein paar Türen weiter widmet sich Nicola Saric aus Belgrad religiös inspirierten Themen, die an die Bildsprache der Ikonenmalerei erinnern. Der aus Russland stammende Sergej Tihomirov freut sich über deutlich mehr Platz für seine Malkurse, auch wenn mancher seiner Schüler auf das provisorische Ambiente irritiert reagierte. „Der Ort hier hat wirklich keinen Nobelglanz. Aber die Anwesenheit von so unterschiedlichen Künstlern ist interessant“, urteilt der 50-Jährige. Maler und Fotograf Peter Redeker, ehemals Kunstprofessor an der Fachhochschule, kam jüngst noch dazu. Und erst diesen Monat Sandra Gast und Bendine Hentschel: Ihr bisheriges „Atelier ohne Titel“ in einem Lister Hinterhof wird zu Wohnungen umgebaut.

Künstler werten Hainholz auf

Als Atelierstandort bekommt Hainholz damit einen kräftigen Schub. Einige der „Neuen“ machen denn auch bei der ersten gemeinsamen Ausstellung von vier Künstler-Gemeinschaften aus dem Stadtteil mit. Die tausend Quadratmeter große Kunsthalle auf dem Gelände bietet dafür genügend Raum.

Siegfried Neuenhausen, der ab 1984 mit seiner „Kornbrennerei“ viele soziale und künstlerische Projekte vor Ort in Gang gesetzt hat, lobt die „Spürnase“, mit der Annerose Bekuhrs die preiswerten Atelierräume aufgetan hat. Ein Gebäude wird womöglich bald noch frei, allerdings in besserem Zustand und damit teurer in der Vermietung. Neuenhausen interessiert sich speziell für die Profis unter den Zuzüglern – und hofft für die Hainhölzer auf einen weiteren Imagewandel ihres Viertels. Und vielleicht den eine oder anderen Kollegen, der sich auch im Stadtteil engagiert. „Ich freue mich besonders über Christian Riebe, den ich für einen der besten Künstler in Hannover halte.“

Den Stadtteil bereichern werden die Neuen mit Sicherheit, glaubt Monika Neveling, selbst ortsansässige Künstlerin. „Aus Richtung Nordstadt wirken die Bahngleise wie eine imaginäre Grenze. Wir wollen die Idee auflösen, dass dahinter das Niemandsland beginnt. Denn das ist Hainholz schon lange nicht mehr.“ Je mehr Anziehungspunkte auf der anderen Seite locken, umso eher kann das gelingen.     

27 Künstler stellen aus

Eine Mischung von Werken renommierter Künstler, Hobbymaler und dem weiten Feld dazwischen ist ab Freitag in der noch neuen Kunsthalle Hainholz an der Schulenburger Landstraße 150 zu sehen. Zum ersten Mal stellen die Künstler aus vier Hainhölzer Ateliergemeinschaften gemeinsam aus – in einem Ambiente mit dem Charme des Provisorischen. Der Hainhölzer Kultursommer versammelt 27 Kunstschaffende unter einem Dach, die inzwischen alle im Stadtteil arbeiten.

Darunter sind bekannte Namen wie Sun-Rae Kim, die rätselhafte Figuren und Gebilde aus Perlen und Schuppen schafft, Christian Riebe mit einer großen Installation, Ulla ­Lauer und Siegfried Neuenhausen. Auf rund Tausend Quadratmetern zeigt die Ausstellung verschiedenste Kunstformen und Stile bis hin zu sakraler Malerei. Beteiligt sind Künstler aus Kornbrennerei, Kulturbunker Hannover, Atelier Helmkestraße sowie den Ateliers an der Schulenburger Landstraße 152 F.

Zur Vernissage am Freitag, 14. August, um 18 Uhr spricht Siegfried Neuenhausen. Die Ausstellung endet am 10. September mit einer Finissage. Geöffnet ist sonnabends von 15 bis 20 Uhr sowie sonntags von 13  bis 18 Uhr sowie nach Absprache unter Telefon (05 11) 70 86 81.

Offene Ateliers : Die Ateliers an der Schulenburger Landstraße 152 F öffnen am Sonnabend, 29. August, von 14 bis 19  Uhr und am Sonntag, 30. August, von 13 bis 18 Uhr ihren Türen.

Weitere Informationen zum Hainhölzer Kultursommer gibt es unter www.kultursommer-hainholz.jimdo.com     

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