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Hannovers erste Grundschule mit Kulturprofil

Mühlenberg Hannovers erste Grundschule mit Kulturprofil

Rund 30 Nationalitäten sind an der Grundschule Mühlenberg vertreten. Die Mehrzahl der 370 Schüler sprechen Deutsch als Zweitsprache. Das Kollegium um Rektorin Stefanie Ramberg hat deswegen ein neues Schulprofil entwickelt. Als erste Grundschule in Hannover setzt die Einrichtung ab sofort voll auf Kultur.

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Rektorin Stefanie Ramberg mit dem neuen Logo auf dem Schulplaner.

Mühlenberg. Schüler im Stadtteil haben jüngst ein Lied getextet, das den Kern einer immer drängenderen Frage trifft - der richtigen Sprachförderung von jungen Menschen aus Einwandererfamilien. Das Lied beginnt so: „Grundschule Mühlenberg, freundlich, fröhlich fair; aus vielen Ländern kommen wir.“ Geschrieben haben es Kinder, die Lara oder Diana heißen, aber auch Mohammad, Hewa und Ece. Rund 30 Nationalitäten sind an der Grundschule vertreten. Die Mehrzahl der 370 Schüler sprechen Deutsch als Zweitsprache. Das spiegelt einerseits die Bevölkerungsentwicklung in Mühlenberg wider. Andererseits stellt es Lehrer vor besondere Herausforderungen. Das Kollegium um Rektorin Stefanie Ramberg hat nun ein neues Schulprofil entwickelt. Als erste Grundschule in Hannover setzt die Einrichtung ab sofort voll auf Kultur.

Sprachbildung und interkulturelles Lernen - das sind zentrale Themen für die Mühlenberger Schule. Mit Kulturangeboten funktioniere das am besten, findet Ramberg, die seit 2013 Schulleiterin ist. Die Grundschule versteht sich als sportfreundliche Schule, auch Naturwissenschaften könnten als Katalysatoren für Sprachvermittlung herhalten. Aber Musik, Theater, die Zusammenarbeit mit Künstlern in Workshops und Leseförderung - bei alldem steht das Wort im Zentrum. Gesprochen, geschrieben, gespielt. Kultur und Sprache gehen bei den neuen Angeboten im Schulalltag eine besonders feste Bindung ein; das soll die Sprachfähigkeiten der Grundschüler und damit ihre Chancen bei weiterführenden Schulen und damit im späteren Leben verbessern.

Gut ein Jahr lang baute das Kollegium am neuen Konzept. Dabei kooperierte die Schule auch mit Kerstin Koller vom Quartiersmanagement, das die kommunale Baugesellschaft GBH in Mühlenberg unterhält, dem Freizeit- und Bildungszentrum Weiße Rose sowie dem städtischen Fachbereich Bildung und Qualifizierung. Dort ist unter anderem Marianne Heyden-Busch für kulturelle Bildung an Kindergärten und Schulen verantwortlich. Ginge es nach der Stadt, es würden noch mehr Grundschulen einen ähnlichen Schwerpunkt aufbauen, sagt Heyden-Busch. „Wir sind mit mehreren Einrichtungen im Gespräch. In Mühlenberg geht es schon jetzt los.“ Für Quartiersmanagerin Koller ist das neue Schulprofil zudem ein starkes Mittel, um mehr Identität zwischen Kindern und Schule zu stiften - und dadurch den Schulstandort aufzuwerten. Dafür steht auch das neue Logo, das mit einer stilisierten Weltkugel und bunten Farben dem multikulturellen Charakter der Schule Rechnung tragen soll.

Den Auftakt zum neuen Profil machten die Kulturtage im September. Die Vorbereitung darauf ist für alle Jahrgänge verpflichtend. Das Texten und Komponieren des eingangs zitierten Schulsongs war Teil davon. Mitte September kam dann der Höhepunkt mit einem Gastspiel des Kammerorchesters Pro Artibus aus der Nordstadt, das Volker Thies als Mozartfigur Papageno moderierte. Jedes Jahr wird es solche Kulturtage geben. Darüber hinaus geplant sind: noch mehr Leseförderung als bisher, die Zusammenarbeit mit externen Einrichtungen wie dem Museum August Kestner, die Kooperation mit dem Theaterpädagogischen Zentrum in Mühlenberg, ein eigenes Improvisationstheater und Workshops sowie Fortbildungen für die Lehrer. Damit einher gehe ein „sprachsensibler Unterricht“, sagt Ramberg. Deutsch sei die Verkehrssprache an der Schule, doch viele Kinder hätten zu wenig Kenntnisse. Weil sie vor der Einschulung weder in einem Kindergarten waren, noch sich zu Hause mit ihrer Familie auf Deutsch unterhielten. Deshalb gibt es an der Grundschule eine Sprachlernklasse mit insgesamt 32 Plätzen. Kindern aller Jahrgänge wird dort durch eine Pädagogin die deutsche Sprache beigebracht, damit sie am Unterricht teilnehmen können. Im Unterricht selbst werden Sätze von Kindern oft wiederholt und dabei korrigiert. „In der Pädagogik ist das meist verpönt“, sagt Ramberg. Für die Sprachbildung ihrer Schüler aber halte sie das für nötig. Sie könnte mehr Sprachlernklassen brauchen; am liebsten würde sie auch schon jetzt einen Ganztagsbetrieb starten, um den Kindern mehr Angebote machen zu können. Für beides aber fehlt an der Schule der Platz. Seit Jahren wartet die Grundschule auf einen Anbau, der die Mittagsversorgung sicherstellt und Platz für außerschulische Angebote bietet (siehe Text unten).

Von Marcel Schwarzenberger

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